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Eines der von Johann Kargl erbauten Wohnhäuser im klassischen Stil in Langenlois.
© (2) Kargl Familienarchiv

Mit Langenlois eng verbunden: Galerist Georg Kargl, Initiator der Ausstellung und Urenkel von Johann Kargl.

© (3) Thomas Kahler

Entwurfszeichnungen für die Schulen in Lengenfeld, Baumgarten und Etsdorf, die auch als Musterblätter gedacht waren.

Mit dem Namen „Kargl“ gemarkter Ziegel aus der eigenen Ziegelei in Haindorf bei Langenlois.

Fotografische Erfassung der Gebäude Johann Kargls in Langenlois zur aktuellen Bestandsdokumentation der noch vorhandenen Gebäude.

 
Leben 20. Juli 2016

Baumeister mit Leidenschaft

In Langenlois hat der von dort stammende Wiener Galerist Georg Kargl mit einer eindrucksvollen Ausstellung dem Schaffen seines Urgroßvaters Johann Kargl ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt.

Regionalgeschichte einmal anders: Wie Österreichs größte Weinstadt Langenlois, einst ein idyllischer Marktflecken, vor mehr als 100 Jahren durch das Wirken eines Mannes eine tiefgreifende architektonische Bereicherung erfuhr.

Österreich ist mit baukulturellen Schätzen aus mehreren Jahrhunderten reich gesegnet, zudem kann das Bundesland Niederösterreich auf eine bemerkenswerte Bautradition zurückblicken. Selten hingegen ist der Fall, dass eben dort an der Wende zum 20. Jahrhundert mit großem Elan in einem Ort wie Langenlois auf die Initiative eines einzigen Mannes hin ein gesamtplanerisch weitsichtiges Konzept verwirklicht wurde. So blieb, was der gelernte Maurermeister und spätere Bauunternehmer Johann Kargl schuf, bis heute auf seine Art und Weise einmalig und ohne nennenswerte Nachfolge. Zunächst hatte er das Maurerhandwerk in seinem Heimatort Schiltern erlernt – ein Handwerksberuf, den schon sein Vater ausgeübt hatte. Erste Aufträge für Umbauten von Einfamilienhäusern des 1865 Geborenen sind aus dem unweit von Langenlois gelegenen Schiltern belegt.

Mit Fleiß und Engagement

Der Weg von Schiltern nach Langenlois ist zwar nicht weit, dennoch bedeutete dies für den noch jungen Unternehmer einen wesentlichen Schritt in seine berufliche Zukunft. Langenlois besaß seit 1310 zusammen mit den drei weiteren landesfürstlichen Märkten Gumpoldskirchen, Mödling und Perchtoldsdorf das Marktrecht und war zur Zeit Johann Kargls überwiegend ländlich geprägt. Einige stattliche Renaissancehöfe und Patrizierhäuser mit in aufwendiger und kostbarer Sgrafittotechnik gestalteten, prunkvollen Fassaden, die allerdings erst in den 1960er Jahren wiederentdeckt und freigelegt wurden, zeugen von Wohlstand.

Als Markt- und Weinbauort mit langer Tradition besaßen die Langenloiser ein entsprechend hohes Selbstbewusstsein. In dieses derart geprägte Umfeld kam also Johann Kargl mit gerade 28 Jahren und einer noch schmalen Liste an ausgeführten Bauten. Das sollte sich rasch ändern, denn Kargl hatte die nötige Energie und den Willen, der wahren und vor allem verantwortungsvollen Unternehmergeist ausmacht: „Sein Besitz waren zwei fleißige Hände, eine zähe Ausdauer, Genügsamkeit und grenzenloses Gottvertrauen“. Das war später in seinem Nachruf zu lesen und charakterisierte die Persönlichkeit dieses zielstrebigen Bauunternehmers schon zu Lebzeiten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.

