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Nicht-manuelle Signale wie Mimik oder Körperhaltung spielen eine zentrale Rolle in der Gebärdensprache.
 
Leben 27. Jänner 2017

Mit Betonung auf der Unterbrechung

Gebärdensprache. Wie man Betonungen setzt ohne die Möglichkeit seine Stimme zu verändern? Mit Pausen. Eine Erkenntnis der Kulturwissenschaftler Franz Dotter und Andrea Lackner.

MBGebärdensprache verfügt wie Lautsprache über eine komplexe und differenzierte Struktur. Man muss sie nur sehen, erkennen und zuordnen können. Eine Klagenfurter Forschergruppe erarbeitet mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF Elemente einer Grammatik der Gebärdensprache.

Die Sprache unterscheidet Homo sapiens vom Tier. Ein komplex aufgebautes System, in dem sich kleinere zu größeren Einheiten verbinden, zu Sätzen, zu Aussagen. Sie wird gesprochen, sie wird geschrieben – und sie wird gebärdet. „In der Gebärdensprache“, sagt Franz Dotter, „finden wir alle Erscheinungen, die wir aus gesprochenen Sprachen kennen, eben nur visuell ausgedrückt.“ Sie ist kein Hilfskonstrukt, vielmehr eine vollwertige Sprache, ein Mittel der Kommunikation.

Und doch ist sie in manchen Bereichen „terra incognita“. Wie wird in Gebärde betont? Wie erfolgen Segmentierung und Strukturierung von Texten, wenn die Instrumente der Tonhöhe, des Stimmfalls, der Lautstärke nicht zur Verfügung stehen? „Durch Pausen“, sagt Dotter, „und durch bewusste Hinweise (Anzeiger), wie Blinzeln, durch Haltung der Handflächen, durch Bewegungsveränderungen, Blicke, Kopf- und Körperbewegungen.“

Das ist der Kern des Vorhabens „Segmentation und Strukturierung von Texten in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS)“, welches Franz Dotter am Zentrum für Gebärdensprache und Hörbehindertenkommunikation der Alpen-Adria-Universität leitet ( bit.ly/2jQ8StL ).

„Wir haben ÖGS-Muttersprachlerinnen und Muttersprachler wie auch Personen ohne ÖGS-Kompetenz angewiesen, gebärdete Texte zu segmentieren und die Anzeiger anzugeben.“ Dabei zeigte sich, dass gerade Anzeiger, die mit der Hand vollführt werden und auch Pausen von beiden Gruppen erkannt werden. Von Personen, die der Gebärde nicht mächtig sind, immerhin zu 40 Prozent.

Anders verhält es sich bei nicht-manuellen Anzeigern, wie Blicken, Kopf- und Körperbewegung, die fast ausschließlich von der Gruppe der Muttersprachlerinnen und Muttersprachler verstanden werden. „Gebärdensprachen sind immer schon ein Mittel der Kommunikation gewesen; sogar für hörende Menschen“, sagt Dotter, „das wissen wir aus Australien wie aus Amerika, wo sie für ein Tabu, für etwas, das nicht in gesprochene Worte gefasst werden durfte, eingesetzt wurde, wie auch zur Kommunikation zwischen verschiedenen Stämmen.“

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