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Praxis 15. Februar 2008

Meist rasche Terminvergabe

Das häufige Munkeln über die Zwei-Klassen-Medizin ist im Bereich der niedergelassenen Fachärzte in Österreich – und somit auch bei den Allgemeinmedizinern, die kaum Privatpatienten haben – offenbar fehl am Platz. Im Akutfall gibt es kaum Wartezeiten. Privatzahler werden nicht bevorzugt. Das ergab eine Umfrage der Konsumentenschützer des Vereins für Konsumenteninformation.

Wie lange braucht es, um als Akutpatient einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten? Werden Privatpatienten gegenüber Kassenpatienten bei der Terminvergabe bevorzugt behandelt? Die Tester des Magazins Konsument wollten es wissen. 90 Facharztpraxen wurden mit der Bitte um einen Termin wegen eines Akutfalles kontaktiert. In den meisten Fällen war lediglich mit kurzen Wartezeiten zu rechnen, eine allgemeine Bevorzugung von Privatzahlern wurde nicht festgestellt. Dennoch: In puncto Terminvergabe gab es in einigen Fällen auch Anlass zu Kritik.
Zwei Testpersonen – ein Kassenpatient und ein Selbstzahler – ersuchten telefonisch bei 90 Arztpraxen um einen Behandlungstermin. Getestet wurden jeweils zehn Ärzte aus neun Fachgruppen. Die von beiden Testpersonen vorgetragenen, identischen Krankengeschichten waren so konstruiert, dass kein Notfall vorlag, der eine Spitalseinweisung notwendig gemacht hätte. Die beschriebenen Symptome hätten aber eine möglichst rasche Abklärung durch den Facharzt erfordert, hieß es in einer Aussendung des Vereins für Konsumenteninformation.

Längster Termin: 42 Tage

Acht von zehn Ärzten vergaben einen Termin innerhalb von zwei Tagen, in jeder zweiten Ordination erhielten beide Testpersonen sogar noch am selben Tag einen Termin. Konsument-Gesundheitsexpertin Bärbel Klepp: „Wird in einem Akutfall nicht bereits am selben Tag ein Untersuchungstermin vergeben, kann sich ein Nachhaken auszahlen. In zehn Fällen erhielten die Tester einen rascheren Termin.“ Lediglich zweimal mussten Privatzahler und Kassenpatient länger als eine Woche auf ihren Termin warten – in einem Fall allerdings sogar 42 Tage.
Bärbel Klepp hat eine Empfehlung an die Patienten parat: „Bei zu langer Wartezeit ist es ratsam, auch weitere Fachärzte zu kontaktieren. Die Chancen, noch am selben Tag einen Termin zu erhalten, stehen im Akutfall relativ gut.“ Drei Ordinationen wurden nicht bewertet: Die Tester versuchten hier eine Woche lang vergeblich, einen Arzt zu erreichen.
Eine allgemeine Bevorzugung von Privatpatienten konnte zumindest bei den getesteten Arztpraxen nicht ausgemacht werden: In insgesamt 14 Ordinationen erhielt der Privatzahler schneller einen Termin, in 17 Fällen wurde der Krankenkassenpatient bevorzugt. Acht Ärzte wurden allerdings mit „nicht zufriedenstellend“ beurteilt, wenn sie etwa den Patienten an ein Spital oder eine Ambulanz verwiesen. Gerade dort wird aber in vielen Fällen eine Überweisung vom niedergelassenen Facharzt benötigt. Eine Ordination verwies zudem auf die Notwendigkeit einer Überweisung vom Allgemeinmediziner.
Die Expertin: „Seit der Einführung der e-Card können pro Quartal drei Fachärzte aus verschiedenen Fachgruppen konsultiert werden. Erst beim vierten Facharzt ist eine Überweisung vom praktischen Arzt nötig.“ Daraus ergibt sich aber das Problem, dass der Hausarzt oft nicht weiß, welche anderen Ärzte der Patient auch noch aufsucht.
Immer wieder zu Engpässen in der Facharztversorgung kommt es laut VKI-Untersuchungen am Freitag und am Wochenende.

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