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Praxis 8. Februar 2008

Intelligentes Aufräumen (Folge 15)

In die Frage der optimalen Schrank und Regalsysteme sollte endlich Ordnung gebracht werden. Die Praxis gehört hin und wieder ordentlich aufgeräumt. Bald wird man entdecken, wie viel mehr an Platz und wohligem Bewegungsraum man dadurch gewinnen kann. Dafür ist es notwendig, intelligente und praktische Stauräume zu schaffen. Von der kleinen eleganten Vitrine bis hin zum begehbaren Archiv – wichtig ist, dass Dinge, die schnell griffbereit sein müssen, in Reichweite liegen, während wenig benutzte Gegenstände nicht im Weg liegen dürfen.

 Parkgarage
In der praktischen „Parkgarage“: Als mobile Einheiten konzipierte Rollwagen.

Illustration: DI Niel Mazhar

Truhen, Kästen und Schränke gehören wohl zu den geheimnisvollsten unserer Einrichtungsgegenstände. Etymologisch betrachtet bedeutet „Schrank“ nichts weiter als ein einfaches vergittertes Behältnis, das zur Aufbewahrung wertvoller Reliquien und Priestergewänder benutzt wurde. Ob Reliquie oder Profanes, seltsam ist, dass man in Truhen das gesuchte Objekt stets zuletzt und ganz unten findet.
Warum auch immer, abhängig davon, ob die aufbewahrten Gegenstände leicht zugänglich präsentiert und griffbereit sein müssen oder staubdicht verschlossen und unsichtbar bleiben sollen, empfehlen sich offene oder geschlossene Regale. Zur ersten Gruppe zählen sicherlich Objekte wie Bücher, Zeitschriften, Infomaterial und Kunstgegenstände. Dafür eignen sich dekorative, modulare Designersysteme, die sich gut in einem repräsentativen Wartezimmer machen. Zur zweiten Gruppe zählen beispielsweise vertrauliche Patienteninformationen, Medikamente oder medizinisches Gerät, das sicher verstaut werden muss. Staumobiliar kann mobil und unbeweglich, hüft oder raumhoch sein und aus massivem oder transparentem Material wie Glas oder Kunststoff bestehen. Verstellbare Fächer sind dabei natürlich ein Muss, die Schranktiefe sollte vorher auf das aufbewahrte Gerät abgestimmt sein. Wichtig ist, dass für das Innenleben eines Schranks vom Hersteller variable Kombinationsmöglichkeiten wie ein­fach verstellbare Fächer, mobile Zugböden, diverse Aufhängungen und weit ausziehbare Schubkästen angeboten werden.

Griffbereit und handlich

Die optimale Tiefe für einfache Regale liegt bei 25 bis 30 Zentimeter, für größere Gegenstände sind bis zu 35 bis 60 Zentimeter üblich. Stellt man sein Schranksystem selbst zusammen, sollte man darauf achten, dass Schubkästen und laden nur bis zu einer Höhe von 130 Zentimetern empfehlenswert sind.
Häufig benutzte Gegenstände sollten in einem Bereich bis 180 Zentimeter Höhe untergebracht werden. Über dieser Griffhöhe sind Regale und Schränke nur mehr schwer zugänglich und eignen sich nur für das Verstauen selten benutzter Objekte.

Türen schützen vor Staub

Mit Türen verschlossene Regale und Schränke haben nicht nur den Vorteil, dass der Inhalt nicht so leicht verstauben kann, sondern sie bewirken auch eine homogene und fließende Raumgestaltung. Soll sich der Stauraum visuell kaum von der Wandgestaltung abheben, empfiehlt sich ein raumhoher Verbau, der sich über die ganze Länge einer Wand erstreckt. Dadurch bleiben Schranksysteme unscheinbar und gliedern sich so harmonisch in den Raum ein. Für solche Stausysteme empfehlen sich besonders Schiebe oder Gleittüren, weil diese keinen Platz durch offenstehende Türen rauben. Wer auf knallige Akzente setzen möchte, kann die Türen in kraftvollen Farben gestalten. Manche Hersteller bieten bedruckte Schranktüren an, die nach eigenen Vorstellungen designt werden können. So können die Türen mit Symbolen und Fotocollagen versehen werden, die auf den Inhalt schließen lassen und so die Suche nach einem Gegenstand auf spielerische Art erleichtern.
Durch solche Gleit und Schiebeeinheiten kann auch ein begehbarer Schrank von einem Raum abgetrennt werden. In manchen größeren Ordinationen und Kliniken sind intelligente Stausysteme notwendig, um die Anhäufung von medizinischem Gerät und Archivmaterial noch bewältigen zu können. Für solch großformatige Stauräume eignen sich mobile Regalsysteme, wie man sie in großen begehbaren Archiven vorfindet. Durch das Verschieben der mobilen Regalzeilen können diese vollständig aneinander geschoben werden und sparen im Sinn einer hohen Flächen und Raumnutzung viel Platz ein.
Gerne werden Regale und Stausysteme auch von der Wand abgesetzt als Raumteiler eingesetzt. Dafür empfehlen sich besonders offene oder an beiden Seiten mit (mattiertem) Glas versehene Stehregale. Das ermöglicht weiterhin einen angenehmen Lichteinfall, grenzt zwei Raumbereiche aber dennoch visuell und akustisch voneinander ab.

Intelligente Stausysteme

Werden bestimmte Objekte an immer wieder wechselnden Arbeitsplätzen benötigt, empfiehlt sich auch der Einsatz kleiner mobiler Einheiten, wie etwa Rollwagen. Dabei sollte allerdings ein eigener Stellplatz, also eine Art „Garage“ mit eingeplant werden, damit diese nicht zum Stolperstein in der Ordination werden können. Besonders sinnvoll und ergonomisch ist daher die Kombination von in Brust und Kopfhöhe an der Wand angebrachten Regalsystemen und darunter verstaubaren, mobilen Rolleinheiten.
Ein besonderes Kennzeichen des Menschen ist, sich durch die Anhäufung von Eigentum eine Identität aufzubauen. Um das Gesammelte zusammenzuhalten, hat er begonnen, Häuser, Zäune und Kästen zu bauen, um sein Eigentum schützen zu können. Schön und gut – doch nach über 200.000 Jahren Menschwerdung wäre es nun wieder einmal an der Zeit, ein bisschen aufzuräumen – es sei denn, man mag Überraschungen und stimmt mit dem englischen Schriftstellers Alan Alexander Milne überein, der meinte: „Einer der Vorteile der Unordentlichkeit liegt darin, dass man dauernd tolle Entdeckungen macht.“

DI Niel Mazhar, Ärzte Woche 6/2008

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