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Leben 6. November 2008

Brückenschlag der Kulturgeschichte

„75 und kein bisschen alt ... Erleben Sie die ganze Bandbreite religiöser Kunst“ – das Wiener Dommuseum feierte unter diesem Motto sein langjähriges Bestehen. Ein Haus, das sakrale Seele und künstlerische Kraft vereinen möchte.

Säulen des Dommuseums sind gothische Madonnen, Heiligenfiguren, Tafelbilder, der herausragende Ober-St. Veiter-Altar vom Beginn des 16. Jahrhunderts mit seinem Dürer-Bezug, barocke Prunk-Monstranzen – kurzum: die „alte“ Kunst. 1980 kam erst die Kunstsammlung des legendären und 1973 verstorbenen Otto Mauer als Schenkung dazu, mit Werken der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, wie Böckl, Beckmann, Corinth, Faistauer, Jawlensky, Klee, Kokoschka, Kolig und Picasso. Und dann 1985 der klein-feine Bestand der Sammlung von Ferdinand Klostermann. Das bedeutete für das Museum eine spezielle Bestandserweiterung mit Kunstwerken des 20. Jahrhunderts, mit denen eine Brücke in die Moderne geschlagen wurde.

Die Eröffnung des Dom- und Diözesanmuseums erfolgte 1933 unter Kardinal Innitzer zu einem Zeitpunkt, als drei markante Jubiläen zusammenfielen: das 500-jährige Bestehen des Wiener Stephansdoms, die 250. Wiederkehr des Türkenjahres 1683 und schließlich der Katholikentag, der 1933 in Wien abgehalten wurde. Damit kam es zu einem Abschluss der Bemühungen um ein Wiener Museum sakraler Kunst, das schon viele Jahrzehnte zuvor unter Kardinal v. Rauscher (1853-1875) angeregt und auch von Kardinal Nagl und noch energischer von Kardinal Piffl Ende der 1920er-Jahre gefördert worden war.

Mehrdimensionale Konfrontation

Wie lassen sich Aufgabe und Stellenwert einer Institution wie des Wiener Dommuseums definieren? Vielleicht am besten mit den Worten des ehemaligen Dommuseum-Direktors Prof. Dr. Rupert Feuchtmüller, der 1973 anlässlich des Umzugs in die neuen (heute noch benutzten) Räumlichkeiten Folgendes in seinem Katalogbeitrag schrieb: „Das Museum kann in unseren Tagen eine wichtige Aufgabe erfüllen: es ist Wegbereiter, kann längst verlorene Bezüge wieder anbahnen, äußerliche Gewohnheiten aufheben, den Betrachter anrufen, ihm die Augen öffnen, damit zu eigener Stellungnahme herausfordern. Das Museum sakraler Kunst – ansonst ein Widerspruch in sich selbst – bahnt eine Auseinandersetzung auf einer höheren Ebene an. Es führt über die Ästhetik zur Botschaft der Kunstwerke, wobei es der Aufstellung und ihrer Erläuterung gelingen muss, auch die Funktion bewusst werden zu lassen . Damit steht der aufgeschlossene Besucher im Museum vor den sakralen Kunstwerken zweifach berührt. Durch die Konfrontation mit dem Werk, wie es gegenwärtig vor ihm steht, und durch die Konfrontation mit seiner Geschichtlichkeit, mit den eigentlich bewegenden Kräften seiner Existenz. Die Summe dieser Fragen berührt das eigene Ich und fordert es zum Bekenntnis auf. Gewiss – Kunst ist nicht Religion, aber – so sagt schon Führich – sie führt zu ihr hin. Eine Ausstellung sakraler Kunstwerke trägt an sich nicht zu ihrer Verweltlichung bei, sondern präsentiert die Botschaft der Kirche in einem anderen Forum. Der in der Kirche gesenkte Blick kann im Museum den Werken offen und ganz anders begegnen, aber dennoch zu einer ‚Andacht’ verhelfen. Aus diesen und noch vielen anderen Gründen müssen wir den sakralen Kunstwerken Geltung verschaffen.“

Etablierte Institution

Heute ist das Dommuseum mit seinem Direktor Dr. Bernhard Böhler eine etablierte Institution. Pro Jahr werden etwa fünf Sonderausstellungen gemacht, und die Verantwortlichen sorgen auch dafür, dass Religion im Kontext von auf den ersten Blick ganz und gar nicht religiösen Themen (siehe Sonderausstellung anlässlich der Fußball-EM) präsentiert und diskutiert wird.

Internettipp:

 www.dommuseum.at

Von Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche

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