zur Navigation zum Inhalt
© Aktion Regen
Eine ehrenamtlich tätige Ärztin bei ihrer Arbeit mit Schulkindern während ihrer Mission in Afrika.
© Rita Newman

Mit der Babykette können die Frauen ihre fruchtbaren Tage abschätzen.

 
Leben 7. Februar 2017

Afrikanerinnen werden nicht im Regen stehengelassen

Hilfe zur Selbsthilfe. Die „Aktion Regen“fußt auf der ehrenamtlichen Ausbildung von sogenannten „Rain Workern“ durch Ärzte vor Ort. Auf dem Lehrplan stehen Familienplanung und Gesundheitsaspekte, die damit assoziiert sind.

Die Aktion Regen wurde 1989 von der Gynäkologin Dr. Maria Hengstberger gegründet. Bei einem Arbeitseinsatz in Äthiopien lernte sie die Not der Familien, insbesondere der Mütter kennen und entwickelte, in Zusammenarbeit mit anderen NGOs, das Konzept „Wissen als Chance“. Seither engagiert sich Aktion Regen dafür, die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig zu verbessern.

Das Ziel von Aktion Regen

Die Bevölkerung Afrikas zählt heute rund 1,2 Milliarden Menschen und wird sich bis 2050 mehr als verdoppelt haben. Dieser hohe Bevölkerungszuwachs ist unter anderem auf mangelnden Zugang zu Aufklärung und Verhütung zurückzuführen und wird die Armut der Menschen vor Ort weiter verschärfen.

Vor allem Frauen sind auf Grund von patriarchalen Strukturen und traditionellen Werten stärker benachteiligt und anfälliger für Armut, HIV-Infektionen, sexuelle Gewalt und weibliche Genitalverstümmelung.

Das Programm von Aktion Regen leistet unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ nachhaltige Präventionsarbeit, sodass Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können ohne Bittsteller bei diversen Hilfs- und Ernährungsprogrammen zu werden.

Rain Worker verbreiten das Wissen

Um das zu erreichen, bildet die Aktion Regen unter dem Motto „Wasser an die Wurzeln“ in zwei einwöchigen Workshops Multiplikatoren/ Brückenbauer vor Ort aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich zu sogenannten „Rain Worker“ aus, die das Wissen weiter verbreiten.

Die Ausbildung besonders qualifizierter Mitarbeiter von NGOs zu Rain Workern ist besonders wichtig.

Sie kennen die lokalen Gegebenheiten, sind Teil der Gemeinschaft und Brückenbauer zwischen den Kulturen. Rain Worker sollen auch Netzwerker zwischen den NGOs werden, denn sie haben etwas zum Herzeigen und zum Weitergeben. In nur zweimal einer Woche mit zwischenzeitlicher Probezeit ist ihre Ausbildung möglich.

In drei wichtigen Arbeitsschwerpunkten, dem sogenannten EMI – education, motivation, innovation –, wird ihnen Wissen über reproduktive Gesundheit und Familienplanung vermittelt. Die Schwerpunkte sind:

- Familienplanung

- Mutter-Kind-Gesundheit

- Reproduktive Gesundheit

- HIV-/ AIDS-Prävention

- Weibliche Genitalverstümmelung, kurz FGM

Paare sollen sich frei, selbstbestimmt und vor allem gemeinsam – passend für ihre jeweilige Lebenssituation – für eine Methode zur Familienplanung, für die Zahl der Kinder und für den Zeitpunkt der Schwangerschaft entscheiden.

Die Rain Worker informieren über alle Möglichkeiten der Schwangerschaftsverhütung sowie über deren Vor- und Nachteile.

Fast 50 Prozent der Bevölkerung Afrikas ist unter 15 Jahren. Damit ist der Anteil der Bevölkerung, der bald ins reproduktive Alter kommt, sehr hoch. Aus diesem Grund startet das Bildungsprogramm für sexuelle Gesundheit bereits in den Schulen und schließt Mädchen und Buben mit ein.

Aufklärungstools immer mit dabei

Damit die Menschen motiviert sind, sich mit diesen Themen tatsächlich auseinanderzusetzen und sie in ihr Leben integrieren können, hat Aktion Regen leicht verständliches und „begreifbares“ Unterrichtsmaterial entwickelt:

- Die „Babykette“ dient zur Orientierung über die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage (siehe Abbildung).

- Die „Little Mom“ ist ein anatomisches Stoffmodell zur Erklärung der weiblichen Fortpflanzungsorgane.

- Die Mutterschutzuhr zeigt deutlich auf, dass eine gesunde Mutterschaft nur möglich ist, wenn zwischen der Geburt eines Kindes und der Empfängnis des nächsten mindestens 18 Monate liegen, idealerweise jedoch mehr.

- Andere Unterlagen wie Bilder, Kalender, Kurzfilme und Rollenspiele unterstützen das bessere Verständnis der behandelten Themen.

Ehrenamtliche Ärzte gesucht

Bis dato wurden fast 300 Rain Worker ausgebildet, vor allem in Kenia, Uganda, Ruanda, Äthiopien, Mali und Tansania. Aktion Regen sucht dringend Ärzte, die ehrenamtlich mithelfen wollen, indem sie vor Ort ihre Tool-Lehre und Motivationsstrategien verbreiten und Rain Worker ausbilden (siehe Kasten).

Wissen vermitteln, heißt Freiheit weitergeben.

Dr. Maria Hengstberger

Frauenärztin und Gründerin der Aktion Regen (1989)

Aktion Regen/ PK, Ärzte Woche 6/2017

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben