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Leben 20. Februar 2017

Warum es sich so gut anfühlt

Pathologisches Kaufen. Verhaltenssüchte wie „Compulsive Buying“ sind in den vergangenen Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit und der klinischen Versorgung gerückt. Es gibt erste Belege dafür, dass sich die Verhaltenstherapie zur Behandlung der Kaufsucht eignet.

Zu den „nicht-stoffgebundenen Suchterkrankungen“ zählen Internet- bzw. Computerspielsucht, die Kaufsucht und die Sexsucht. Bei der Behandlung einer klinisch echten „Kaufsucht“ ist es wichtig, zunächst die mit dem Kaufverhalten verbundenen Emotionen und Kognitionen zu thematisieren. Das Selbstkonzept und die biografischen Einflussfaktoren werden erst später thematisiert.

Das wichtigste Ziel der psychotherapeutischen Intervention ist das Unterbrechen des exzessiven kaufsüchtigen Verhaltens. Trotzdem ist es wichtig, den Einfluss der eigenen Persönlichkeit zu reflektieren, um das Erlernen eines kontrollierten Kaufverhaltens zu erleichtern.

Das Identifizieren von Therapiezielen gestaltet sich häufig schwierig. Denn wie definiert man ein normales Kaufverhalten? Normales Kaufverhalten ist unabhängig von dem familiären, beruflichen oder finanziellen Hintergrund der betroffenen Personen zu betrachten und daher schwer zu operationalisieren.

Es gibt erste Belege dafür, dass sich die Verhaltenstherapie zur Behandlung der Kaufsucht eignet. In drei randomisierten, kontrollierten Psychotherapiestudien konnten erste Effekte nachgewiesen werden. Die Ergebnisse zeigen, dass eine verhaltenstherapeutisch basierte Intervention den Kontrollbedingungen jeweils überlegen war.

Studienlage weist Lücken auf

Gleichzeitig ist zu bemerken, dass alle aufgeführten Studien eher Pilotcharakter aufweisen, da diese mit vergleichsweise geringen Stichprobengrößen durchgeführt worden sind. Weitere randomisierte kontrollierte Studien zur psychotherapeutischen Intervention bei Kaufsucht gibt es derzeit nicht.

Es existieren auch zwei pharmakologische Studien zu diesem Thema, die als Placebo-RCT-Studie oder placebokontrollierte Studie durchgeführt wurden. Beide Studien untersuchten die pharmakotherapeutischen Effekte von Fluvoxamin, einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der vor allem in der Behandlung von Zwangsstörungen eingesetzt wird. Beide Studien zeigten jedoch im Gruppenvergleich keine signifikante Verbesserung zwischen Interventions- und Placebogruppe.

Fazit: Bei der Therapie von nicht-stoffgebundenen Süchten stehen insbesondere verhaltenstherapeutische Interventionsformen im Vordergrund.

Der ungekürzte Originalbericht „Internetsucht, Kaufsucht, Sexsucht – so gehen Sie dagegen vor“ ist erschienen in „MMW – Fortschritte der Medizin“ (158/2016), DOI: 10.1007/s15006-016-8613-2, © Springer-Verlag

Literatur

- Muller A, Voth EM. Suchtartiges Kaufverhalten. In Bilke-Hentsch O, Wolfling K, Batra A (Hrsg.). Praxisbuch Verhaltenssucht: Symptomatik, Diagnostik und Therapie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Georg Thieme Verlag, 2014

- Mitchell JE, Burgard M, Faber R, Crosby RD, de Zwaan M. Cognitive behavioral therapy for compulsive buying disorder. Behaviour Research and Therapy. 2006;44:1859–65.

- Muller A et al. A randomized, controlled trial of group cognitive-behavioral therapy for compulsive buying disorder: posttreatment and 6-month follow-up results. The Journal of Clinical Psychiatry. 2008;69(7):1–478.

- Muller A et al. Cognitive-behavioural group therapy versus guided self-help for compulsive buying disorder: A preliminary study. Clinical Psychology & Psychotherapy. 2013;20:28–35;


Klaus Wölfling, Kai W. W. Müller und Jobst Böning

, Ärzte Woche 8/2017

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