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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 20. Juni 2016

Schon gepackt?

Gerade als Arzt sollte man rechtzeitig seinen Urlaub planen.

Gehören Sie auch zu jenen Vorsorgemedizinern, die für ihre eigene sommerliche Urlaubsreise bereits im Januar akribisch planen, im Februar buchen, im März die Koffer packen, im April die Sonnencreme auftragen, im Mai zu Hause alle Lichter abdrehen und sich im Juni bereits zum Gate begeben? Oder sind Sie ein Draufgänger, planen nicht, reisen ohne Gepäck und gehen aus Prinzip erst dann zum Gate, wenn der Flieger bereits abgehoben hat, da sonst die Spontanität wegfällt? Für alle, die sich lieber vorbereiten und bezüglich ihrer Reise auf der sicheren Seite sein wollen, gibt es an dieser Stelle einige Hinweise zur perfekten Planung eines Urlaubes für einen perfekten Mediziner. Denn was bringt es selbst dem angesehensten Arzt, wenn auf einer Ferieninsel die nötigen Utensilien für Diagnosen und Therapien fehlen?

Neben den üblichen Dingen, die auch ein normalsterblicher medizinischer Laie vorab besorgen sollte, also Verbands-, Impf- und Lesestoff, Mittel gegen Reise- und Animationsübelkeit, sowie Chlortabletten für die Trinkwasseraufbereitung und den versifften Süßwasserpool des Hotels, sollte man als medizinischer Profi natürlich auch ein Equipment mitführen, die man nur als Arzt zu verwenden weiß, also Intubationsbesteck, Skalpell oder eine Hummergabel. Ein Sortiment an peripheren Venenverweilkathetern versteht sich von selbst, und damit das auch Sinn macht natürlich auch eine Infusionsflasche mit Ringerlösung (nicht über 100ml, da Sie diese sonst beim Sicherheitscheck am Flughafen austrinken müssen). Ein MRT geht ebenfalls nur bedingt als Handgepäck durch, sodass Sie die 5,8 Tonnen schwere Röhre zuvor am Gepäckschalter aufgeben müssen. Ein Defi schadet nie, zur Not können Sie damit auch den Griller anheizen oder den Jetski starten. Abteilungsvorstände, die ohne ihre Ober- und Unterärzte diagnostisch kaum lebensfähig wären, sollten immer auch einen Satz Kollegen im Gepäck mitführen, um bei der, von vielen so gefürchteten Durchsage „ist ein Arzt an Bord?“ nicht ganz blöd dazustehen.

Für die Backpacker-Ärzte genügt indes eine gute alte Mehrwegspritze, ein wenig Bindfaden für Geburten oder abgetrennte Gliedmaßen, einen Holzblock zum Draufbeißen als Narkose-Substitut, sowie ein Stückchen schimmeliges Brot zur Breitbandantibiose.

Vergessen Sie vor der Abreise auch nicht die Ordinationstüre abzusperren und den Zettel „bin auf Urlaub“ mit dem Verweis auf die Praxisvertretung so anzubringen, dass er sich beim ersten Windstoß verabschiedet. Die Patienten sollen ruhig ein wenig im Ungewissen bleiben, aus rein erziehungstechnischen Maßnahmen. Wenn Sie wieder zurück sind, bringen Sie den weggewehten Zettel wieder an das Ordinationsschild an, damit Sie es in den ersten Tagen nach dem Urlaub etwas stressfreier haben, und lassen Sie die Patienten nach Hause gehen, die Sie vor Ihrer Abreise unabsichtlich in der Ordination eingesperrt haben.

Der Sommer kann also endlich kommen!

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