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Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 18. April 2017

Wenn Wirkung vor Ursache kommt

NebenWirkungen

In der Medizin werden kausale Zusammenhänge oftmals überschätzt.

Bereits von Kindheit an ist uns das Prinzip von Ursache und Wirkung vertraut: Ein Auslöser führt zu einem Ergebnis, das Folge des Auslösers ist: Wir lächeln und blicken in ein Gesicht, das dadurch auch zu lächeln beginnt, wir werfen die Schüssel mit Brei in das lächelnde Gesicht und es hört auf zu lächeln. Die Dinge folgen klaren Gesetzmäßigkeiten. Auch wenn wir aufgrund eines Banküberfalls von einem Richter abgestraft werden, so geht das nicht in umgekehrter Reihenfolge. Man kann nicht vereinbaren, zuerst die Strafe abzusitzen, um danach einen Freibrief für den Überfall zu haben. Zuerst muss der Stein ins Fenster fliegen, dann erst geht die Scheibe zu Bruch, die Flasche Tequila muss geleert werden, bevor man sich lallend am Tresen übergibt. Das sind Naturgesetze.

Seit sich die Menschheit zunehmend mit der Quantenphysik auseinandersetzt, scheinen diese Naturgesetze jedoch nicht mehr zu gelten. Da ist von Lichtteilchen die Rede, dass Ursache und Wirkung auch in zeitlich umgekehrter Reihenfolge oder gar gleichzeitig existieren können. Ich kann mich also auch übergeben, bevor ich die Flache Tequila geleert habe. Das ist ähnlich verwirrend, wie die philosophische Fragestellung, ob denn zuerst die Henne oder das Ei da war. Hier helfen logische oder bio-logische Erklärungen nicht weiter. Einzig die Religion gibt Antwort darauf, indem sie Henne und Ei als „Zweifaltigkeit“ definiert.

Auch in der Medizin kann man Kausalitäten lediglich vermuten. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Machen die Keime, die man in einem Abstrich, findet tatsächlich krank oder sind sie einfach zufällig da? Ist ein unglücklicher Mensch anfälliger für Schmerzen aller Art oder machen Schmerzen aller Art unglücklich? Wurde ein Patient durch eine Behandlung tatsächlich gesund oder trotz dieser Behandlung?

Wenn Kinder sich unwohl fühlen, werden von Elternseite gerne jene Dinge ins Rennen geführt, die rein zufällig auch aus erziehungstechnischen Gründen problematisch sind: Kopfschmerzen sind natürlich auf den Dauergebrauch des Smartphones zurückzuführen, der Knochenbruch auf das verschobene Süßigkeiten/Ballaststoffvollwertkost-Verhältnis und die schlimme Erkältung auf die Weigerung, das Zimmer aufzuräumen.

Auch in der Medizin haben wir erklärte Lieblingsfeinde: Es sind die Zigaretten, die uns früher oder später eine COPD bescheren, der Alkohol, der die Leber ruiniert, ungesundes Essen, das unsere Gefäße verstopft und die Weigerung, das Zimmer aufzuräumen, das nicht nur Folge, sondern vielleicht sogar Ursache eines Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms sein könnte.

Dennoch beobachten wir immer wieder, dass manche Patienten alleine dadurch schmerzfrei werden, wenn man ihnen eine Spritze mit einem Schmerzmittel in Aussicht stellt. So kann uns die Quantenphysik also helfen, die Kosten im Gesundheitssystem dramatisch zu senken.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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