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Uwe Mauchs jüngster Streich: Sozialreportagen über Armut in der lebenswertesten Stadt der Welt
 
Leben 30. September 2016

Die kleinen Leute von der Straße

Eine Zahl wie eine feste Ohrfeige: 184.000 Wiener sind „manifest“ arm. Bedeutet: Es fehlt ihnen an Geld und Know-how für ein halbwegs selbstbestimmtes Leben.

Der Kurier-Journalist und Autor Uwe Mauch ist den Schicksalen hinter der großen Zahl nachgegangen und fand u. a. folgendes heraus: „Armut versteckt sich in Wien sehr geschickt, auch dort, wo man sie nicht vermutet. Vor allem hinter den Verkleidungen von Menschen, die sich für ihren sozialen Status schämen.“

Menschen wie der Augustin-Verkäufer „Hömal“ – für Nicht-Wiener: der Augustin ist eine Straßenzeitung, die seit 1995 Obdachlosen, Langzeitarbeitslosen und Asylwerbern eine Beschäftigung sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten bietet. Hömal muss sich entscheiden. Leistet er sich den Selbstbehalt für den Stiftzahn oder zahlt er die Miete für die kleine Bude. Mauch: Im Zweifel müsse er sich gegen seine Gesundheit entscheiden, denn was helfen ihm die schönsten Beißer, wenn er dann wieder zurück auf die Straße müsse.

13 Sozialreportagen hat der Autor zusammengetragen. Er geht dorthin, wo schon das Zuschauen mitunter weh tut. Wie zum Beispiel in der Armenambulanz von AmberMed in Wien 23. Tausende Wienerinnen und Wiener sind nicht krankenversichert. Hier begegnen Ordinationsassistentin Eva Krömer und der pensionierte Internist Dr. Michael Nebehay ihren kraftlosen Patienten auf Augenhöhe, was im Fall Nebehays auch bedeutet, dass er den weißen Mantel ablegt.

Dr. Nebehay hilft dem 56-jährigen Herrn Gugiev aus Tschetschenien. „Ich krank, ich Grippe. Brauchen bitte Medikament.“ Der Blutdruck von Herrn Gugiev ist besorgniserregend hoch. Das kann viele Gründe haben: der Untersuchungs-Stress, der tägliche Kampf ums Überleben, die schlechte Ernährung. Mauch nimmt den Leser mit in die Welt des kleinen Mannes von der Straße. „Gegraust hat mir eigentlich nur vor jenen, die die Armut in dieser Stadt permanent ignorieren, und vor jenen, die überzeugt sind, dass sie auf Menschen unterhalb der Armutsgrenze runtertreten dürfen.“

Uwe Mauch

Die Armen von Wien. 13 Sozialreportagen

ÖGB Verlag 2016, 184 S., Softcover 19,90 Euro

ISBN 978-3-99046-158-7

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