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Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 8. November 2016

Verpflichtende Pause!

NebenWirkungen

Wie man seine Freizeit nutzen darf, liegt im Auge des Dienstgebers.

Vor gar nicht allzu langer Zeit legte man als Spitalsbediensteter zwischen Visite und Ambulanz noch rasch einen Zwischenstopp am Stützpunkt oder im Ärztedienstzimmer ein (damals noch als „Raucherkammerl“ bekannt).

Das hat sich geändert. Die nach wie vor chronisch Nikotin-affinen Personen verschwinden ins Freie, um gemeinsam mit den COPD-Patienten bei Minusgraden ein wenig frische und viel rauchgeschwängerte Luft zu inhalieren. Die anderen wandern, meist in Ermangelung einer netten Tischgesellschaft, pausenlos zum Dienst in die Ambulanz. Die fehlenden Ruhezeiten leisten jedoch auch dem Burnout einen gewissen Vorschub.

Dabei ließen sich Arbeitspausen durchaus sinnbringend nutzen. So schob Ende der 1930er-Jahre der deutsche Assistenzarzt Werner Forßmann in der Mittagspause einen Gummischlauch über seine Armvene bis in das Herz und fertigte geheim ein Röntgenbild an. Dieser spektakuläre Selbstversuch brachte ihm zwar Ärger mit seinem Vorgesetzten, später jedoch den Nobelpreis ein. Obwohl er nicht „Blowing in the wind“ singen konnte. Der Herzkatheter wurde also quasi in einer Pause erfunden.

Es gibt auch andere Dinge, die man in den Pausen machen kann. Essen. Trinken. Oder geheim seinen Hintern kopieren. Das war einmal in, wurde jedoch aufgrund der vielen ruinierten Kopiergeräte in den meisten Betrieben untersagt. In einem Spital kann man seinen Hintern auch röntgenisieren. Da jedoch mittlerweile alles digitalisiert und vernetzt ist, kann es sein, dass das Bild über den elektronischen Weg als Mail beim Abteilungsvorstand landet. Hier bedarf es eines gewissen Geschickes, die Aktion als Versuch zu rechtfertigen, an den Nobelpreis zu gelangen.

Im Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz sind die Pausen geregelt. Ruhepausen stehen dem Personal zu, wenn nicht gerade ein Patient dringende medizinische Hilfe braucht, also gerade unterm Messer liegt, defibrilliert wird oder eine dritte Butter für sein Marmeladebrot möchte. Was genau in diesen Pausen gemacht werden soll, ist indes nicht überliefert. Das Hintern-Kopieren ist jedoch zumindest nicht explizit verboten. Für eine gewisse Aufregung sorgt jedoch nun die Idee, dass Ärzte in ihrer Freizeit nicht ärztlich tätig sein und einer Nebenbeschäftigung nachgehen dürfen. Schließlich sollen die Mediziner durch das neue Arbeitszeitgesetz „ausgeruht“ in den Dienst kommen, wie es heißt. Also nix mit ausgehen, lange Fernschauen oder sexuelle Tätigkeiten, die die Energie-Ressourcen für den Dienst am Krankenhausträger anzapfen könnten. Das bedeutet: In der Freizeit keine Privatpraxis, keine Bergrettung, keine Operationen am Küchentisch, keine medizinische Fachlektüre, keine Ärzteserien im Fernsehen und sicherlich keine Angiografien durch den eigenen Körper.

Womit wohl auch in Zukunft die Nobelpreise an die Bänkelsänger gehen werden.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

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