Gebaut wurde ohne Unterlass in Langenlois und den umliegenden Orten wie etwa Gars am Kamp, Straß oder auch Schönberg. Die Ausführung der Bauten war solide, Kargl beherrschte das gesamte Repertoire seiner Zeit: Vom einfachen Hauerhaus bis hin zur städtischen Bebauung in der Art der namhaften Architekten Fellner & Helmer, die speziell auch für ihre Theaterbauten im historistischen Stil in der gesamten k. u. k. Monarchie bekannt waren. Er baute Schulen, darunter 1914 die Bürgerschule Langenlois, Hotels sowie das heute noch bestehende Flussbad in Schönberg am Kamp und eine Vielzahl an Privathäusern. Stilistisch blieb er dabei einem reinen Historismus verpflichtet, ohne dass es zu einer Mischung der unterschiedlichen Epochen kam.

Von den 350 erhalten gebliebenen Entwurfszeichnungen stammen 160 aus Langenlois. Sie belegen eindrucksvoll, wie sehr Johann Kargl das Erscheinungsbild des Ortes bis zu seinem Tod 1922 geprägt hat. Dabei bewies er planerisches Geschick und Weitblick. So vereinte er die beiden, ursprünglich getrennt bestehenden, Ortsteile durch die Errichtung ganzer Straßenzüge miteinander zu stilistischer Geschlossenheit. Ein Großteil der Bauten – manche durch Umbau zwar stark verändert – besteht noch heute. Bislang wurden von Georg Kargl, dem Initiator dieser Ausstellung und Ur-Enkel von Johann Kargl, 220 Gebäude fotografisch erfasst.

Auf dem Höhepunkt

Um 1910 stand Johann Kargl auf dem Zenit seiner beruflichen Laufbahn und erweiterte Zug um Zug sein Tätigkeitsfeld. Er besaß in Haindorf bei Langenlois einen Ringofen zur Ziegelherstellung, dessen Ziegel deutlich mit „Kargl“ gemarkt wurden, hinzu kam in Tradigist ein eigenes Zementwerk. 1911 war er nach einer Brandkatastrophe in Langenlois federführend am Wiederaufbau des Ortes beteiligt. In der Hochzeit des Unternehmens beschäftigte er 500 Arbeiter, was in einer von Weinbau und Landwirtschaft geprägten Region eine beachtliche Größe bedeutete. „Er hat sehr gut verdient, hat aber der Gemeinschaft auch viel zurückgegeben. Insgesamt 113 Firmpatenschaften hat er übernommen, was in der Regel einen Anzug und eine goldene Uhr als Geschenk für den Firmling bedeutete“, so Georg Kargl über die ausgeprägte soziale Ader seines Urgroßvaters. Gerade heutzutage ist dies ein Lehrstück par excellence für ein Unternehmertum mit sozialer Verantwortung.

Während des Ersten Weltkrieges stellte er eines der von ihm erbauten Gebäude in Langenlois als Rekonvaleszenten-Lazarett für verwundete Soldaten zur Verfügung. Johann Kargl, der auf einem ausgestellten fotografischen Porträt als stattliche Persönlichkeit erscheint, hat sich bei all dem nicht geschont. „In der Früh hin und am Abend schon fertig“ lautete ein geflügeltes Wort über das rasante Tempo der Bautätigkeit, mit der Johann Kargl seine Bauprojekte verwirklichte. In 30 Jahren wurden 800 Projekte realisiert und der Grundstein für das Bauunternehmen gelegt, das bis in die 1960er Jahre florierte und 1975 geschlossen werden musste. Der bereits 1922 mit nur 58 Jahren an den Folgen seiner Diabeteserkrankung verstorbene Gründer Johann Kargl hat dennoch ein reiches, bauliches Erbe hinterlassen, welches das Erscheinungsbild von Langenlois bis heute prägt und vermutlich mit dazu beitrug, dass dem Markt 1925 das Stadtrecht verliehen wurde.

Johann Kargl – Der große Baumeister

Sonderausstellung in Langenlois, Kamptalstraße 29

Bis 21. August 2016

Öffnungszeiten:

Mittwoch, Donnerstag: 16 bis 18 Uhr

Freitag: 15 bis 18 Uhr

Samstag, Sonntag: 13 bis 18 Uhr

Thomas Kahler, Ärzte Woche 28/2016

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