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Praxis 21. Februar 2008

Der Hund in der Truhe (Folge 16)

In der letzten Folge des Raumdoktors wurde ein kurzer Überblick über die Möglichkeiten intelligenter Stauräume gegeben und darüber informiert, welche Objekte in welcher Höhe unterzubringen sind. Schränke, Regale und Kästen sollen unsere Alltagsgegenstände sicher aufbewahren und bis zum Gebrauch gar verstecken können. Diese Folge soll zeigen, wie man das Staumobiliar selbst im Raum am besten organisiert, sodass der Raumfluss nicht unterbrochen und die Optik eines Ortes nicht verzerrt wird.

 Raumdoktor Bild 1
Regale und Schränke sollten den Konturen des Raumes folgen, um nicht zum visuellen Störfaktor zu werden.

 Raumdoktor Bild 2
So wird eine Nische zum vielseitigen Stauraum, die Raumfluchten werden nicht nur bewahrt, sondern sogar vervollständigt.

Illustrationen: DI Niel Mazhar

Wenn man in schlimme Umstände oder Verhältnisse gerät, spricht man davon, dass jemand „auf den Hund gekommen“ ist. Woher kommt dieser Spruch? Man erzählt, dass in früheren Zeiten auf dem Boden von Truhen mit wertvollem Inhalt ein Hund als Symbol für einen Wächter und zur Abschreckung gemalt wurde. Waren nun die Reserven aufgebraucht oder geplündert worden, konnte der Besitzer beim Öffnen nunmehr den Hund entdecken, man war also wortwörtlich „auf den Hund gekommen“.
Truhen sind heutzutage etwas für Liebhaber antiken Mobiliars und längst aus der Mode gekommen, da sie unnötig viel Fläche am Boden rauben, unpraktisch sind und kein praktisches, orientiertes Ordnungssystem erlauben. Zudem muss man sich beim Gebrauch von Truhen bücken. Es empfiehlt sich daher, die Höhe eines Raumes zu nutzen und weniger gebrauchte Objekte ganz oben zu verstauen, während häufig benutzte Gegenstände in Brusthöhe griffbereit liegen sollten. Allerdings ist dabei auch auf die Platzierung des Staumobiliars im Raum zu achten. Ein unglücklich platzierter Kasten in der Mitte einer Wandfläche kann den Ort unruhig und unordentlich wirken lassen und unterbricht die klare Linie eines Raumes. Es bietet sich daher an, eine gesamte Wandfläche in einem gleich bleibenden Material und Design als Wandverbau zum Stauraum zu deklarieren, da er so nicht zum visuellen Störfaktor werden kann. Auch ungenutzte Ecken, der Platz unter niedrigen Dachschrägen und unbelebte Raumenden schlauchartiger Zimmer können gut mit Schrank- und Regalflächen ausgefüllt werden.
Für schwierige Raumwinkel bieten etliche Hersteller spezielle Ecklösungen für Schränke an, die, mit Dreh-, Falt- oder Schwebetüren ausgestattet, leicht zugängliche Stauräume schaffen, in denen kein Millimeter wertvollen Raumes verloren geht. In solch verschlossenen Kästen können natürlich auch elektronische Geräte verstaut werden, doch ist dabei auf eine ausreichende Luftzufuhr durch Lüftungsschlitze zu achten. Des Weiteren darf auch auf versteckte Öffnungen für eine notwendige Verkabelung nicht vergessen werden.

Keinen Millimeter verschenken

Ein Wandverbau kann durch den Wechsel von geschlossenen Kästen und offenen Regalen oder Nischen aufgelockert werden, in denen sich eine Arbeitsfläche, ein Schreibtisch oder eine Sitzmöglichkeit einfügen lassen. Es ist ebenso möglich, Schrank und Regaleinheiten an anderes Mobiliar gleichen Designs anzudocken und so zu einem harmonischen und fließenden Gesamteindruck zu verhelfen. Auch die Kombination von Nutzmöbeln wie Tischen, Sesseln und Sitzbänken mit integriertem Stauraum sind unter Umständen zu empfehlen, da man Gebrauchsgegenstände so unauffällig verschwinden lassen kann.
Dabei kann man durchaus auch auf ungewöhnliche und junge Designerlösungen zurückgreifen, die ebenfalls als modulare Systeme erhältlich sind und dadurch jeder Wandlänge individuell angepasst werden können. Ob in gewagten Farben, in addierbarer Bienenwabenform oder aus ungewöhnlichen Materialen, wie etwa Eckpfosten aus unbearbeiteten Holzstämmen und aus Textilien gefertigte Aufhängungen für Zeitschriften – auf diese Weise kann eine ganze Wandansicht zur lebendigen Skulptur umfunktioniert werden.
Verfügt eine Räumlichkeit zudem über ungenutzte Mauer- oder Fensternischen, wie sie etwa in Altbauten zu finden sind, können auch diese hervorragend zum Aufbau schmaler Regale oder Kästen genutzt werden. Durch diese Tricks wird der Raumgrundriss selbst nicht verändert, die Raumfluchten bewahrt und, im Falle einer ungenutzten Nische, sogar vervollständigt.

Die Sackgasse wird zum Depot

Wer genug Platz hat, kann freilich auch ganze (ungenutzte) Raumenden abtrennen und zum begehbaren Archiv mit mobilen Regalzeilen umfunktionieren. Die raumsparende Alternative zum begehbaren Archiv sind turmartige Staueinheiten, einem „Chiffonier“ ähnlich, die verschieb- und um die eigene Achse drehbar sein können. Diese zeichnen sich durch besondere Flexibilität aus und können, einem Raumteiler gleich, den Ort zonieren. Zudem können diese Regale dort platziert werden, wo sie gerade gebraucht werden. Sie sind an allen vier Seiten zugänglich und erlauben daher immer wieder veränderbare Raumlösungen.

Trotz Pelzmangel Raumbedarf

Die ersten großformatigen Schränke stammen aus einer Zeit und kalten Regionen, da es fehlende Heizungen nötig machten, sich stets mit besonders dicker Kleidung und Pelzen vor dem Klima zu schützen. Da einfache Kästen bei weitem nicht genug Platz boten, um diese stattlichen Kleidungsstücke adäquat zu verstauen, entstanden damals die ersten begehbaren Schranksysteme. Aufgrund von Treibhauseffekt, Klimawandel und Tierschützern verschwinden voluminöse Pelzmäntel zusehends aus unserem täglichen Leben und Schränken. Dennoch ist auch heutzutage in vielen größeren Ordinationen und Kliniken der Bedarf an intelligentem Stauraum groß – und dem muss auf rationelle und platzsparende Weise entsprochen werden, ohne dabei das Raumerlebnis eines Ortes zu zerstören.

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 7/2008

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