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„Eher seltene Rezepte“ aus dem Jahr 1987: Peter Dressler wurde in den 80ern selbst zum Akteur seiner melancholisch-grotesken Bilder.
 
Leben 22. November 2016

Der Meister aus der zweiten Reihe

Retrospektive. Das Kunst Haus Wien würdigt Peter Dressler, der ab den 70er-Jahren zu den prägenden Vertretern der künstlerischen Fotografie in Österreich zählte.

Wie wenige andere Persönlichkeiten hat Peter Dressler (1942 bis 2013) als Fotograf und Filmemacher, Akademielehrer, Sammler und kritischer Teilnehmer der Kunstszene die österreichische Fotografie seit den 1970er-Jahren beeinflusst. Dresslers künstlerisches Interesse am Medium Fotografie hat seit jeher die Faszination für die Geschichte des Mediums eingeschlossen. Den Stoff seiner frühen dokumentarischen Serien und Bild-Erzählungen findet Dressler in Wien, dort, wie er selbst sagt, „wo noch die Substanz, Qualität, schlechthin die Magie des Alltäglichen in hohem Maß vorhanden ist“.

Später wird sein (von ihm so bezeichneter) „Realismus der siebziger Jahre“ von Tableaus und Bildfolgen und einer poetischen und filmischen Vorgangsweise abgelöst. Zwischenspiel, sein Künstlerbuch von 1989, entwickelt seinen besonderen Reiz aus den vielfältigen Bezügen und Anspielungen, die sich aus der Zusammenstellung der Fotografien ergeben.

Ende der 1980er-Jahre verändert sich erneut seine fotografische Bildsprache: Der Künstler selbst wird zur Hauptfigur und zum Akteur seiner melancholischen bis grotesken Bilderzählungen, er wird zum Koch „eher seltener Rezepte“ oder zum Solo-Tennisspieler im leer geräumten Semper-Depot. Mit kraftvollem Humor verlebendigt er gefundene und erfundene Szenarien durch seine Person und artikuliert kunstgeschichtliche wie auch gesellschaftliche Zusammenhänge und menschliche Verhaltensweisen. Dabei ist er oft großartig witzig, wobei sich sein Witz immer aus dem ernsten Wissen um die tragikomischen Seiten der menschlichen Existenz und die subtilen Möglichkeiten des Mediums speist.

Der Fotograf Andreas J. Hirsch über den im rumänischen Kronstadt geborenen Dressler: „Er hat sich ein Künstlerleben lang nobel zurückgenommen und die große Bühne anderen Fotografen überlassen. Als Assistent von Friedensreich Hundertwasser an der Akademie am Schillerplatz trat er in die zweite Reihe zurück und war doch in Wirklichkeit einer aus der ersten Reihe der künstlerischen Fotografie in Österreich. Diese späte Würdigung macht das – endlich – unleugbar deutlich.“

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