zur Navigation zum Inhalt
© Patrick Pleul / dpa
 
Leben 27. März 2017

Kinder spüren den Mini-Jetlag stark

Zeitumstellung. Fast genauso alt wie die Sommerzeit ist die Forderung nach ihrer Aufhebung. Der Wechsel kostet Kinder 32 Minuten Schlaf, sagt der Neurologe Gerhard Klösch. Doch das ist nicht der einzige Problem: blaues Handylicht raubt den Kindern zusätzlich den Schlaf.

Durch den Wechsel auf Sommerzeit geht eine Stunde unserer normalen Schlafzeit verloren. Kinder und Jugendliche sind von dem „Mini-Jetlag“ am stärksten betroffen. Generell sei die Umstellung nicht mehr zeitgemäß und unnötig, sagt Schlafforscher Gerhard Klösch von der Universitätsklinik für Neurologie.

Der menschliche Organismus gleicht sich demnach automatisch an den natürlichen Rhythmus des Lichts an. „Sobald es wieder früher hell wird, passen wir uns an. Dazu brauchen wir keine Zeitumstellung. Licht ist ein optimaler Zeitgeber“, erläuterte Klösch. Aus Sicht der Schlafforschung wäre es daher besser, bei einer Zeit zu bleiben.

Kinder und Jugendliche sollten auf die Umstellung vorbereitet sein und darauf achten, dass sie nicht schon die Tage zuvor in ein Schlafdefizit geraten. „Bis zum zehnten Lebensjahr brauchen wir zwischen zehn und elf Stunden erholsamen Schlaf, als Jugendliche rund neun Stunden. Erst danach sind sieben Stunden ausreichend“, sagt Klösch. Der Wechsel auf Sommerzeit kostet Kinder und Jugendliche effektiv 32 Minuten Schlaf. Dieses Minus kann sich über zwei Wochen hinziehen und kumulieren. Außerdem spielt die ständige Verfügbarkeit von Handys, Tablets oder PCs eine Rolle. „Digitale Endgeräte rauben mit ihrem blauen Licht Schlaf. Wichtig wäre also, zumindest in den vier, fünf Tagen davor handyfreie Zeiten am Abend zu planen und sich eine halbe Stunde früher hinlegen.“

Erklärung: Junge Menschen haben – im Gegensatz zu älteren – in der Früh noch eine Tiefschlafphase. „Werden sie mittendrin geweckt, sind sie wie schlaftrunken.“

Die meisten Jugendlichen seien zudem „Abendmenschen“. Die Umstellung auf die Sommerzeit befeuere dieses Schlafdefizit zusätzlich und sorge für Stress-Intoleranz und ein Leistungstief. Das sollte auch Lehrern klar sein, riet Klösch. „Tests am Montag nach der Umstellung sind daher nicht besonders ratsam bzw. unfair“, meint der Schlafforscher.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben