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Leben 20. Juni 2016

Detox-Party: Neuer Großstadttrend

Alkoholfreie Club-Abende kommen zunehmend in Mode und entsprechen dem gesellschaftlichen Bedürfnis, gesünder zu leben.

Detox-Night heißt Feiern ohne Alkohol. Unter den Partygästen sind vor allem Frauen und durchtrainierte Sportler. Die Gesprächsthemen? Ernährung, Gesundheit und Süßigkeiten-Rückfälle.

Die Tanzfläche ist voll und alle Partygäste sind nüchtern. Der Barkeeper mixt Reismilch-Säfte mit Brokkoli und Bananen. Bier sowie jeglicher Alkohol sind verboten. Nicht einmal Cola steht auf der Getränkekarte. „Detox-Night“ heißt der neue Party-Trend in Köln. Und eines ist sicher: Nach diesem Abend ist niemandem schlecht – es sei denn, er verträgt Gemüse nicht.

„Habe ich da was hängen?“, fragt die 24-jährige Denise ihre Freundin und bleckt die Zähne. Einen grünen, körnigen Smoothie hatte die Studentin schon, jetzt steht sie in der Schlange für einen zweiten Drink an. „Ich versuche, mich überwiegend gesund zu ernähren. Warum dann nicht auch einmal alkoholfrei feiern gehen?“, sagt sie begeistert. Ähnlich sehen es viele der rund 300 Gäste. „Hier kommt man gar nicht erst in Versuchung“, meint Sascha. „,Einer geht noch‘, sagen meine Jungs oft – und am nächsten Morgen hat man dann einen Kater.“ Laura, die mit ihrer Workout-Sportgruppe gekommen ist, berichtet: „Man muss sich nicht schämen, wenn man eine Limo in der Hand hat.“ Und der Club-Besitzer, Stefan Bohne, sieht einen anderen Vorteil: „Es gibt keine Probleme mit betrunkenen, aggressiven Gästen.“

Seit Jahren gibt es Kuren, die eine Körperreinigung versprechen. Der passende Party-Trend dazu kommt angeblich aus den USA. „Auch in Skandinavien sind alkoholfreie Club-Abende in Mode“, sagt Jonas Höhn. Der 26 Jahre alte Medienmanager organisiert die Kölner „Entgiftungsparty“ gemeinsam mit seinem Studienfreund Martin Bressem. Beide verzichten konsequent und dauerhaft auf Alkohol. „Dafür muss man sich ja nicht gleich entscheiden. Aber unsere Party ist ein Angebot, einfach mal einen Abend den Alkohol wegzulassen“, erklärt Bressem.

Statt Night- eine Morning-Party

In Berlin gibt es ähnliche Trends schon längst. „Morning Gloryville“ nennen sich alkoholfreie Partys, die allerdings im Morgengrauen starten. Statt Kaffee gibt es Smoothies zum Wachwerden, statt des Joggens vor der Arbeit tanzt man sich in den Tag. Gesunde Ernährung und Sport – diese Themen stehen auch bei der Kölner Party im Vordergrund. „Isst du noch Brot? Nutella?“, fragt Marcus, ein Mittvierziger, einen anderen Gast. „Nee, aber ich hatte letzte Woche einen Toffifee-Rückfall“, gesteht der. Bei beiden Asketen zeichnet sich ein Sixpack unter den eng anliegenden T-Shirts ab.

„Detox-Partys entsprechen dem gesamtgesellschaftlichen Bedürfnis, gesünder zu leben“, meint der Hamburger Freizeitforscher Ulrich Reinhardt vom Institut für Zukunftsfragen. „Zudem trifft man auf Gleichgesinnte.“ Dass die Besucher ohne Alkohol schlechter miteinander ins Gespräch kommen, glaubt der Psychologe nicht. „Man findet sofort ein Gesprächsthema. Allerdings fällt es einigen sicher schwerer, das andere Geschlecht anzusprechen!“ Diese Einschätzung können aber längst nicht alle Besucher teilen.

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