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© delray77 / Getty Images / iStock Editorial
Jahrzehntelang das Gesicht Österreichs: Franz Joseph I., entdeckt auf einer Ansichtskarte in Bad Ischl.
 
Leben 14. November 2016

Ihr letzter Tag mit dem Kaiser

Tod in Schönbrunn. Mit seinem Hinscheiden verschwindet eine Klammer und ein Symbol der Monarchie. Person und Wirken Franz Josephs einzuschätzen, ist ebenso schwierig wie eine Gesamtbeurteilung der ausgehenden Donaumonarchie.

Obwohl der Tod Kaiser Franz Joseph erst 100 Jahre her ist, ist es schwer, den Menschen hinter dem Berg gaus Kitsch zu sehen. Seit Jahrzehnten wird an einer kritischen historischen Analyse seiner sehr zentralen Rolle in der österreichischen Geschichte des 19. Jahrhunderts gearbeitet, ohne dass diese abgeschlossen wäre. Eine Möglichkeit, der „wahren“ Person nahezukommen, sind Zeugenberichte.

Die Österreichische Mediathek stellt anlässlich des Todestags (21. November 1916) eine Onlinechronik mit Originalzitaten und -dokumenten sowie O-Tönen von Zeit- und Augenzeugen online ( bit.ly/2fSX2h5 ), unter anderem sind folgende Materialien vorhanden:

- Die Tonspur einer Fernsehsendung der Kronzeugin schlechthin, Kaiserin Zita (1892 bis 1989): „Am Vormittag des Todes Kaiser Franz Josephs empfing er Kaiser Karl und mich noch einmal. Er saß an seinem Schreibtisch in Uniform und arbeitete noch an einem Rekrutierungsakt. Er war brennend vor Fieber und trotzdem ließ er nicht von der Arbeit. Er sagte uns wie sehr er sich freue darüber, dass in Rumänien große Fortschritte gemacht worden seien und dass die Offensive gut weitergehe. Ferner freute er sich sehr über einen Segen, den der Heilige Vater ihm geschickt hatte und erzählte uns, dass er am selben Morgen die heilige Kommunion empfangen hatte.“

- Die Erinnerungen von General Edmund Glaise-Horstenau (1882 bis 1946): „Als ich am 22. vormittags zu Schönbrunn in das Flügeladjutantenzimmer trat, fragte mit Brougier (Oberstleutnant, Anm.): ,Willst du den Kaiser noch einmal sehen?’ Ich nickte selbstverständlich. Er führte mich in das Sterbezimmer. Das berühmte Kommissbett war leer. Die Leiche des Kaisers lag, von einem Leintuch bedeckt, auf einem Tisch. Sie war für die Einbalsamierung und die Abnahme der Totenmaske bereitgelegt. Brougier entblößte den Kopf des Toten, der zwar schneeweiß war, aber wie der Kopf eines Schlafenden aussah.“

Auf der Website der Mediathek spricht Franz Joseph selbst, über die „edlen Bestrebungen“ des k. k. Militär-Witwen- und -Waisenfonds für die Hinterbliebenen seiner „braven Krieger“ – der historische Wert besteht in der schieren Existenz des Tondokuments.

Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 46/2016

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