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© Patrick Pleul/dpa
 
Leben 28. November 2016

Ölige Schoko

Naschereien. Bayerisches Gesundheitsamt findet Mineralölrückstände in Adventskalendern.

Auch in diesem Jahr sind wieder Mineralölrückstände in Schokoladen-Adventskalendern gefunden worden. Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wies in der Schokolade von drei der fünf untersuchten Kalendern geringe Mengen sogenannter „aromatischer Kohlenwasserstoffe“ (MOAH) nach. Diese stehen im Verdacht, krebserregende Stoffe zu enthalten. Die Behörde hatte sich diesmal auf die fünf Kalender konzentriert, in denen bereits im vergangenen Jahr solche Rückstände gefunden worden waren.

„Der Verzehr von Adventskalenderschokolade gibt auf Grundlage der vorliegenden Ergebnisse und Erkenntnisse nach Auffassung des LGL keinen Anlass zur Besorgnis“, betonte das Amt jedoch auf seiner Internetseite – mit Verweis auf die übliche Verzehrmenge: ein Stück pro Tag an 24 Tagen im Jahr.

Mineralöl aus recycelten Kartons

Die Mineralölbestandteile gehen oft aus recycelten Kartons auf die Schokolade über. Für die Herstellung wird bedrucktes Altpapier verwendet und die Druckfarben können Mineralöle enthalten. Auch bei der Ernte oder der Herstellung des Papiers werden Öle für die Maschinen genutzt. Und manche Jutesäcke, in denen Kakaobohnen transportiert werden, können mit Mineralölen imprägniert sein. Im aktuellen Test wurden nur Frischfaserkartons verwendet. Ein Entwurf zur Änderung der „Druckfarbenverordnung“ sieht vor, dass künftig keine mineralölhaltigen Farben zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen mehr verwendet werden dürfen. Diese Verordnung wird gerade von der EU-Kommission geprüft.

Lebensmittelrechtlich seien die Kalender nicht zu beanstanden, hieß es vom LGL. Die Hersteller der Adventskalender sollen dennoch über die Ergebnisse informiert werden.

Foodwatch fordert Verkaufsstopp

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte die Veröffentlichung gefordert. Sie forderte nun einen Verkaufsstopp sowie einen öffentlichen Rückruf der Kalender. Dem LGL warf Foodwatch vor, die Gesundheitsgefährdung zu verharmlosen: „Die Beschwichtigungen der bayerischen Behörde sind von der Wissenschaft nicht gedeckt und im Sinne des Gesundheitsschutzes inakzeptabel“, sagte Johannes Heeg von Foodwatch. „Die Tests zeigen erneut, dass die Lebensmittelbranche das Mineralölproblem nicht entschieden genug angeht, solange der Gesetzgeber sie dazu nicht zwingt.“ Auch der Verbraucherschutzexperte der SPD im bayerischen Landtag, Florian von Brunn, forderte, alle belasteten Produkte sofort vom Markt zu nehmen. Von Brunn kritisierte zudem, dass das LGL nur fünf Adventskalender testete.

Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL wies die Foodwatch-Kritik zurück: Es bestehe keine Gesundheitsgefahr für die Konsumenten. Die Lebensmittelhersteller täten bereits seit dem Jahr 2010 alles dafür, Mineralöl-Rückstände zu minimieren. Vollkommen vermeiden ließen sie sich jedoch nicht.

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