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Foto:  Begsteiger/ Ärzte Woche-Montage
Die Administration in einer Ges.m.b.H. lässt sich sehr viel kostengünstiger abwickeln als in einer Ein-Personen-Praxis mit Teilzeitkräften.
Foto: Privat

Lutz Bürgel Geschäftsführer Bürgel & Partner BDU,

 
Praxis 14. Juli 2009

In guter Gesellschaft

Ist die Ärzte-GmbH tatsächlich eine effiziente Alternative zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen?

Die ersten Vorschläge der Gesundheitsreform 2009 überraschen durch ein anspruchsvolles Wirtschaftlichkeitsziel von 2,5 Milliarden Euro Einsparungen im Gesundheitswesen und eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen. Allerdings wird kaum erklärt, wie die Einsparungen konkret zustande kommen sollen. Eine der ins Auge gefassten Maßnahmen ist die Möglichkeit, Ärzte-GmbHs zu gründen. Bietet sie tatsächlich ein hohes Einsparungspotenzial oder ist sie nur erneut eine solche Idee, die nach kurzfristigem Interesse rasch wieder in Vergessenheit gerät.

Die vor einigen Tagen vorgestellten Ansätze der Gesundheitsreform 2009 überraschen die neugierige Öffentlichkeit nicht wirklich. Die Summe aller Verbesserungsvorschläge sollen zwar rund 2,5 Milliarden an Einsparungen bringen, allerdings blieben konkrete Details bisher unerwähnt. Dem Interessierten bleibt es selbst überlassen, sich über die Sinnhaftigkeit solcher „Berechnungen“ Gedanken zu machen.

Es wurden zwar eine Reihe von Ansätzen genannt, wie die Kosten/Leistungsrelationen im Gesundheitswesen entscheidend verbessert werden sollen – beispielsweise über den verstärkten Einsatz von Generika, die Modifizierung von Verpackungsgrößen, die Modernisierung des Vertragsrechtes zwischen Ärzten und Krankenkassen und über einige weitere Vorschläge, deren Auswirkungen jedoch von Außenstehenden nicht berechnet werden können, da keine genauen Berechnungsgrundlagen zur Verfügung stehen. Neben den in Aussicht gestellten flexibleren Öffnungszeiten, die für eine bessere bzw. gleichmäßigere Auslastung der Sprechstunden sorgen könnten, haben Hauptverband und Ärztekammer sich darauf verständigt, neue Kooperationsmodelle und Gesellschaftsformen für Vertragsärzte und Gruppenpraxen zuzulassen. Konkret werden im besagten Papier Ärzte-GmbHs genannt.

Jeder Student der Betriebswirtschaft lernt in den ersten Semestern den Zusammenhang zwischen Unternehmensziel und zweckmäßiger Unternehmensorganisation. Einzelunternehmen, Personengesellschaften oder juristische Personen wie GmbH oder Aktiengesellschaften sind unterschiedlich gut für die verschiedenen wirtschaftlichen Aktivitäten geeignet, beispielsweise für die Beschaffung von Fremdkapital oder die Gewinnung von Partnern oder Teilhabern zur Reduzierung oder Verteilung des wirtschaftlichen Risikos. Dazu gehört auch die Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitern und der Aufbau eines erfolgreichen Vertriebskonzeptes.

Gesundheitszentren für eine umfassendere Versorgung

Welchen wirtschaftlichen Vorteil eine Ärzte-GmbH bringen soll, lässt sich aus den vorliegenden Informationen der Gesundheitsreform nicht wirklich ableiten. Ein wesentlicher Fortschritt für die medizinische Versorgung wäre die Gründung von flächendeckenden sogenannten Gesundheitszentren, in denen das gesamte Spektrum der medizinischen Leistungen von einem Ärzteteam aller (oder der wesentlichen) Fachrichtungen dem breiten Publikum angeboten wird.

Durch die Zusammenfassung der verschiedenen Leistungen in einem Haus verkürzen sich die Wege der Patienten erheblich: Sie gelangen von der Aufnahme (E-Card-Anlaufstelle) ohne lange Wege von einem Behandlungsraum zur nächsten notwendigen Dienstleistungsstelle, z.B. dem Röntgen. Andere fachärztliche Leistungen werden auf dem gleichen Flur oder eine Etage höher angeboten.

Für den Arbeitseinsatz der Ärzte lässt sich die Administration (Termin- und Sprechstunden-Organisation) sehr viel kostengünstiger abwickeln als in einer Ein-Personen-Arzt-Praxis mit Teilzeitkräften.

Die Nutzung (Auslastung) der teuren medizinischen Apparaturen und Geräte kann zudem effizienter erfolgen. Die Beschaffung dieser Geräte ist generell kostengünstiger, als wenn jeder niedergelassene Arzt die Investitionen selbst tätigt.

Ges.m.b.H. nicht zwingend

Im Wintersemester 2008/2009 haben Studenten an der Wirtschaftsuniversität Wien die Vorteile für die medizinische Versorgung von Patienten durch Gesundheitszentren in einem Businessplan durchgerechnet und seine erfolgreiche Umsetzungsmöglichkeit nachgewiesen.1)

Der wesentliche Vorteil liegt vor allem in der größeren Wirtschaftlichkeit, mit der die verschiedenen medizinischen Leistungen erbracht werden können. Dabei ist die Gründung einer Ärzte-GmbH als juristischer Rahmen bzw. Organisationsform für ein solches Ärzte-Zentrum nicht unbedingt zwingend.

Für den nachhaltigen Erfolg einer Gesundheitsreform mit wesentlichen Einsparungen im ambulanten Bereich ist die Errichtung einer Ärzte-GmbH nicht Voraussetzung. Vielmehr sollten seitens der Entscheidungsträger die Weichen in Richtung effizientere Prozesse und Betriebsorganisation gestellt werden. So lassen sich in der Tat Kosten effektiv einsparen.

 

1) Der Autor hat bei der Erstellung des Businessplan „Ärztezentrum“ an der Wirtschaftsuniversität Wien im WS 2008/2009 als Praxiscoach mitgewirkt. Die Ergebnisse des „Businessplan Ärztezentrum“ werden in einer späteren Ausgabe der Ärzte Woche vorgestellt.

Von Lutz Bürgel, Ärzte Woche 28 /2009

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