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Leben 17. Juli 2017

Yoga für Survivors

Buchtipp: Vielen Krebspatienten hilft Sport bei der Bewältigung ihrer Krankheit. Doch nicht jeder ist zu sportlicher Leistung in der Lage. Hier ist Yoga eine effektive Alternative. Yoga reduziert den Stress, stärkt das Herz und senkt Entzündungen im Körper.

In einer auf Deutschland bezogenen Studie (Allemani et al., 2015) wurde nachgewiesen, dass mehr als 85 Prozent der Frauen mit Brustkrebs, fast 65 Prozent der Darmkrebserkrankten und mehr als 91 Prozent der Männer mit Prostatakarzinom ihre Erkrankung um mindestens fünf Jahre überleben. Viele Krebspatienten kehren nach überstandener Erkrankung also in ihr „normales“ Leben zurück. Für sie, die im Englischen so treffend „Survivors“ genannt werden, gibt es ein vielfältiges Rehaangebot, Unterstützung kommt darüber hinaus von Initiativen wie Krebshilfe oder Selbsthilfe-Gruppen.

„Was kann ich selbst tun?“

Die wichtigste Frage jedoch, die sich vielen Betroffenen stellt, lautet: „Was kann ich selbst tun?“ Trotz aller Verbesserungen in der Behandlung haben Betroffene noch immer mit einigen teils lang anhaltenden Problemen zu kämpfen, die durch den Krebs selbst oder durch die Therapien entstanden sind. Sie fühlen sich weniger fit und belastbar als vor ihrer Erkrankung, waren früher beweglich, aktiver, schlanker, sind oft niedergeschlagen, voller Ängste, mitunter auch vergesslich oder unkonzentriert, ständig müde und können nachts dennoch nicht gut schlafen.

Bewegung stellt ein effizientes Mittel gegen fast alle diese Erscheinungen dar, doch unglücklicherweise haben Menschen mit Krebs nicht selten gute Gründe, die sie von sportlichen Aktivitäten abhalten. Wer möchte schon Radfahren gehen, wenn er sich nicht wohl oder gar krank fühlt, oder laufen, wenn schon nach hundert Metern die Luft wegbleibt? Wer will sich mit fehlender Haarpracht und aus der Form geratener Figur im Fitnessklub neben offensichtlich gesunden Menschen im Spiegel sehen? Gegen Antriebslosigkeit, Müdigkeit und der Angst, es nicht zu schaffen, ist es schwer, ein empfohlenes oder angestrebtes Trainingsprogramm in die Tat umzusetzen – oder auch nur zu beginnen.

Yoga braucht keine Überwindung

Yoga kann eine sinnvolle Alternative zu konventionellen Sportarten sein, die auf Ausdauer, Kraft- und Koordinationstraining ausgerichtet sind. Es braucht keine so große Überwindung, in eine Praxis einzutauchen, die im Allgemeinen mit Entspannung assoziiert wird. Wenn sich dann herausstellt, dass durch Yoga der Körper doch auch herausgefordert wird und den Patienten das richtig guttut, umso besser!

Beim Yoga geschieht vieles im und mit dem Körper. Aber auch auf der geistigen Ebene kommen Prozesse in Gang, sodass man Yoga tatsächlich als ganzheitliches Geschehen bezeichnen darf. Das mag denn auch der Grund dafür sein, warum Yoga nicht nur die physischen Beschwerden infolge einer Krebsbehandlung lindert, sondern sich auch überaus positiv auf die damit verbundenen Befindlichkeitsstörungen auswirkt. Darum ist Yoga derart ideal für den Weg zurück ins Leben nach Krebs.

Entspannung oder Sport?

Yoga wird in der öffentlichen Meinung eher als Entspannungstechnik gesehen und kaum als Sport wahrgenommen. Vor allem von Menschen, die es noch nie ausprobiert haben. Dabei ist Yoga mindestens so wirkungsvoll wie, teilweise sogar wirksamer als herkömmliches Training. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung (Ross und Thomas, 2010), die Daten aus mehreren Studien auswertete, in denen die Wirkung von Yoga und konventionellem Training auf verschiedene gesundheitsbezogene Messwerte bei gesunden und bei chronisch kranken Menschen untersucht worden war.

