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©  Erwin Scheriau / picture alliance
Die Kandidaten Hofer (links) und Van der Bellen mit vielsagender Mimik. Man traf einander während einer Flugshow in der Steiermark.
 
Leben 19. September 2016

Non-verbal ist nicht egal

Der erste Eindruck ist, der Laie ahnt es, entscheidend. Welche Rolle Stimme und Körperhaltung spielen, hat ein Team Anthropologen erkundet.

Die Bewegungsmuster und Stimme von Politikern beeinflussen die Beurteilung ihrer Persönlichkeit. So vermitteln ausladende Heb- und Senkbewegungen der Arme innerhalb von Sekunden einen Eindruck von Dominanz. Dies konnte durch eine Studie mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF nachgewiesen werden.

Politiker buhlen um die Gunst der Wählerschaft. Dabei kommunizieren sie auch über nichtsprachliche Signale: „Man darf die Rolle der nonverbalen Kommunikation nicht unterschätzen. Menschen beurteilen andere nach ihrem Aussehen, danach, wie sie sprechen und sich bewegen und anderen Äußerlichkeiten“, erläutert der Anthropologe Dr. Markus Koppensteiner Wie verschiedene Kommunikationskanäle in der Praxis die Beurteilung von Politikern beeinflussen, hat er im Rahmen eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF untersucht.

Für das Projekt entwickelte das Team um Koppensteiner ein aufwendiges Studiendesign. Die Probandinnen und Probanden wurden mit 16-sekündigen Clips von Politikerreden aus dem deutschen Bundestag konfrontiert. So sollte sichergestellt werden, dass die Politikerpersönlichkeiten den Versuchspersonen nicht bekannt waren und Vorurteile und Parteizuschreibungen sollten als störende Einflüsse ausgeschaltet werden. Der ersten und zweiten Gruppe wurde entweder das Originalvideo oder nur ein Standbild der Rede gezeigt. Gruppe drei und vier hörten entweder nur die Tonspur oder den Inhalt der Rede, durch eine monotone Computerstimme vorgetragen. Der fünften Gruppe wurden speziell für die Studie entwickelte, animierte Strichfiguren gezeigt, die die Bewegungsabläufe abstrahiert darstellten.

Das Hauptaugenmerk galt der Rolle von Körperbewegungen bei der Zuschreibung von Persönlichkeitsmerkmalen. Dabei zeigte sich, dass diese insbesondere bei der Wahrnehmung von Extraversion eine große Rolle spielen. Das Forscherteam war überrascht, wie sehr sich die Versuchspersonen von einfachen Bewegungsmustern in ihren Einschätzungen leiten ließen. „Viele und ausladende Bewegungen mit wenig Variation in der Höhe der Amplitude werden als eher extravertiert eingeschätzt“, erklärt Koppensteiner. „Besonders vertikale Bewegungen, also beispielsweise das Heben und Senken der Arme, werden als dominant eingestuft. Dabei reichen wenige ausladende Hoch- und Tiefbewegungen mit den Armen, um dominant zu erscheinen.“

Die wichtige Rolle einfacher Bewegungsmuster für den Ersteindruck könnte evolutionär bedingt sein: „Dominanz ist ein wichtiges Merkmal für die Anbahnung oder Vermeidung einer Interaktion und sollte deshalb leicht erkennbar sein“, so Koppensteiner. Dominantes Auftreten habe, ist der Forscher überzeugt, immer auch eine aggressive Komponente: „Unsere Ergebnisse zeigten, dass die Bewegungsmuster, die positiv mit Dominanz korrelierten, einen negativen Bezug zur Wahrnehmung von Freundlichkeit und Vertrauenswürdigkeit hatten. Man kann wohl nicht dominant und gleichzeitig freundlich und vertrauenswürdig wirken“, erläutert Koppensteiner.

Gemeinsames Signal

Jedoch beeinflussten, wie die Studie zeigte, nicht die Bewegungen allein die Eindrucksbildung: „Die Stimme, also Tonfall, Intonation und Stimmhöhe, hatte einen starken Einfluss. Bei Extrovertiertheit, Freundlichkeit und Gelassenheit zeigte sich zudem eine Kopplung von Stimme und Gestik als gemeinsam wahrgenommenes Signal“, sagt Koppensteiner.


Martin Křenek-Burger

, Ärzte Woche 38/2016

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