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Foto: Privat
Lutz Bürgel ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Bürgel & Partner BDU, mit Sitz in Wien und Berlin
 
Praxis 23. Juni 2009

Die Insel der Steuerseligen

Das Jahressechstel von sechs Prozent ist nicht selbstverständlich.

Es ist schon eine feine Sache - zumindest für Arbeitnehmer und Pensionisten: Für Sonderzahlungen wie etwa das 13. und 14. Gehalt wird lediglich eine reduzierte Lohnsteuer mit einem fixen Steuersatz von sage und schreibe sechs Prozent vom Fiskus einbehalten. Bei zwölf laufenden Bezügen plus zwei Sonderzahlungen wird genau ein Sechstel der Jahresbezüge mit diesem günstigen Steuersatz besteuert. Das ist das „berühmte“ Jahressechstel. Wenn man das mit anderen Ländern vergleicht, befinden sich alle Österreicher, die dazugehören, schon auf der „Insel der Seligen“!

 

Dabei ist die Sechs-Prozent-Besteuerung noch nicht alles: 620 Euro an Sonderzahlungen pro Jahr bleiben von vornherein steuerfrei, so hoch ist der generelle Freibetrag für Sonderzahlungen. Liegt das Jahressechstel unter 2.000 Euro, wird es ebenfalls nicht besteuert. Das betrifft Arbeitnehmer und Pensionisten, die monatlich weniger als 1.000 Euro brutto verdienen.

Wenn man bedenkt, dass der Eingangssteuersatz für die Lohn- oder Einkommensteuer derzeit bei 38,3% beginnt (mit der Steuerreform wird dieser Prozentsatz geringfügig auf 36,5% gesenkt) ist die Fixbesteuerung von sechs Prozent schon ein besonders großzügiges Steuergeschenk!

Besonders „findige“ Arbeitnehmer, die ihren Dienstgebern den Vorschlag vermitteln können, weitere Sonderzahlungen (z.B. Prämien) in Form einer Gehaltsanpassung auszuzahlen, profitieren zusätzlich, da die höheren laufenden Bezüge auch das Jahressechstel entsprechend anheben. So wird erreicht, dass der Fixsteuersatz für einen größeren Teil des Jahreseinkommens Anwendung findet.

Aber Achtung: Es gilt hier genau nachzurechnen, denn ein höheres Gehalt „kostet“ auch höhere Sozialversicherungsbeiträge, die der Steuereinsparung gegengerechnet werden müssen.

Für freie Dienstnehmer und Selbständige, die von diesen Steuergeschenken bisher nur träumen konnten, soll die Benachteiligung gegenüber Arbeitnehmern mit der Steuerreform für 2009 durch Freibeträge – zumindest – teilweise ausgeglichen werden.

Lutz Bürgel, Ärzte Woche 25 /2009

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