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Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 20. Februar 2017

Gesund gelacht!

NebenWirkungen

Mein 20-jähriges Bühnen- und Arztjubiläum.

Seit 20 Jahren bin ich nun im Besitz einer Promotionsurkunde und damit Doktor der gesamten Heilkunde, 20 Jahre stehe ich schon als Kabarettist auf der Bühne, und seit 20 Jahren versuche ich herauszufinden, worin genau der Unterschied zwischen diesen beiden Disziplinen besteht. Denn Absurditäten und Heilung finden sich gleichermaßen in Medizin und Kabarett. Wo ich in dem einen Beruf die Menschen tatsächlich wieder gesünder nach Hause entlassen kann, kann man das vom Arztberuf nicht zwangsläufig behaupten.

Die Doktorspiele auf der Bühne üben also nach wie vor einen großen Reiz auf mich aus, auch wenn ich den Doktorspielen in der Praxis keineswegs abgeneigt bin. Ein ehrlicher medizinischer Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre zeigt, dass manches besser, manches schlechter, das meiste gleich geblieben ist, und das Gangbett von 2017 immer noch aussieht, wie ein Gangbett 1997, aber gar nicht mehr existiert, obwohl es irgendwie doch da ist. Diese Situation mag so lange bedrohlich wirken, bis man darüber lachen kann. Dann ist es aber wirklich lustig.

Oft belächelt wird das Lachen indes, wenn es darum geht, dessen Heilungseffekte zu dokumentieren. Die medizinisch-wissenschaftliche Community steht schließlich nicht im Ruf, die Lachwurz entdeckt und als Arznei eingesetzt zu haben. Dabei ist Humor genau jene Essenz, an der es für ein gutes Miteinander in der Klinik oder eine gute Heilung meist mangelt.

So durfte ich bereits mehr als 250.000 Personen gemeinsam mit meinem Partner Norbert Peter in unserer Bühnen-Ordination begrüßen. Statistisch gesehen hat uns also jeder Sankt Pöltener bereits fünfmal aufgesucht, inklusive Mikl-Leitner – nur um auf die weltpolitische Bedeutung unseres Kabaretts hinzuweisen. Damit, so finde ich, haben wir eine Menge zur Gesundung dieser Personengruppe beigetragen. Denn auch wenn die gesundheitlichen Effekte nicht doppelblind randomisiert geprüft sind – dazu müsste man einer Gruppe gute Pointen und einer Kontrollgruppe schlechte Kalauer liefern – so vergisst man zumindest während den zwei Stunden Lachen im Theater, dass man krank ist.

Und auch wenn in den Etablissements gerne ungesund getrunken, gegessen und mancherorts sogar geraucht wird, gibt es hier zumindest keine multiresistenten Spitalskeime. Die Nebenwirkungen halten sich ebenso in Grenzen, so sich nicht ein bereits abgelaufener Witz auf den Magen schlägt. So würde ich mir, für mich und meine komödiantische Zunft, wünschen, dass Kabarett und andere humorige Beschäftigungen in den Kanon der bewährten Heilmittel aufgenommen werden. Eine Eintrittskarte auf Rezept und in der grünen Box könnte nicht nur kurzfristig für die Kassen preiswerter, sondern in vielen Fällen als Dauertherapie auch auf lange Sicht effektiver sein.

Die zähen Verhandlungen mit den Entscheidungsträgern, um dieses Ansinnen in die Tat umzusetzen, wären aber voraussichtlich selbst gelebtes Kabarett. In diesem Sinne: Viel Spaß!

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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