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Irving Berlin – Urheber einer Vielzahl von Jazzstandards und Melodien, die zum amerikanischen Allegemeingut geworden sind.
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All that Jazz - reiche Schaffensmöglichkeiten für jüdische Emigranten im 20. Jahrhundert.

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Eine neue seelenvolle Stimme im 21. Jahrhundert mit tragischem Ende: „Queen of Soul“ Amy Winehouse.

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Barbra Streisand: nicht nur als Sängerin auf der Musical und Konzertbühne ein weltbekannter Star.

 
Leben 20. Juni 2016

Schöne Töne

Die Ausstellung „Stars of David“ im Jüdischen Museum in Wien beschäftigt sich mit international erfolgreichen Musikern und Komponisten mit jüdischen Wurzeln.

Zahlreiche Erinnerungsstücke – von der Gitarre bis hin zu Goldenen Schallplatten – prägen neben vielen eindrucksvollen Hörbeispielen diese Ausstellung, die eine beträchtliche musikalische Vielfalt zu bieten hat.

Es gibt viel zu hören in dieser Ausstellung, die einer Vielzahl an Musikern und Komponisten aus den unterschiedlichen Genres sowie vereinzelt auch Musikmanagern wie etwa Brian Epstein gewidmet ist. Letzterer hatte wesentlichen Anteil am weltweiten Erfolg der Beatles. Dennoch gibt es – das lässt sich in dieser Ausstellung an vielen Beispielen hörbar erleben – nicht nur eine spezielle Ausprägung jüdisch-musikalischer Tradition sondern eine enorme Vielseitigkeit. Im säkular-jüdischen Bürgertum wurde generell auf das Thema Ausbildung höchster Wert gelegt. Dabei wurde auch das Musische sehr gefördert. Und eben dies ist mit ein Grund, warum es eine Vielzahl sehr erfolg- und einflussreicher Musiker mit jüdischen Wurzeln gibt. Im 19. Jahrhundert ist etwa der früh verstorbene Felix Mendelssohn-Bartholdy zu nennen, für die Moderne des beginnenden 20. Jahrhunderts waren Arnold Schönberg, Gustav Mahler und auch Kurt Weill von wesentlicher Bedeutung, später beispielsweise Leonhard Bernstein.

Auswanderung und erzwungene Emigration

Die großen Auswanderungswellen während des 19. Jahrhunderts, vornehmlich aus Polen und Russland, aber auch aus Deutschland, in die USA erklären zudem, warum sich aus diesem besonderen kulturellen Verständnis heraus Interpreten, Komponisten und Arrangeure von Weltgeltung entwickeln konnten. Jüdischer Glaube und Kultur kamen über die Emigration in die Neue Welt. Die jüdische Folklore war einerseits speziell geprägt von der Lebenskultur der ostjüdischen Schtetl.

Ein anderer wesentlicher Aspekt war der verstärkte Zuzug in europäische Metropolen, die an der Wende zum 20. Jahrhundert für Musiker, Komponisten und Arrangeure Arbeits- und Entfaltungsmöglichkeiten boten. In den zahlreichen Tanzcafés, Klubs sowie namhaften Varietés und Revuen in Paris, Berlin und Wien gab es genügend Gelegenheiten, um als Berufsmusiker seinen Unterhalt zu verdienen. Hinzu kamen Filmproduktionen, für die Musik geschrieben und aufgeführt werden musste. Einige namhafte Gruppen und Orchester wie etwa die Weintraub Syncopators aus Berlin und die Comedian Hamonists, die bis Ende der 1930er Jahre auch international für Furore sorgten, werden in dieser Ausstellung nur gestreift oder gar übergangen. Dazu zählt etwa auch Hermann Leopoldi, der mit seinen Kompositionen und seinem Vortrag nicht nur Wiener Musikgeschichte geschrieben hat. Das ist ein Manko, denn gerade jene haben unvergessliche Kompositionen und Arrangements hinterlassen. Auch Georg Kreisler fehlt, sowie Tom Lehrer, ein Nachkomme russisch-jüdischer Auswanderer. Das musikalische Schaffen beider war von tiefsinnig-bissigem Humor und Sarkasmus geprägt und hat nichts an Aktualität eingebüßt.

Nach der Vertreibung und erzwungenen Emigration mussten sich zahlreiche Musiker durch die veränderten Lebensumstände neu orientieren. Nicht allen gelang es im amerikanischen „Show-Biz“ Fuß zu fassen; manche Karriere fand damit ihr abruptes Ende.

Musikalische Vielfalt

Musik mit jüdischen Wurzeln hat viele Gesichter und unterschiedlichste Ausdruckformen. Mitunter werden auch Lebensumstände thematisiert wie etwa die Geschichte eines jüdischen Mädchens im Musical „Yentl“, mit Barbra Streisand in der gleichnamigen Hauptrolle, oder das Aufeinandertreffen rivalisierender Jugendgangs aus unterschiedlichen Volksgruppen in Leonard Bersteins „Westside Story“.

Klezmer, mit der Klarinette als prägendem Instrument, erinnert an eine vergangene Welt, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Untergang des russischen Zarenreiches und dem Ende der Habsburger Monarchie im Verschwinden begriffen war. Das Klezmer-Revival in den 1970er Jahren in den USA geht auf diese, aus dem aschkenasischen Judentum stammende, Musiktradition zurück und besitzt mit dem Klarinettisten Giora Feidman einen weltberühmten Repräsentanten.

Den Themen Musical und Jazz sind zwei andere Schwerpunkte gewidmet. Dort und im Bereich der Filmmusik haben manche jüdische Emigranten dann doch zu neuen Schaffensmöglichkeiten gefunden. Viele dieser Neuanfänge fanden in New York statt, aber auch Hollywood spielte dabei immer eine besondere Rolle. New York blieb mit seiner Vielzahl ethnischer Gruppen über Jahrzehnte hinweg eine stark europäisch geprägte Metropole. Der Broadway bot für glanzvolle Musicals den bestmöglichen Ort, der Madison Square Garden die Bühne für den großen Auftritt. Wer es schaffen wollte, musste wohl oder übel nach New York. Das hatte auch Bob Dylan frühzeitig begriffen. Andere, wie Sammy Davis Jr., schrieben in Las Vegas mit ihren Shows Musikgeschichte.

Die zeitlosen Arrangements eines Burt Bacharach prägten in den 1960er Jahren eine ganze Reihe von Easy Listening Klassikern, Herb Alpert schuf mit seiner Tijuana Brass ebenfalls ein neues Genre. Aber auch Singer/Songwriter wie Simon and Garfunkel, Mort Shuman, Leonhard Cohen und nicht zuletzt Bob Dylan sowie Amy Winehouse oder auch Serge Gainsbourg kommen aus dieser jüdisch-musischen Tradition, auf die sie sich fallweise immer wieder beziehen. Auch Lou Reed, die Beasty Boys als New Yorker Rap-Größen, sowie Daliah Lavi als Interpretin von Weltrang mit ihrer beeindruckenden Stimme, oder das Duo Esther und Abi Ofarim sind würdig vertreten. Mit Arik und Timna Brauer sowie Shantel und Geduldig und Thimann schließt sich der Kreis internationaler Musiker mit jüdischen Wurzeln in dieser Ausstellung, die manch musikalische Entdeckung auf jeden Fall ermöglicht.

Stars of David. Der Sound des 20. Jahrhunderts. Jüdisches Museum Wien bis 2. Oktober 2016
www.jmw.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 25/2016

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