zur Navigation zum Inhalt
Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist
 
Leben 8. Mai 2017

Land der Sportler

Auch wenn es unglaubwürdig klingen mag: Die Österreicher gehören zu den sportlichsten Europäern.

„Jeder 2. Europäer macht keinen Sport“ – das sagt zumindest die Eurostad, die Verwaltungseinheit der EU zur Erstellung amtlicher Statistiken. „Jede 2. Eurostad kann mich mal“ – sagen daraufhin die Europäer, die sich wieder einmal darin bestätigt fühlen, von der EU nur gemaßregelt zu werden.

Dennoch muss man der Wahrheit einmal ins statistische Auge blicken. Auch wenn gerne von der europäischen Couch aus auf die US-Amerikaner gezeigt wird, wenn von Couch-Potatoes die Rede ist, erweisen sich die Europäer durchwegs als begeisterte Sportmuffel. Allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Während man sich in den skandinavischen Ländern – wohl temperaturbedingt – deutlich mehr bewegt (aus demselben Grund allerdings auch deutlich mehr trinkt), nimmt der Wille zur sportlichen Betätigung ab, je weiter man in den Süden gelangt. Bulgarien, Rumänien, Griechenland und seine mediterranen Nachbarn können der Bewegung nicht allzu viel abgewinnen.

Ein Alarmsignal, das die Entscheidungsträger dazu motiviert, europaweit auch die letzte Turnstunde in der Schule durch eine Mathematikstunde zu ersetzen, um zumindest im PISA-Test so fit zu werden, wie die Südkoreaner. Wenn wir schon nicht so gut turnen können. Das Erstaunliche: Die Österreicher gehören zu den sportlichsten europäischen Nationen. Also nix mit Schnitzelsemmel-im-Freibad-Verzehren, sondern beinhartes Training am Beckenrand. Ich muss zugeben: Das hätte ich anders eingeschätzt.

Da nun diese beachtenswerte Statistik vorliegt, uns die vorliegenden Zahlen eines Besseren belehren, scheint der heimische Bierbauch also doch eher genetisch kodiert und nicht antrainiert zu sein. Tatsächlich sind wir in unserem kleinen Land in einigen sportlichen Disziplinen Weltspitze! Skifahren etwa. Oder Skifahren. Man tut gut daran, uns als Athleten zu klassifizieren. Immerhin finden in regelmäßigen Abständen zahlreiche Großereignisse des Volkssportes statt: Marathonläufe, Maiaufmärsche oder der steirische Genussregion-Triathlon mit Wein, Bier- und Schnapsverkostung. Bewegung liegt uns also doch irgendwie im Blut. So wie der Alkohol. Das dürfte aber irgendwie zusammenhängen (siehe Skandinavien).

Kleiner Schönheitsfehler: Die Daten beruhen allesamt auf Gesundheitsbefragungen – also Eigenaussagen. Vielleicht hat die Eurostad damit ja etwas ganz anderes erhoben. Nämlich die Ehrlichkeit der Europäer. Dies würde wieder dem Bild entsprechen, das wir aus langjähriger Erfahrung von unseren Schäfchen aus der Ordination kennen: Wenn sie treuherzig beteuern, neben zwei Stunden täglicher körperlicher Ertüchtigung lediglich ein halbes Knäckebrot zu verzehren, kaum zu trinken, nie zu rauchen und den ärztlichen Ratschlägen Folge zu leisten. Das erklärt natürlich die Ergebnisse der Eurostad-Studie. Und ich dachte schon, ich verstehe die Welt nicht mehr.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben