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© Eva Mühlbacher
Die Starterpackung des Smell Memory Kit enthält drei abstrakte Gerüche – frei zur persönlichen Verknüpfung.
 
Leben 29. September 2017

Sammlung der Sinne

Emotionen. Gerüche sind ein Mittel der Kommunikation und Emotionstrigger. Die norwegische Künstlerin und Wissenschaftlerin Sissel Tolaas sammelt sie.

Gerüche hängen sehr eng mit Emotionen zusammen. Und sie speichern sich im Gedächtnis ab. Die Aromatherapie macht sich diese Erkenntnisse schon seit längerem zunutze und versucht, mit entsprechenden Düften psychische und körperliche Reaktionen von Menschen in bestimmten Situationen positiv zu beeinflussen – zur Entspannung, gegen depressive Verstimmungen oder auch zur Anregung. Wie sehr uns Gerüche im Alltag in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen beeinflussen, nehmen wir allerdings oft gar nicht wahr. Der Geruchssinn als Orientierungshilfe liegt meist brach.

Der Geruch des Glücks

Die norwegische Künstlerin Sissel Tolaas widmet sich genau jenem Phänomen: der Mischung von Gerüchen, die bestimmte Situationen prägen – etwa eine Stadt, ein historisches Ereignis, den Weltraum oder auch Angst. Oder: Glück. Wie umfassend die Zusammenhänge sind, zeigen die Kooperationen, die die 1959 geborene Tolaas mittlerweile etabliert hat: So ist sie Professorin an der Harvard Business School für „unsichtbare Kommunikation und Rhetorik“, war an dem Film „Das Parfüm“ mit ihrer Expertise beteiligt, schuf für das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden den Geruch des Ersten Weltkriegs und untersucht gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde NASA, wie Weltraum und Ozeane riechen. Konkret die Gerüche des Ozeans vor der Küste Costa Ricas präsentiert Tolaas noch bis 19. November in Wien in der Galerie der Thyssen Bornemisza Art Collection im Augarten im Rahmen der Ausstellung „Tidalectics“. Damit sollen die verschiedenen, unsichtbaren Ebenen des Ozeans durch ihren Geruch wahrnehmbar gemacht werden, bevor sie in ihrer bestehenden Form für immer verschwinden.

Von Jasmin bis abgelegte Kleider

Insgesamt weit mehr als 7000 Gerüche hat Sissel Tolaas in ihrem Duftarchiv seit 1990 gesammelt. Dabei erfolgt die Aufnahme mit einem „Headspace“, einem etwa taschenbuchgroßen Kasten, in den die Gerüche über einen Schlauch eingesaugt werden. Danach analysiert Tolaas deren chemische Zusammensetzung und baut sie synthetisch nach. Gelagert werden sie dann in luftdichten Aluminiumfläschchen. Das Spektrum reicht von Jasmin oder Rose bis zu Pizza, Kaugummi, Asphalt, Hundekot und abgelegten Kleidern. Der historische Geruch des Ersten Weltkriegs basiert auf Berichten aus Soldatentagebüchern und Gesprächen mit Historikern und Bundeswehrgenerälen.

Das Ergebnis war eine Mischung aus Urin, Blut, Dreck, verendenden Pferden, nässenden Wunden. Weil dieser Geruch bei vielen Menschen Brechreiz auslöste, stattete das Museum den Raum übrigens mit entsprechenden Behältnissen zur „Akutversorgung“ aus….

Für die ganz persönliche Erweiterung des Geruchshorizonts hat Sissel Tolaas den Smell Memory Kit konzipiert. Damit können Ereignisse mit einem bisher abstrakten Geruch aus dem enormen Tolaas’schen Geruchsarchiv individuell verbunden werden. Eine bleibende Erinnerung.

Der Smell Memory Kit ist in Wien im SuperSense Lab Vienna erhältlich: https://the.supersense.com.

Informationen zur aktuellen Ausstellung in Wien: www.tba21.org

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