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Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 14. November 2016

Das Donald-Care-System

Was die Wahl Donald Trumps für das heimische Gesundheitswesen bedeutet.

Wahrscheinlich wird bis zum Erscheinen dieser Kolumne noch viel Wasser den Hudson River runter geflossen sein, so viele Kommentare und Abhandlungen hat die Wahl des amerikanischen Präsidenten in den internationalen Fachmedien, wie Facebook, zur Folge. Unabhängig davon, welche Meinung man zum Wahlausgang hat, und ungeachtet dessen, dass es für einen Baulöwen in den USA scheinbar einfacher ist, auf einen Präsidentenstuhl zu gelangen, als in Österreich, möchte ich mich in dieser Kolumne explizit den positiven Auswirkungen des Wahlergebnisses auf das heimische Gesundheitssystem widmen. Schließlich ist einem der eigene weiße Kittel näher, als der Rock einer lateinamerikanischen US-Immigrantin.

Mit dieser etwas eingeschränkten Analyse bin ich auch nicht alleine, geht es doch wie immer vor allem um Partikularinteressen: Viele Verbände diskutieren in diesen Tagen, was der neue Präsident Donald Trump für die Zukunft der Interessen der Verbände bedeutet: Auto- oder Waffenhändler werden wohl positiver gestimmt sein, als vegane Friedensaktivisten. Die Welt ist gespalten. Während Umweltschützer sowohl durch die ökologisch ignorante Haltung Trumps als auch den massiven Einsatz von Haarspray am präsidialen Haupt eine verstärkte Klimaerwärmung befürchten, freuen sich die Haartransplant-Spezialisten über die gute Werbung; die Medien begrüßen insgeheim den Wahlausgang – trotz aller Empörung – denn Herr Trump wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren für mehr bizarre Schlagzeilen und damit mehr Umsatz sorgen, als Frau Clinton es selbst mit orange gefärbten Haaren nie zustande gebracht hätte; Frauenrechtsorganisationen sind wohl zu Recht erschüttert; und Kleintierzüchtervereine fürchten unter Trump eine Einwanderungsbeschränkung mexikanischer Nackthunde.

Auch die einfachen österreichischen Bürger sind in Sorge und fragen sich, welche Auswirkungen die Wahl auf das Fernsehprogramm (das meist aus den USA kommt), das Frühstücksei (das vielleicht über CETA und Kanada aus den USA kommt) oder ihr iPhone (das vom US-amerikanischen China zu uns kommt) haben wird und fürchten sich einmal schon präventiv.Und was bedeutet Trump für unser aller Gesundheitswesen? Es ist anzunehmen, dass der vom vorigen Präsidenten ins Leben gerufene „Patient Protection and Affordable Care Act“, auch „Obamacare“, nun gekippt wird. Wird man dann künftig wieder bei einem medizinischen Notfall aus sozialen Gründen gerade mal ein Pflaster auf die geplatzte Halsschlagader geklebt bekommen? Oder wird Herr Trump doch sein Versprechen wahr machen, ein „großartiges Gesundheitssystem“ zu schaffen, in dem alle Amerikaner behandelt werden sollen – bis auf jene, die er möglicherweise nicht als Amerikaner sieht, also Hispanics, Indianer oder Demokraten.

Wir dürfen wie immer unser Lieblingsmantra vor uns hersagen: „Bei uns wär’ so was nicht möglich“. Denn um das heimische Gesundheitssystem in den Sand zu setzen, brauchen wir keine Hilfe aus Amerika.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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