zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 10. Juli 2008

Der Kampf ums Geld

Bei der Gesundheitsreform geht es nicht nur um Strukturen und Qualitätskriterien, sondern vor allem ums Geld. Die Kassen sollen sparen, die Leistungserbringer nichts hergeben. Andere werfen gerade den Ärzten vor, schon jetzt genug zu verdienen. Eine Analyse.

Die mediale Häme war groß. Ausgerechnet aus dem norditalienischen Nobelbadeort Grado meldeten sich die Ärzte im Mai mit ihrer Kritik an der Gesundheitsreform. Grund waren die jährlich an der Adria stattfindenden Ärztetage, eine Fortbildungsveranstaltung der Österreichischen Akademie der Ärzte. Selbst ORF-Anchorman Armin Wolf konnte sich einen Seitenhieb gegenüber den Ärzten nicht verkneifen. So hart kann die Reform die Ärzte nicht treffen, wenn sie sich einen Urlaub an der Nordadria leisten können, schienen viele Journalisten nicht nur zu denken, sondern teilten dies auch mehr oder weniger direkt der Öffentlichkeit mit.
Tatsächlich geht es bei der Reform vor allem auch ums Geld. Immerhin wollen die Krankenkassen die Kostensteigerungen in den Griff bekommen, und das wird ohne Einbußen bei Leistungserbringern kaum gehen. Es gibt allerdings auch politische Stimmen im Umfeld der Regierung, dass man genau deshalb mit finanziellen Zugeständnissen auch die Zustimmung der Ärzte bekommen könnte. Tatsächlich gehe es der Kammer nämlich vor allem um den Erhalt des Wohlfahrtsfonds.
Die Angst vor der im vergangenen Herbst abgewendeten Möglichkeit der Schaffung von sogenannten Ambulanten Versorgungszentren mit Ärzte-GmbH ist in der Kammer nämlich noch nicht vom Tisch. Denn eine solche Lösung könnte bedeuten, dass Spitzenverdiener der Ärztekammer den Rücken kehren und mittels steuerlich günstigerer GmbH in die Wirtschaftskammer abwandern. Für Kammerumlage und Wohlfahrtsfonds der Ärzte wäre das möglicherweise fatal. Würde dies durch ein entsprechendes Gesetz verunmöglicht, so Beobachter, wäre eine große Sorge der Ärzte gebannt, und das könnte auch Zustimmungen zur Gesundheitsreform bringen.
Gerade der Wohlfahrtsfonds der Ärzte ist nämlich ein streng gehütetes Geheimnis, ähnlich dem Streikfonds der Gewerkschaft, der aber bekanntlich zusammen mit der Bawag weitgehend in karibischen Sümpfen untergegangen ist. Fix ist, dass in Wien die Einnahmen für den Wohlfahrtsfonds heuer laut Voranschlag rund 62,5 Millionen Euro ausmachen werden. Der Großteil davon sind Mitgliedsbeiträge, etwa acht Millionen sind Vermögenserträge. Die Ausgaben sollen sich auf 48,8 Millionen Euro belaufen. Bleibt ein Überschuss von rund 13,7 Millionen Euro. Wie viel die Ärztekammern in den anderen Bundesländern auf der hohen Kante haben, ist nicht bekannt. Lediglich die Wiener Kammer veröffentlicht die Bilanzen detailliert.
Aus den Zahlen der Wiener Kammer und der Statistik Austria lassen sich allerdings zumindest Hochrechnungen für ganz Österreich erstellen. Demnach verdient laut Einkommensstatistik der Statistik Austria ein durchschnittlicher Facharzt in Österreich pro Jahr rund 113.000 Euro, 96.000 Euro ein Zahnarzt und knapp 79.000 Euro ein Praktiker. Bei diesen Zahlen ist allerdings zu beachten, dass bei angestellten Ärzten die Sozialversicherungsbeiträge im Gegensatz zu den unselbstständigen noch nicht herausgerechnet sind. Das ist auch einer der Gründe, warum auf Basis der Wiener Kammerzahlen das Durchschnittseinkommen niedriger ist als vom Statistik Austria berechnet, da von den 11.500 hier arbeitenden Ärzten nur rund 4.800 niedergelassen sind.

Andere Verteilung

Für die Kammerumlagen der Bundesländer würde das verglichen mit den Wiener Zahlen bedeuten, dass diese sich um die 32 Millionen Euro (Länderkammern) und 240 Millionen (Wohlfahrtsfonds) bewegen. Eine Ungenauigkeit ergibt sich allerdings daraus, dass die Verteilung zwischen angestellten und selbständigen Ärzte und deren Einkommen gerade in der Bundeshauptstadt doch anders aussieht als in den Bundesländern.
Wofür die Kammern das Geld ausgeben, ist ebenfalls nur in Wien ersichtlich. So machen die sogenannten Funktionsgebühren rund sieben Prozent aus, allerdings steigen diese heuer im Vergleich zum Vorjahr um satte 28,7 Prozent. Die Personalkosten liegen bei rund 37 Prozent, der Verwaltungsaufwand bei sieben Prozent. Stark anwachsen werden in Protestzeiten auch die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit von zehn auf zwölf Prozent.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben