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Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 13. Februar 2017

Schlechte Vorbilder

NebenWirkungen

Prominente Unterstützung für medizinische Kampagnen ist nicht immer hilfreich.

Gerne spannt man prominente Persönlichkeiten vor den Karren der medizinischen Vorsorge. Es macht schließlich einen Unterschied, ob bloß der Hausarzt eine Empfehlung zur Prostatauntersuchung gibt, oder George Clooney leibhaftig von den Vorzügen einer digitalen Untersuchung schwärmt („what else …?“).

Doch nicht immer vermitteln Vorbilder auch das, wofür sie eigentlich stehen sollten. In einer US-Studie aus Utah sah man sich etwa den Einfluss von Superhelden auf das Sozialverhalten der jugendlichen Konsumenten an. Mit überraschendem Ergebnis: In puncto Vorbildwirkung, bezüglich dem Schutz Schwächerer, hinterließen die Superhelden keinen bleibenden Eindruck. Allerdings nahm, vor allem bei Buben, die körperliche und soziale Aggression zu. So edel können also Batman, Superman oder Captain America (Captain Donald Trump wurde nicht untersucht) gar nicht agieren – eine gute Kampftechnik ist einfach faszinierender als bloße Nettigkeit.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie stark die fliegenden und an Spinnenseilen schwingenden Helden den Charakter tatsächlich beeinflussen. Mein Jüngster, der, neben dem Elternhaus, zu mindestens fünfzig Prozent auch vom Marvel- und DC-Universum erzogen wurde, wirkt weder besonders raufsüchtig noch asozial. Er kann aber auch nicht mit seinem Blick einen Stahlträger schmelzen, trotz intensivem Training, was ihn etwas traurig stimmt.

So ist auch fraglich, ob die Superhelden auch als gesundheitliches Vorbild taugen. Auf Ernährung oder das Rauchverhalten wird bei den Geschichten kaum Bezug genommen, sieht man vielleicht von Popey ab, der die positive Wirkung regelmäßigen Spinatkonsums hervorhebt, oder Lucky Luke, den man bereits vor Jahren seiner Zigarette beraubt hat, um sie durch einen Grashalm zu ersetzen. Aber putzt sich Ironman auch wirklich zweimal täglich die Zähne? Geht Bruce Wayne regelmäßig zur Darmspiegelung? Und wann hat sich der Hulk das letzte Mal seine Leberwerte kontrollieren lassen, so grün und gelb er sich ständig ärgert.

Im Gegenteil: Die Helden der Leinwand verleiten zur Unvernunft. Sie springen aus großen Höhen, setzen sich radioaktiver Strahlung aus und tun scheinbar alles zur Stählung des Körpers, wovor uns die Dopingjäger der NADA immer schon gewarnt haben. Solch einen Unsinn, liebe Kinder und Patienten, sollte man bitte nicht nachmachen. Bereits der Umstand, dass sich der kurzsichtige Clark Kent die Brillen absetzt, bevor er als Superman fliegend durch den Luftraum manövriert, widerspricht jeder verkehrsmedizinischen Empfehlung.

Will man also reale oder fiktive Promis für eine medizinische Awareness-Kampagne heranziehen, so muss das wohl überlegt werden. Ernährungsempfehlungen von Magermodels oder Anti-Drogen-Tipps von Keith Richards können da, wie bei den Superhelden, nach hinten losgehen.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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