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© (2 ) Ignaz Kienast
© (2 ) Ignaz Kienast
 
Leben 28. November 2016

Das Besondere des Einfachen

Reduktion und Fülle. Das Einfache, auf die Grundformen reduziert, öffnet die Fülle der Möglichkeiten. Der Weinviertler Künstler Ignaz Kienast lädt mit seinen Objekten zur Auseinandersetzung mit den dahinterliegenden Zusammenhängen ein – bis in die archaisch- spirituellen Dimensionen.

Red. Weitgehend bedient sich der 1959 geborene Objektkünstler Ignaz Kienast der Materialien, die aus der Natur oder aus seiner Arbeitsumgebung stammen: Fassdauben sind da beliebter Werkstoff oder auch Holzteller und Korken. Kienast prüft sie auf ihre möglichen Botschaften und Aussagen, auf ihre ursprünglichen Bestimmungen, auf die Ereignisse und Begebenheiten, die dahinterstehen. Jedes Objekt erzählt eine Geschichte. Aus dieser Einlassung auf das Material ergeben sich auch die Anknüpfungspunkte für weitere Verbindungen.

Die archaisch-spirituelle Erfahrung

Mit diesem Prozess begibt sich der Absolvent der Wiener Kunstschule und der Meisterklasse von Wander Bertoni an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien in eine Erfahrungssituation, wie sie in ähnlicher Weise wohl am Beginn der Zivilisation stattgefunden hat: Die Instrumentalisierung von vorhandenen, gefundenen Gegenständen. Schauen, was es gibt, wie man es verwenden kann und wie es zum Vorhandenen passt.

Die Reisen zum Selbst

Aus dem Weinviertler Ort Unterstinkenbrunn stammend, begab sich Ignaz Kienast auf Reisen durch Europa und Asien und fand dort auch spirituelle Antworten auf drängende Fragen. Die Reduktion bis zum Punkt der vollkommenen Leere, wie sie die Philosophie des Zen vermittelt, ist der Punkt, wo Erleuchtung möglich ist. Die Erleuchtung freilich findet nicht in vordergründigem Aktivismus statt, sondern in einem Zustand der kontemplativen Ruhe. Das ist der Endpunkt. Der Weg dorthin ist gerade in unserer reizüberfluteten schnelllebigen Zeit eine Herausforderung.

Ignaz Kienast bietet mit seinen klaren Formen eine Art Meditationshilfen, um auf diesem Weg voranzukommen. Das Material wiederum gibt dabei den Weg für die Gestaltung vor, seine Gesetzmäßigkeiten, seine Vorgeschichte, seine ganz spezifische Eigenheit und lässt die eigenen Erfahrungen und Sensibilitäten einfließen. Der Prozess der Formgebung ergibt sich aus dem Dialog mit dem Werkstoff als verdichtete Präsenz von Erfahrenem, Gefundenem, Gesuchtem und Verbundenem.

Das Material erzählt seine ganz eigene Geschichte

Ausgangsmaterials der „Sieben Gaben“ ist ein verwittertes Holzbrett, das wie eine Stele wirkt. Die Holzmaserung tritt prägnant und roh in unterschiedlichen Farbschattierungen entgegen – von warmem Rötlich-braun bis zu kühlerem Grau-grün. Rote Farbreste finden sich linienförmig in den Holzrillen, vielleicht Überreste aus der Zeit der ursprünglichen Verwendung.

Diese Wurzeln der aktuellen Realität zu erkunden führt zur auch zur eigenen Geschichte. Mit symbolischen Zeichen in eine Metallplatte gesetzt, lenkt Kienast dann freilich auch auf eine spirituelle Ebene. Die sieben Metallknöpfe am Fuß des Objekt lassen sich gedanklich mit Inhalten füllen.

Sie leuchten auf dem dunklen Untergrund hervor. Was wollen wir geben, was wird gegeben. Alle Möglichkeiten der Erzählung und der Wendungen stehen offen.

Die Freiheit zurückgewinnen

Jede Entscheidung schränkt die unendliche Freiheit der Möglichkeiten ein, das diskutierte beispielsweise auch Robert Musil in seinem epochalen Roman „Mann ohne Eigenschaften“. Die Offenheit wieder zurückzugewinnen, wird jedoch umgekehrt durch die Reduktion und strikte Rückführung auf die Einfachheit möglich.

Oder wie der englische Jurist und Dichter Philip James Bailey (1816 bis 1902) feststellte: „Einfachheit ist der erste Schritt der Natur und das Letzte der Kunst“.

Die Ausstellung des Objektkünstlers Ignaz Kienast mit dem Titel „Sieben Gaben“ ist bis Mitte Februar 2017 im Kunstraum Dr. David in 1230 Wien, Maurer Lange Gasse 47 nach telefonischer Voranmeldung (01 8797405) frei zugänglich.

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