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Leben 20. Februar 2017

3 Ohrfeigen = 1 x Würgen?

Würgen, schlagen, mit dem Messer bedrohen: Welche Gewalttat wiegt schwerer? Grazer Forscher machten die Probe aufs Exempel.

Möchte man plausible Aussagen über die Entwicklung von Gewalt machen, muss man einen Weg finden, um verschiedene Delikte gegeneinander abzuwägen. In Österreich wird jedoch nur die Summe aller Anzeigen oder Straftaten dazu genutzt, um Bilanz zu ziehen. Das bedeutet, dass jede gemeldete Gewalttat, die in eine Statistik einfließt, als gleich schwerwiegend betrachtet wird. „Diese Praxis des bloßen Zusammenzählens ist problematisch, weil Zahlen zu mehr und zu weniger gravierenden Strafbeständen vermischt werden“, erklärt Mag. Dzenana Pupic, Dissertantin an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.

Gemeinsam mit Forschern der London School of Economics und der Queen Mary University London hat Pupic einen neuen Ansatz zur Messung von Gewalt erstellt, der auf einer abgestuften Unterscheidung zwischen den Schweregraden von Straftaten basiert. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Psychology of Violence“ veröffentlicht.

Statistiken können nicht immer vollständig abbilden, in welche Richtung sich Gewalt entwickelt. Vor allem bei Vorfällen, in denen mehrere Taten gleichzeitig auftreten, etwa Beschimpfungen und Messerattacken gegen Polizisten, fehlt eine Abstufung, um korrekte Aussagen zur Zu- oder Abnahme einzelner Delikte zu treffen. „Nehmen wir an, in einem Jahr werden zwei Beschimpfungen und drei Messerattacken registriert, das sind fünf Vorfälle“, erläutert Dzenana Pupic. „Ein Jahr später verzeichnen wir sechs Beschimpfungen und eine Messerattacke, also sieben Ereignisse.“ Vergleicht man nur die Summe der Vorfälle, ergibt sich insgesamt eine Zunahme der Gewalt. „Wenn wir uns aber die einzelnen Gewalttaten innerhalb der Anzeigen anschauen, könnten wir argumentieren, dass die drei Messerattacken aus dem ersten Jahr schwerwiegender sind als der Anstieg der Beschimpfungen im zweiten Jahr.“

Für die Forscher war es daher klar, dass nur ein neuer Ansatz der Gewaltmessung, der den Schweregrad der Delikte berücksichtigt, zu qualifizierteren Aussagen führt. Wie diese Abstufungen ausstehen können, untersuchten sie in einer Studie mit mehr als 500 Teilnehmern aus Österreich, Großbritannien und Bosnien-Herzegowina.

„Uns hat interessiert, wie die Probanden verschiedene Straftaten bewerten und ob es signifikante Unterschiede in deren Gewichtung gibt“, erklärt die Forscherin. Acht Delikte wurden ausgewählt: Anspucken, Ohrfeigen, Treten, Schlagen, Würgen sowie das Bedrohen mit einem Messer, das Zufügen von Stichverletzungen und das Versetzen eines Kopfstoßes.

„Die Teilnehmer waren zunächst aufgefordert, die Vorfälle von sehr bis weniger schwerwiegend anzuordnen. Dabei war auffällig, dass die Anordnung überall ähnlich ausfiel“, so Pupic. Am gewalttätigsten wurden Aktionen beurteilt, die längerfristige gesundheitliche Folgen nach sich ziehen könnten, etwa Messerattacken.

In einem nächsten Schritt sollten die Teilnehmer die Delikte direkt vergleichen. „Wir haben beispielsweise gefragt, wie viele Ohrfeigen – diese wurden davor als weniger schwerwiegend eingestuft – ein einmaliges Würgen ausgleichen“, so Pupic. In diesem Teil bestätigten sich die Anordnungen aus dem ersten Test. „Dann haben wir noch erhoben, wie hoch die Teilnehmer ein mögliches Schmerzensgeld ansetzen würden, um persönlich erlittene Gewalt auszugleichen“, schildert die Wissenschaftlerin. Auch diese Forderungen zeigten dieselben Gewichtungen.

Quelle: Universität Graz

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