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Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist
 
Leben 6. Oktober 2017

Bitte recht freundlich!

Der Einsatz von Bodycams für die Polizei soll auch auf andere Berufsgruppen ausgeweitet werden.

In den vergangenen Monaten wurde die Polizei testweise mit Kameras ausgestattet. Dem internationalen Trend folgend, jeden Lebensmoment abzuspeichern, muss nun dokumentiert werden, was auf Streife so alles passiert. Und da es niemandem zuzumuten ist, während der Amtshandlung auch noch ein Selfie zu knipsen, werden die Cams eben am Body befestigt, besser gesagt an der Uniform, da die wenigsten Cops im Dienst Bodies tragen.

So lässt sich eindeutig festhalten, dass der Bürger keineswegs unbescholten war, als er die Härte des Gesetztes zu spüren bekam, sondern dem Exekutivbeamten vor dem Einsatz des Tasers eindeutig einen frechen Blick zugeworfen hatte. Mit der Bodycam können die Polizisten beweisen, angemessen auf die Situation reagiert zu haben. Gleichzeitig sieht der Täter bei der Amtshandlung sich selbst über einen kleinen Bildschirm unter der Kamera. Das soll die Aggression senken, denn man möchte ja als handgreiflicher Täter gut aussehen, und im Zorn kommt das Gesicht nun mal nicht so gut zur Geltung wie beim Lachen.

Während man im Fußball den Video-Analysen noch kritisch gegenübersteht, da der Fluss des Spieles gestört wird, wenn sich der Schiedsrichter am Platz die Wiederholung eines Abseitstors ansieht, sollen nach der Testphase nun die ersten Kameras für die Polizei angeschafft werden. Bemerkenswerterweise muss das Filmen vom jeweiligen Beamten vor dem Einschalten der Kamera angekündigt werden. Das verlangt der Datenschutz. Vor dem „Hände hoch oder ich schieße“ gibt’s für den Verfolgten also künftig immer auch ein „bitte lächeln!“ zu hören.

Andere Berufsgruppen, etwa Securities auf Bahnhöfen oder Zugbegleiter, sind teilweise bereits heute schon mit Kameras ausgestattet. Um auch beim Hinauswerfen eines Schwarzfahrers aus dem fahrenden Zug die Angemessenheit der Handlung vor Gericht beweisen zu können.

Aufgrund der zunehmenden Dokumentationspflicht der ärztlichen Tätigkeit wird man künftig auch hier um diese Technologie nicht herumkommen. Denn eine schlampig ausgefüllte Einverständniserklärung kostet so manchem Anwalt ein müdes Lächeln. Der moderne Arzt trägt also Bodycam, kann somit beweisen, umfassend über Risiken und Nebenwirkungen informiert und den Patienten auch fachgerecht gemaßregelt zu haben. Die Patientenanwaltschaft fordert indes künftig auch die Einführung von Bodycams für Patienten, sodass die gesammelten Kunstfehler auf Video festgehalten werden. So wird das vertraulichste Arzt-Patienten-Gespräch transparent wie der Kaffee auf der Herzstation. Wer kein schlechtes Gewissen hat, hat nichts zu befürchten, wenn das Ganze auf Youtube abrufbar für die interessierte Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Solange man nur immer schön lächelt.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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