Der Vergleich von sogenannten Asanas (Yogapositionen) und „normalem“ Training ergab, dass beide annähernd gleich gut wirken, egal ob es darum geht, Blutzucker und Blutfette zu senken oder Erleichterung bei Schmerzen, chronischer Müdigkeit oder Schlafstörungen zu bringen. Und zwar bei sonst gesunden Menschen im gleichen Ausmaß wie bei Diabetikern oder Menschen, die an Multipler Sklerose leiden.

Ob man Yoga eine Trendsportart oder Lifestyle nennen mag, bleibt jedem selbst überlassen. Allerdings entwickelt sich Yoga seit nunmehr über 30 Jahren auf breiter Basis kontinuierlich weiter und ist ein voll akzeptierter und selbstverständlicher Aspekt des Lebens in unserer heutigen Gesellschaft geworden.

Faszinierend ist die unglaubliche Vielfalt der Angebote auf dem Yogamarkt. Für jede Befindlichkeit und jeden Anspruch werden eigene Programme praktiziert und in Workshops, kontinuierlichen Kursen oder Ausbildungen vermittelt. Das hat den großen Vorteil, dass jeder, der Yoga auf seine eigene, ganz individuelle Weise ausüben möchte, mit etwas Glück in der großen, bunten Palette zu „seinem“ Yoga finden kann.

Yoga gegen Rückenleiden

Unter den verschiedenen therapeutischen Einsatzgebieten sind an erster Stelle Beschwerden im Bewegungsapparat zu nennen, weil Yoga natürlich auch eine Form der Bewegungstherapie ist. Bei chronischen Rückenschmerzen, vor allem in der Lendenwirbelsäule, also beim klassischen „Kreuzschmerz“, wird mithilfe gezielter Übungen die Muskulatur des Rückens, entlang der Wirbelsäule und im Unterbauch gekräftigt, was im Yoga mindestens so gut funktioniert wie in der klassischen Physiotherapie.

Die therapeutischen Erfolge können im Yoga sogar besser sein, weil den Betroffenen mehr aktiver Einsatz abverlangt wird als bei der physiotherapeutischen Behandlung. Wer seine Rückenschmerzen mit Yoga zu lindern versucht, kann dabei auch selbstständiger und unabhängiger agieren, als wenn er sich nur vom Physiotherapeuten (passiv) behandeln lässt. Die Übungen aus dem Yoga können über einen längeren Zeitraum hinweg in einer Gruppe und/ oder selbstständig praktiziert werden und sind nicht an die vorgegebenen, wie in der Physiotherapie limitierten Einheiten gebunden. Ähnliches gilt für Yoga bei rheumatischen Erkrankungen oder bei Gicht, wo kontinuierliches Üben über längere Zeiträume die Schmerzen lindert und der Gelenksteifigkeit entgegenwirkt.

Yoga fürs Herz

Die große Stärke von Yoga ist, dass es unabhängig von seiner Zielsetzung und Ausrichtung die Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit verbessert. Das ist natürlich bei allen Beschwerden des Bewegungsapparates besonders wichtig und hilfreich. Sogenannte Zivilisationskrankheiten werden durch ungesunden Lebensstil hervorgerufen: falsche und übermäßige Ernährung, zu wenig Bewegung und zu viel Stress. An die Stelle der notwendigen Erholung tritt auch noch der selbst auferlegte Freizeitstress. Die Folgen können Übergewicht, hoher Blutdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes und Arterienverkalkung sein – das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt.

Was Ausdauer- und Krafttraining können, kann auch Yoga sehr gut, nämlich nachweislich den Blutdruck und ungesunde Blutwerte senken. Durch gezielte Entspannungssequenzen in den Übungseinheiten wird die Stressbelastung reduziert. Damit wird die Gefahr verringert, durch die Kumulation zivilisationsbedingter Risikofaktoren zu guter Letzt stressbedingt auch noch einen Herzinfarkt zu erleiden.

Diese Wirkungen von Yoga sind inzwischen so gründlich untersucht und bewiesen worden (Raub, 2002), dass sie inzwischen außer Zweifel stehen. Das hat sich aber leider bis zu denjenigen, die es am dringendsten brauchen würden, noch nicht herumgesprochen. Sonst würde es nämlich mehr Yogagruppen für ein gesundes Herz geben – und die entsprechende Nachfrage!

