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© AP Photo / picture alliance
Peter Esterhazy, 66, kurz vor seinem Tod, in Budapest.
 
Leben 31. März 2017

Sexualität wird am Ende unwichtiger

Krebstagebuch. Der 2016 gestorbene Literat Peter Esterhazy konnte nicht anders als schreibend auf seine schwere Krankheit reagieren.

Über die letzten Lebensmonate gibt er in seinem „Bauchspeicheldrüsentagebuch“ Auskunft. Die Aufzeichnungen in dem jetzt bei Hanser Berlin auf Deutsch erschienenen Buch enden ein paar Wochen vor dem Tod. Es ist eine fatale Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Peter Esterhazy scheint das Urteil mit erstaunlicher, bewundernswerter Gelassenheit entgegenzunehmen.

Für ihn stand fest: Er muss weiter tun, was er Jahrzehnte lang getan hatte: schreiben. Nicht um Selbsttherapie zu betreiben, sondern um seine Arbeit zu machen. Er stellt sich seiner Krankheit.

Aber er tut es auf seine besondere Weise, indem er der Leserschaft, die es von ihm gewohnt ist, seine geistigen Pirouetten, seine gedankliche Beweglichkeit und seine Fähigkeit, überraschende Assoziationsketten zu produzieren, vorführt. Dies geschieht auf der Basis genauer (Selbst-)Beobachtung, und oft ist etwas Eitelkeit im Spiel. Gegrüßt, erkannt und gelobt zu werden, ist von Bedeutung.

Die Sexualität hat ihren Stellenwert in den Aufzeichnungen, sie wird erst mit dem Fortschreiten der Krankheit unwichtiger. Was kann der Mann an Sinnlichkeit für sich retten? Die Antwort lautet: das Essen.

So bleibt einem der dem Leben zugewandte, der Genussmensch Peter Esterhazy erhalten. Die Gedankenschärfe blitzt noch lange auf, aber die Sehnsucht nach dem Schlaf nimmt mehr und mehr zu.

Mit sensiblem Sprachverständnis hat György Buda die Aufzeichnungen ins Deutsche mit österreichischen Färbungen übertragen. Damit trifft er genau eine Esterhazy’sche Spezialität.

Buchtipp: Peter Esterhazy: „Bauchspeicheldrüsentagebuch“. Aus dem Ungarischen von György Buda, Hanser, 239 Seiten, 20,60 Euro

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