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Praxis 7. März 2008

Stoff-(T)räume (Raumdoktor 19)

In der letzten Folge des Raumdoktors wurde bereits ein Überblick über neue textile Gewebe und seine Anwendungsmöglichkeiten in der Innenraumgestaltung gegeben. Tagtäglich ist man einer Vielfalt an visuellen und akustischen Eindrücken ausgesetzt. Durch den Einsatz von Textilien können etwa grelles Licht und störende Geräusche abgeschwächt werden. Ob als Teppich, Vorhang oder Raumteiler, die Möglichkeiten, einen Wohn- bzw. Arbeitsbereich durch verschiedene Textilien aufzuwerten, sind reichhaltig. Dabei ist zu bedenken, dass „der Stoff, aus dem die Räume sind“, nicht immer aus Baum- oder Schafswolle bestehen muss!

 Lamellen
Lamellenvorhänge erzeugen ein effektvolles Raumambiente.

Illustration: DI Niel Mazhar

Textilien jeglicher Art formten die ersten Behausungen der frühen Menschheit, nachdem diese beschlossen hatte, die kalten, unwirtlichen Höhlen der Steinzeit zu verlassen. Nicht nur, dass Zelte wesentlich hübscher anzusehen waren, erlaubten sie auch mitsamt ihrer Innenausstattung im Gepäck eine schnelle und unkomplizierte Fortbewegung. So konnte man jederzeit den alten Wohnort hinter sich lassen und ein neues Domizil in ruhiger Lage und mit hübscher Aussicht beziehen.
Textilien sind Ausdruck eines grundlegenden menschlichen Bedürfnisses nach einer warmen und wohlbehagten Hülle, die unseren zunehmend haarlos gewordenen Körper, einer zweiten Haut gleich, beschützt. Das sahen auch die ersten Menschen so, zogen den erbeuteten Tieren die Haut ab und formten daraus Kleidungsstücke und erste mobile Behausungen.

Von Wand und Tür befreit

Dennoch kann man durchaus auch innerhalb massiver Mauern auf die Vorteile textiler Gewebe zurückgreifen. Von A wie Anjour, einer Stickereiart, bis Z wie Zylindersamt – Textilien zeichnen sich durch ihre vielseitige Anpassungsfähigkeit und Flexibilität aus, die Nestwärme und Behaglichkeit wie kaum ein anderes Material suggerieren können. Sie bringen fließende Formen in den Innenraum, weichen Konturen eines Ortes auf und erreichen dadurch eine sanfte Leichtigkeit. Als Vorhänge an Fenstern oder auch mitten im Raum lassen sich so zusätzliche Wohnbzw. Arbeitsbereiche schnell unterteilen und abschirmen. Diese Raumgrenzen können aber im Gegensatz zu massiven Wänden und Türen leicht wieder aufgelöst werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie jederzeit einfach abzunehmen, zu reinigen oder zu erneuern sind.
Ein bewährtes System, um Fenster zu verschatten oder Räu-me zu zonieren, sind Vertikallamellen. Diese meist 10 bis 20 cm breiten Lamellen werden wie Vorhänge in Schienen geführt und können auf elegante Weise effektvolle Strukturen in Räumlichkeiten projizieren. Durch rollengelagerte Laufwagen und Schnurzüge sind diese einfach zu bedienen und frei justierbar, um den gewünschten Lichteinfall oder Blickbezug zu erreichen (siehe Bild).
Auch Fadenvorhänge, einfache Systeme aus vertikalen Schnüren, erfreuen sich wieder neuer Beliebtheit. Sie erlauben den Durchgang an jeder gewünschten Stelle und ersetzen dadurch Wand und Tür. Durch spezielle Herstellungsarten sind sie nicht nur in ästhetischer Hinsicht vielseitig – einige dieser neuen Materialien können sogar die Raumluft auffrischen, indem sie unangenehme Gerüche und Schadstoffe aufnehmen und diese in ihre Grundbestandteile aufspalten. Sie werden meist aus schwer entflammbarem Material hergestellt und sind unempfindlich und strapazierfähig.

Neue Materialien

Textile Gewebe und Geflechte müssen aber nicht zwangsläufig aus Wolle oder ähnlichem Stoff sein. Eine große Anzahl anderer Materialien mit entsprechender Verarbeitung verfügt über ähnliche Eigenschaften. Für den Einsatz in Innenräumen sind besonders PVC-Folien geeignet, die eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten erlauben. Diese Membrane können wie ein gespanntes Segel als Raumteiler und gleichzeitig als Projektionsfläche genutzt werden, die den Patienten im Warteraum unterhalten. Dieser Kunststoff, der sowohl transparent als auch farbig oder matt durchscheinend hergestellt werden kann, wird etwa als Lichtdecken und Sonnensegel vor großen Fensteröffnungen oder an Treppen als Geländer eingesetzt. Einige dieser Folien können auch zu luftgefüllten Pölstern verarbeitet werden, sogenannte pneumatische Konstruktionen, die als kunstvolle und plastische Raumteiler Verwendung finden.
Gewebe und Geflechte, die bisher als flach und unscheinbar wahrgenommen wurden, erfreuen sich einer neuen Dreidimensionalität. So können formflexible und schimmernde Metallgewebe vor Sonne oder ungewollten Blicken Schutz bieten. Aber auch als Verkleidung von Heizkörpern sind sie einsetzbar. Sie verleihen einem Raum eine elegante und beinahe surreale Note und erlauben nahe-zu uneingeschränkten gestalterischen Spielraum.

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 11/2008

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