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Pharma 23. März 2011

Internet - Apotheken im Konsumententest

Zehn von 16 Apotheken verstießen gegen Arzneiwareneinfuhrgesetz – Auch die Kunden machen sich durch das Bestellen von in Österreich nicht zugelassenen Präparaten strafbar.

Im Jahr 2009 beschlagnahmten die österreichischen Behörden mehr als 27.000 Medikamentenpackungen. Die Hitliste führen Potenzmittel, Haarwuchspräparate und Diätmittel an. Absender sind meist Anbieter aus Fernost.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat nun in Kooperation mit dem Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) untersucht, ob sich reguläre Versandapotheken im EU-Ausland an das österreichische Arzneiwareneinfuhrgesetz halten. Bei 16 Apotheken in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Tschechien wurden Medikamente wie Schmerzmittel, fiebersenkende Präparate und Abführmittel bestellt.

Das Ergebnis

Nur sechs Apotheken verhielten sich rechtskonform. Darunter vier Apotheken in Deutschland sowie jeweils eine in den Niederlanden und in Tschechien. Abgesehen von gesundheitlichen Risiken kann die Bestellung im Internet aber auch rechtliche Folgen haben: Wer in Österreich nicht zugelassene Präparate bestellt, macht sich strafbar. Alle von den Testern bestellten Präparate sind zwar in den Herkunftsländern rezeptfrei, unterliegen in Österreich aber teilweise der Rezeptpflicht.

Gemäß dem im vergangenen August in Kraft getretenen und verschärften Arzneiwareneinfuhrgesetz dürfen jedoch nur rezeptfreie Präparate für den persönlichen Bedarf – sprich: maximal drei Packungen eines Medikaments – mit österreichischer Zulassungsnummer ins Land gelangen. Werden in Österreich nicht zugelassene Präparate importiert, sind die Zollorgane verpflichtet, diese zu beschlagnahmen und zu vernichten. Die Kosten dafür trägt der Besteller.

Bestellung im Internet

Teuer kann das im Wiederholungsfall werden, denn dann drohen sogar Verwaltungsstrafen von bis zu 7.260 Euro. "Da Konsumenten im Vorfeld einer Bestellung kaum überprüfen können, ob die Präparate über eine österreichische Zulassung verfügen, ist eine Onlinebestellung im Ausland riskant. Wir raten daher davon ab", warnt Mag. Georg Mentschl, Leiter des Europäischen Verbrauchzentrums.

Medikamente aus dem Web kaum günstiger

"Der Einkauf in einer Internetapotheke kommt keineswegs immer günstiger", informiert VKI-Gesundheitsexpertin Dr. Angela Tichy. "Für eine Sendung in vergleichbarem Umfang waren zwischen rund 33 und rund 81 Euro zu bezahlen. In heimischen Apotheken wären dagegen rund 45 Euro berechnet worden. Mit ein Grund: Versandkosten von bis zu 30 Euro."
Ein weiteres Manko von Internetapotheken ist
der Expertin zufolge die fehlende Beratung zur richtigen Anwendung der Medikamente: "Diese ist de facto kaum bis nicht vorhanden. Ein Medikamentenkauf per Internet kann daher mit unkalkulierbaren gesundheitlichen Risiken verbunden sein."

red/VKI

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