zur Navigation zum Inhalt
 
Leben 13. Jänner 2017

Achtung, Treibsand

Auswanderer. Sie wollten in Arabien ein neues Leben beginnen – und landeten im Gefängnis oder verloren sechsstellige Summen. Wer als Arzt nach Dubai wechseln will, sollte sich genau informieren, bevor er in Europa die Zelte abbricht oder Vorauszahlungen leistet. Das empfiehlt jedenfalls ein Personalvermittler.

Bei vielen Ärzten, die im Ausland arbeiten wollen, ist Dubai bisher erste Wahl. Ende 2009 hat das vermeintlich reiche Land dann die Aktienmärkte erschüttert: Das Emirat hat von Investoren einen Aufschub bei der Schuldenrückzahlung von zwei großen Staatsfonds gefordert. Mediziner sollten umdenken – aber nicht nur wegen der Finanzkrise, findet der Personalvermittler Roland Herbert.

Attraktiv seien zurzeit eher die Schweiz und, für deutsche Ärzte, Österreich. Nach Angaben von Berater Herbert wollten noch im Herbst 2009 mindestens zwei Drittel der auswanderungswilligen Ärzte aus Deutschland nach Dubai. „Sie fallen der schillernden PR zum Opfer. In Wahrheit bröckelt dort inzwischen der Putz gewaltig.“ Bewerber konkurrieren mit Ärzten etwa aus den USA, Großbritannien oder Frankreich, es gebe bereits ein Überangebot. Gleichzeitig zeichnen sich laut Herbert in den anderen Emiraten wie Abu Dhabi und Ländern wie Oman oder Bahrain vergleichbare Perspektiven ab.

Seriöse Beratung ist indiziert

Der ehemalige Radio-Journalist Herbert betreibt zusammen mit einer Geschäftspartnerin in Eggenfelden bei Passau die Beratungsfirma Universitas, nach eigenen Angaben Marktführer bei der Vermittlung deutscher Fachärzte ins Ausland. Herbert hält es für „unverantwortlich“, ohne seriöse Beratung einen Jobwechsel in die arabische Welt zu planen.

Viele deutsche Mediziner wüssten zum Beispiel nicht, dass ein Teil der Kliniken Zuschüsse gewährt – für die Wohnung, die Schule der Kinder und den Umzug. Wie etwa in Spanien führt in Arabien der Begriff clinic oft in die Irre, handelt es sich doch um keine Klinik, sondern eine private Arztpraxis.

Geld weg und ab in den Knast

Die Maxime sollte lauten: Erst informieren, dann einen Arbeitsvertrag unterschreiben. „Wir haben tragische Fälle aus dem Nahen und Mittleren Osten erlebt, die man hierzulande für absolut unmöglich halten würde“, erläutert Herbert. Er nennt keine Namen, beschreibt aber gravierende Schicksale aus den vergangenen Jahren.

So habe ein 54-jähriger Krankenhausarzt in Hessen gekündigt, um eine gut dotierte Stelle in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu übernehmen. Er zahlte 100.000 Euro als Jahresmiete für eine Wohnung im Voraus, bekam jedoch nicht die nötige Arbeitslizenz. Das Hospital war ein privates Haus, und das Emirat behindert oft die Privaten zum Schutz des staatlichen Gesundheitswesens.

Herbert berichtet von einem Arzt, der in Dubai drei Wochen im Gefängnis landete, weil er eng umschlungen mit seiner Freundin flanierte und mit ihr ein Hotelzimmer teilte. Er warnt davor, in den Emiraten aus Gutgläubigkeit den Pass beim Arbeitgeber abzugeben. Bei Lohnausfällen hänge man im Land fest. „In diesen und anderen Fällen sind Strafanzeigen absolut sinnlos, da der Arbeitgeber immer und automatisch Recht hat.“

Alternativen zu Dubai

Gibt es Alternativen zu Dubai? Trotz Ärztemangels hält Roland Herbert Australien und Großbritannien wegen bürokratischer Hürden derzeit für keinen guten Tipp. In Australien werde bereits der Sprachtest zur Hürde. Die meisten Skandinavier setzen die landesüblichen Sprachen voraus. Trotz der geplanten Gesundheitsreform ist Herbert bei den USA noch skeptisch. „Paradiesische Verhältnisse bietet die Schweiz – nicht nur wegen der Freizeit- und Kulturangebote.“

Weitere Informationen:

Universitas: www.universitas-medical.com

Regierung von Dubai: www.dubai-city.de


René Schellbach/ ÄZ

, Ärzte Woche 3/2017

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben