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Leben 17. August 2016

Schusswechsel im Spielzeug-Katalog

Mit den neuen LEGO-Bausteinen entdecken Kinder ihre aggressive Seite – in spielerischen Konfliktsituationen.

Anzahl der Waffenbausteine und Gewaltdarstellungen haben sich in den vergangenen Jahren erheblich erhöht. Einer neuseeländischen Studie zufolge sind LEGO-Produkte keinesfalls nur harmloses Spielzeug.

Wie Wissenschaftler der University of Canterbury in Neuseeland in ihrer Studie herausgefunden haben, sind LEGO-Spielzeuge in den vergangenen Jahren immer gewalttätiger geworden (Bartneck C. et al. PLOS ONE 2016; http://bit.ly/1PO0aaI)sind. Die Arbeit zeigt, dass der behauptete Grundsatz des Unternehmens, mit seinen Spielzeugen Gewalt als primären Spielanreiz zu verhindern, der Realität nicht entspricht. Stattdessen sind die neuen Produkte darauf ausgerichtet, in spielerischen Konfliktsituationen das imaginär Böse mit Aggression zu bekämpfen.

Das interdisziplinäre Forscherteam des University of Canterbury’s Human Interface Technology Laboratory New Zealand (HIT Lab NZ) hat sich intensiv mit dem Umgang von Menschen mit Technologien und Medien auseinandergesetzt. Um das Gewaltpotenzial in Medien zu beurteilen, entwickelten die Forscher ein Messinstrument, welches den Gewaltanteil in Bildern und anderen Medien auswerten kann.

Heutzutage ist die Darstellung von Gewalt nicht nur im Fernsehen oder in Videospielen, sondern auch in Kinderspielzeug allgegenwärtig. Dr. Christoph Bartneck, Professor am HIT Lab NZ und Hauptautor der Forschungsarbeit, betont, dass Kinder immer noch viel mit greifbaren Spielzeugen wie Puppen, Autos und auch LEGO-Steinen spielen, obwohl Fernsehen und Videospiele mittlerweile eine wichtige Rolle im Leben von Kindern einnehmen.

LEGO bot sich besonders gut als Forschungsgrundlage an, da sich die Grundidee des Produkts im Laufe der Jahrzehnte nicht verändert hat und dadurch ermöglicht wird, Entwicklungen bezüglich der Darstellung von Gewalt über einen längeren Zeitraum zu untersuchen. Die Forscher fanden heraus, dass sich die Anzahl von Waffenbausteinen des LEGO-Spielzeugsortiments um fast 30 Prozent erhöht hat, und jedes Set enthält nun mindestens einen Waffenbaustein. Des Weiteren hat sich auch die Abbildung von Gewalttätigkeiten in den LEGO-Katalogen jährlich um 19 Prozent erhöht, so dass fast 40 Prozent der Seiten heute etwa Szenen von Schusswechseln oder anderen Gewalttaten darstellen.

Demzufolge scheinen die LEGO- Produkte nicht mehr so unschuldig zu sein, wie sie einst wahrgenom-men wurden, sagt Bartneck. Das Unternehmen LEGO bekräftigt regelmäßig, dass Gewaltszenen im LEGO- Universum normalerweise in einem humorvollen Kontext dargestellt werden. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass in den Szenen keine humorvolle Atmosphäre vorherrscht. Materialzerstörung ist die übliche Konsequenz der Kampfszenen, gefolgt von leichten Verletzungen.

Quelle: Institut Ranke-Heinemann

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