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Praxis 28. Februar 2008

Kleider machen Räume (Folge 18)

Ausschlaggebend für so manche Raumatmosphäre sind oft weniger das Mobiliar als vielmehr Materialien, Kolorierungen und Texturen. Ein Werkstoff, der Stimmungen besonders gut transportieren kann, sind Textilien. Diese „Raumkleider“ tauchen in vielen Formen, Farben und Oberflächenstrukturen auf und finden in vielen Bereichen Verwendung. Ein Raum, in dem alles Mobiliar entfernt wird und nur mehr Teppiche, Vorhänge und Textiltapeten übrig bleiben, wirkt dennoch wohnlicher und wärmer als ein voll eingerichteter Raum, dem diese Akzente fehlen.

 Vorhang

Illustration: DI Niel Mazhar

Eines meiner liebsten Hobbies ist es, abends gemütlich nachhause zu spazieren. Nicht nur, dass es sich empfiehlt, ab und an den Kreislauf in Schwung zu bringen, man kann dabei auch sehr schön in die beleuchteten Fenster lugen. Dabei offenbart sich nur ein kleiner Ausschnitt einer Wohnung, man erkennt vielleicht einen dicken Vorhang, eine Lampe, möglicherweise Topfpflanzen oder die Tapeten. Bereits aus diesen kleinen Details kann man nicht selten auf das gesamte Ambiente eines Raumes schließen oder aber auf Lebensstil und Vorlieben des Bewohners.
Textilien gelten als Stimmungsmacher, sind wie der schillernde Stargast einer gelungenen Gesellschaft. Je nach Struktur und Material haben sie ganz unterschiedliche Eigenschaften und werden dementsprechend eingesetzt. Sie können zahllose Formen und Gestalten annehmen, dünn und leicht, füllig, elastisch, transparent oder blickdicht sein. Sie machen die Konturen eines Raumes weicher, dämpfen den Schall und bereichern so das Raumklima. Sie schützen vor Kälte, Sonnenlicht, eindringenden Blicken oder spielen einfach nur die Rolle des Accessoires.
Dabei steht eine breite Palette moderner Textilien mit unterschiedlichsten Eigenschaften zur Verfügung. Besonders interessant für medizinische Einrichtungen sind Stoffe und Materialien, die nicht nur ästhetischen, sondern auch hygienischen Bedürfnissen gerecht werden. Es wurden bereits bioaktive Stoffe entwickelt, die eine antibakterielle Wirkung aufweisen und das Wachstum häufig verbreiteter Keime verringern. Neueste Textilinnovationen zeichnen sich oft durch eine ausgeprägte Schmutzunempfindlichkeit aus. Diese werden mit speziellen Beschichtungen versehen, die bewirken, dass ein Stoff nicht nur fett- und schweißbeständig, sondern auch urin- und wasserdicht ist und dennoch einfach zu reinigen bleibt. Zudem werden manche Textilien mit dem sogenannten Lotus-Effekt ausgestattet, der es ermöglicht, dass verschmutzende Flüssigkeiten von der Oberfläche abperlen.
Üblicherweise werden solche Materialen als reinweiße Arbeitsbekleidung im medizinischen Bereich eingesetzt. Doch können diese Stoffe in vielen Farben und Formen auch zur Dekoration angewendet werden und begünstigen so nicht nur die Raumhygiene. Derart behandelte Stoffe eignen sich besonders für stark frequentierte Räumlichkeiten in medizinischen Einrichtungen.
Auch in ästhetischer Hinsicht gibt es interessante Entwicklungen. Von unempfindlichen Stoffen in kühler, schlichter Optik, die sich als Wandbespannung oder Dekorationsstoff eignen, bis hin zu speziellen Drucktechniken, die es erlauben, faszinierende Muster und Strukturen auf die Textilien zu zaubern. So werden bei manchen Produkten mittels Lasertechnik Strukturen in den Stoff geschnitten, die dann je nach Lichteinfall verschiedenartig hervortreten und so ein interessantes Wechselspiel von Licht und Schatten verursachen.
So können Textilien in Arztpraxen nicht nur an Möbeln, sondern auch als Wandbespannungen und Vorhänge Verwendung finden. Als flexible Raumteiler sind sie in der Lage, große Orte fließend zu unterteilen, deren Grenzen bei Bedarf schnell aufgelöst werden können. Dafür empfehlen sich besonders schalldämmende Stoffe, die dennoch lichtdurchlässig sind. Dadurch werden Raumpartien visuell voneinander abgegrenzt und fließende Übergänge geschaffen.
Des Weiteren ist die Kombination von Textilien und Licht ein geschicktes Mittel, um Räumen eine warme und freundliche Identität zu verleihen. Daher werden Stoffe meist an Fenstern als Sonnen- und Blickschutz oder an Leuchten als Lampenschirm eingesetzt. Aufgrund moderner Isolierfenster erfüllen dicke Vorhänge nicht mehr den Zweck, vor eindringender Kälte zu schützen. Allerdings sind Vorhänge nach wie vor sinnvoll, wenn es darum geht, das einfallende Licht zu regulieren. Sie verleihen in kolorierter Form eine interessante Farbnote oder weichen die Fensterkonturen auf. Besonders zarte und leichte Stoffe lassen eine Fensteröffnung dadurch größer und freundlicher erscheinen (siehe Abbildung).
Zum Glück vergessen viele Menschen abends ihre Vorhänge zuzuziehen, ansonsten würden meine Spaziergänge viel an Attraktivität verlieren. Wundern Sie sich also nicht, wenn mal wieder jemand unter Ihrem Fenster steht und neugierig nach oben lugt. Derjenige frönt womöglich nur seinem Hobby und versucht bloß einen unschuldigen Blick auf Ihre Vorhänge zu werfen, die einem doch so viel darüber verraten, wer Sie eigentlich sind.

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 9/2008

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