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Foto: Archiv
Dr. Gerald Bachinger Leiter der Patientenanwaltschaft Niederösterreich
 
Praxis 23. Juni 2009

Rechtliche Rückendeckung für niederösterreichische Ärzte

Wichtiges Ziel bei Konflikten zwischen Ärzten und Patienten sind außergerichtliche Lösungen.

Die Ärztekammer attestiert uns sichtlich eine sehr hohe Kompetenz und Effektivität in unserer Arbeit – so sollen wir uns auch für die Einhaltung der Arbeitszeiten der Spitalsärzte einsetzen. Nur denke ich, dies wäre die zentrale Aufgabe einer ärztlichen Standesvertretung. Es gibt sicher einen Zusammenhang zwischen aufgrund „endloser“ Arbeitszeiten übermüdeten Ärzten und Fehlern in Diagnose und/oder Behandlung – das Problem ist aber nicht eindimensional lösbar. Denn kommt es zu häufigen Wechseln in der medizinischen Betreuung, können Schnittstellenprobleme bei der Informationsübermittlung neue Qualitätsprobleme schaffen. Die Patientenanwaltschaft bringt gerne ihre Kompetenz in die Entwicklung entsprechender Konzepte ein, der Fokus liegt aber ganz klar auf der Vertretung des Patienten sowie seiner Rechte, Interessen und Bedürfnisse.

Schon seitdem es die Patientenanwaltschaft gibt, besteht eine gewisse Skepsis ihr gegenüber unter Ärzten. Und es wird betont, dass die Ärzte sich für die Rechte der Patienten einsetzen würden. Das trifft in vielen Fällen sicher zu. Aber selbst wenn die Kommunikation zwischen Arzt und Patient generell gut läuft und sehr auf Qualität geachtet wird, kann es zu Interessenskonflikten kommen. Auch daher braucht es eine weisungsfreie und unabhängige Vertretung, die ganz dezidiert die Seite der Patienten stärkt.

Zur neuen Institution des niederösterreichischen Ärzteanwalts: Rechtsanwälte waren ja schon bisher sowohl auf Seiten der Ärzte als auch der Patienten tätig, das ist nichts Neues. Gerade in Niederösterreich, aber auch in anderen Bundesländern funktioniert die kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Patientenanwaltschaft, Schiedsstelle der Ärztekammer und Patienten sehr, sehr gut. Dr. Reisner ist selbst immer wieder als sehr geschätzter Gutachter für die Patientenanwaltschaft tätig. Ich hoffe sehr, dass dieser gute Weg der intensiven Kooperation nicht verlassen wird.

Drei von vier an uns herangetragene Patientenanfragen können schon in einem ersten klärenden Gespräch gut behandelt werden, auch weil es nicht um schadenersatzrelevante Vorgänge geht. Es geht – hoffentlich auch den Ärzten – darum, möglichst viel außergerichtlich zu lösen. Denn der Weg zum Gericht stellt eigentlich eine Eskalation dar.

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