Breites Wirkspektrum

Im Laufe der Jahre wurde die Wirkung von Yoga auf alle nur erdenklichen Zustände, Befindlichkeiten und Krankheiten untersucht. Von Stoffwechselstörungen über Darmerkrankungen und neurologische und psychiatrische Störungen bis zu psychosomatischen Erkrankungen und vielem anderen mehr. Fast ausnahmslos konnten positive Wirkungen festgestellt werden.

Nicht selten wurde die Aussagekraft der einzelnen Studien angezweifelt, weil sich die positiven Auswirkungen von Yoga nicht immer anschaulich in Zahlen und Messwerten darstellen lassen. Das konnte aber nichts daran ändern, dass unterm Strich das Ergebnis immer auf Folgendes hinauslief: Wer Yoga macht, dem geht’s einfach besser.

Weil man jedoch nicht bloß behaupten kann, dass Yoga ideal für Menschen mit oder nach Krebs ist, wurden zahlreiche Studien und Untersuchungen durchgeführt, die alle nur erdenklichen Wirkungen von Yoga während und nach verschiedenen Krebserkrankungen genauestens unter die Lupe nahmen. Inzwischen gibt es viele seriöse und aussagekräftige Studien zu dem Thema, und hin und wieder schafft es die eine oder andere Untersuchung sogar, von der nicht medizinischen Öffentlichkeit wahrgenommen und in einer Zeitung oder im Fernsehen erwähnt zu werden.

Besonders viele Studien gibt es an Patientinnen mit Brustkrebs. Brustkrebs ist sehr häufig – jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Meist trifft es Frauen in ihren besten Jahren, die in der Folge hoch motiviert sind, alles zu tun, damit es ihnen wieder besser geht. Durch die vielen Neuerkrankungen und die oft gute Prognose ist die Zahl der Frauen mit Brustkrebsgeschichte entsprechend groß.

Yoga nach Mammakarzinom

Da das Mammakarzinom oft auch in einem engen Zusammenhang mit dem Hormonsystem steht und deshalb Befindlichkeitsstörungen auf der psychischen Ebene leider keine Seltenheit sind, ist der ganzheitliche Zugang des Yoga mit seiner guten Wirksamkeit auf der körperlichen und psychischen Ebene hier ideal. Die Folgen der schweren Krankheit sind oft lange zu spüren. Durch die Phasen, in denen man sich einfach schlecht fühlt und sich schonen muss, wird der Körper zusehends schwächer und die Lust auf Aktivitäten wird immer geringer.

Neben- und Nachwirkungen der Behandlungen können auch noch Jahre danach die Befindlichkeit trüben. Leider ist es immer noch so, dass viele Betroffene sich in ihrem eher schlechten gesundheitlichen Zustand schlicht nicht in der Lage fühlen, in irgendeiner Form sportlich aktiv zu werden. Das ist deswegen besonders schlimm, weil in einer Studie (Holmes et al, 2005) deutliche Hinweise darauf gefunden werden konnten, dass Frauen mit einer vorangegangenen Brustkrebserkrankung ein umso höheres Risiko haben, früh zu versterben, je geringer ihre körperliche Aktivität ist.

Chronische Entzündungsprozesse werden für viele altersbedingte körperliche Beeinträchtigungen und Behinderungen verantwortlich gemacht und stellen selbst dann ein großes Gesundheitsrisiko dar, wenn sie unbemerkt ablaufen und sich nie als offensichtliche Krankheit bemerkbar machen.

Körperliche Aktivität kann vor diesen chronischen Entzündungen schützen und sie auch wirksam bekämpfen. So sind im Blut von sportlich aktiven Menschen die entsprechenden Entzündungsmarker in wesentlich geringeren Konzentrationen vorhanden als im Blut von Nichtsportlern. Mit der körperlichen Einsatzbereitschaft sieht es aber bei vielen Patienten nach einer Krebserkrankung weniger gut aus. Im Vergleich mit gleichaltrigen gesunden, körperlich nicht aktiven Menschen schneiden sie, was die Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge angeht, um immerhin 30 Prozent schlechter ab (Jones et al., 2012).

Chronische Müdigkeit

Rund ein Drittel der ehemaligen Brustkrebspatientinnen (Bower et al., 2006) klagt darüber, dass chronische Müdigkeit sie in ihren täglichen Aktivitäten stark einschränkt. Das Fatigue-Syndrom hat seine Ursache oftmals in einem überaktiven Immunsystem. Die Entzündungsaktivität würde durch Bewegung gebremst werden. Aber wie soll man das schaffen, wenn man immer müde ist? Den sportlichen Ambitionen von Menschen nach Krebs stehen nicht selten Schmerzen oder eben diese ständige Müdigkeit als unüberwindliche Hindernisse im Weg. Da kann sich Yoga als das ideale Gegenmittel erweisen, denn die Übungen können an die individuellen Gegebenheiten angepasst werden, sodass auch jemand, der noch nie sportlich gewesen ist, Freude an der Bewegung finden wird.

Das Gleiche gilt für körperliche Einschränkungen infolge der Krankheit wie Operationsnarben oder Lymphödeme. Die einzelnen Asanas können, falls nötig auch mit Hilfsmitteln, entsprechend den jeweiligen Erfordernissen verändert werden und sind dann für die Ausübenden trotzdem effizient in ihrer Wirkung.

Die Hypothese, dass sich Yoga positiv auf den Kampf gegen entzündliche Vorgänge auswirken könnte, wurde durch mehrere aussagekräftige Untersuchungen untermauert. So wurden in einer Studie an 200 Brustkrebspatientinnen (Kiecolt-Glaser et al., 2014) die Auswirkungen von Yoga auf Fatigue, Vitalität und einige Entzündungsmarker im Blut untersucht. Das Programm umfasste zwei 90-minütige Hatha-Yoga-Einheiten pro Woche und ging über drei Monate. Danach zeigte sich eine deutliche Verbesserung in Bezug auf Müdigkeit und Vitalität, die umso ausgeprägter war, je länger und intensiver Yoga praktiziert worden war. Die Blutuntersuchungen zeigten, dass bestimmte Entzündungsmarker durch Yoga genauso effizient abgesenkt werden können wie durch Ausdauer- und Krafttraining.

Entzündungsvorgänge gestoppt

Eine ähnliche Studie (Bower et al., 2006) untersuchte die zellulären Entzündungsvorgänge bei Patientinnen mit Fatigue nach Brustkrebs genauer und stellte fest, dass durch ein dreimonatiges Yogaprogramm sogar Veränderungen direkt in den Zellen bewirkt werden können, indem entzündungsbedingt überaktive Gene abgeschaltet werden. Mit anderen Worten, Yoga bewirkt heilsame genetische Veränderungen!

Frauen, die Brustkrebs hatten, gelten als besonders stressgefährdet. Verschiedenste Untersuchungen kamen zu dem gleichen Ergebnis, dass Frauen nach einem Mammakarzinom unter allen (ehemaligen) Krebspatientinnen und -patienten diejenigen sind, die am meisten unter psychischem Stress leiden. Einer der nachvollziehbaren Hintergründe für den chronischen Stress ist (wie bei anderen Krebspatienten auch) die Angst davor, dass die Krankheit wiederkommen oder fortschreiten könnte.

Der chronische Stress ist generell belastend und führt zur Entstehung von Ungleichgewichten in der Regulation einer wichtigen Hormon-Steuerungsachse. Der Hypothalamus als Steuerzentrale des vegetativen Nervensystems veranlasst die Hypophyse, das Hormon ACTH (Adreno Cortico Tropes Hormon) freizusetzen, welches seinerseits den Befehl an die Nebennierenrinde gibt, das Stresshormon Cortisol in Umlauf zu bringen. Dieses für den Organismus sehr bedeutsame Regulationssystem aus Hypothalamus, Hypophyse und Nebennierenrinde kann durch ständige Überlastung im sensiblen Zusammenspiel von beteiligten Organen und Hormonen schwer beeinträchtigt werden, was der Gesundheit äußerst abträglich ist.

Bei Frauen nach Brustkrebs wurden in zahlreichen Studien Veränderungen der physiologischen Cortisol-Schwankungen und Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus festgestellt. Das Stresshormon ist im gesunden Organismus tagsüber in höheren Konzentrationen nachweisbar und nachts gar nicht vorhanden. Die nächtlichen Cortisol-Pausen sind wichtig, damit sich Körper und Geist erholen können.

Hohe Cortisol-Konzentration

Die Cortisol-Konzentrationen zeigen beim Gesunden einen typisch wellenförmigen Kurvenverlauf mit einem Maximum mittags und einem Minimum nachts. Diese Kurve kann aber stressbedingt die Form eines konstanten Plateaus annehmen, das sich über den Zeitverlauf stetig erhöhen kann. Bei sehr vielen Brustkrebspatientinnen ist eine solche Veränderung in Form einer abgeflachten Cortisol-Kurve auf erhöhtem Niveau nachweisbar.

Wird der Organismus durch permanenten Stress ständig mit Cortisol überflutet, kann das Stresshormon seiner so wichtigen Aufgabe als am stärksten entzündungshemmend wirkende Substanz im Körper nicht mehr nachkommen. Entzündungsprozesse werden chronisch, weil sie nicht mehr gestoppt werden können, und das wirkt sich wiederum auf das Immunsystem insgesamt ungünstig aus. So steigt nicht nur das Risiko für die Entwicklung eines Fatigue-Syndroms oder einer Depression, sondern auch für das Wiederauftreten der Krebserkrankung. Eine Forschergruppe (Sephton, 2000) leitete aus ihren Untersuchungen der Cortisol-Kurven gar die Behauptung ab, dass man daraus Rückschlüsse auf die Überlebenschancen von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ziehen könne. Damit haben sie sich vielleicht etwas weit aus dem Fenster gelehnt, aber der Schlussfolgerung, dass weniger Stress und damit weniger Cortisol gut für Gesundheit und Wohlbefinden sind, kann man uneingeschränkt zustimmen.

Yoga senkt Cortisol-Spiegel

Die Konzentration von Cortisol im Körper steht jedenfalls in direktem Zusammenhang mit dem jeweils aktuellen Stresspegel und kann über Messungen des Cortisol-Gehalts im Speichel sehr einfach bestimmt werden. Deshalb wurde dieses Verfahren auch schon vielfach dazu eingesetzt, stressreduzierende Wirkungen zu untersuchen. So konnte gezeigt werden (Banasik et al., 2011), dass sich Yoga unter anderem deshalb positiv auf das Wohlbefinden von Menschen nach Krebs auswirkt, weil es den Cortisol-Spiegel der Probanden senkt und den typischen Kurvenverlauf der Cortisol-Konzentrationen im Tag-Nacht-Rhythmus wieder normalisiert.

Messwerte wie die Konzentration eines bestimmten Stoffes im Blut oder, wie im zuletzt genannten Beispiel, im Speichel haben natürlich den Vorteil, dass sie eine gewisse Objektivität vermitteln. Im Fall des Cortisols ist das besonders praktisch, weil es uns einen direkten Hinweis auf die bestehende Stressbelastung gibt und diese nicht von den Betroffenen selbst bewertet werden muss.

Befragung von Patienten wichtig

Allerdings wissen wir allein aufgrund von Messwerten nicht, wie es demjenigen, bei dem sie bestimmt wurden, denn tatsächlich geht. Zu den vielen Neben- und Nachwirkungen von Krebsbehandlungen, die nicht über Messungen definiert werden können, weil sie sich eher in einer Störung der subjektiven Befindlichkeit äußern, müssen daher die Betroffenen befragt und getestet werden. Nur so kann umfassend erhoben und ausgewertet werden, ob eine Maßnahme wie Yoga etwas bringt oder nicht.

Dr. Claudia Mainau ist Ärztin für Allgemeinmedizin mit einer eigenen Praxis für Yoga und ganzheitliche Medizin in Wien.

Der Beitrag ist Claudia Mainaus Buch „Yoga – Zurück ins Leben“ entnommen, Kapitel „Yoga für Survivors“, S. 47-56, erschienen 2017 im Verlag Springer Medizin (siehe Buchtipp auf S. 22).

 

Claudia Mainau

Yoga – Zurück ins Leben

Springer Medizin 2017, 150 S., Softcover, 24,99 Euro

ISBN 978-3662499283

Claudia Mainau

, Ärzte Woche 17/2017

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