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© Andreas Hub / laif
 
Leben 6. Juni 2016

Dichtung und Sprachenliebe

Friedrich Rückert – Brückenbauer zwischen Ost und West

Liebhabern klassischer Musik ist Friedrich Rückert wahrscheinlich als Textschöpfer der von Gustav Mahler vertonten „Kindertotenlieder“ und der „Rückert-Lieder“ bekannt. Aber Friedrich Rückert war auch ein Sprachenmaniker und nicht zuletzt Orientalist, der die arabische und persische Dichtkunst in seine eigenen Gedichte einfließen ließ und damit einen virtuosen Bogen zwischen Ost und West schlägt.

In Schweinfurt 1788 geboren, starb er nach lehrenden Stationen in Erlangen und Berlin, vor 150 Jahren in Coburg. Heuer ist also ein Rückert-Jahr und Rückert ist als Brückenbauer zwischen christlicher und islamischer Welt heute aktueller denn je. In seiner Heimatstadt Schweinfurt würdigt man ihn naturgemäß ausführlicher – und auf sehr reizvolle Weise: Der Weltpoet Friedrich Rückert wird in der Kunsthalle Schweinfurt gezeigt, im Museum Georg Schäfer gibt es eine Bildauswahl zu Rückert-assoziierten Themen zu sehen und im Museum Otto Schäfer nähern sich Künstler von einst und jetzt radierend dem großen Poeten.

Von Schweinfurt über die Haßberge nach Coburg

Sehr reizvoll ist auch der Friedrich Rückert-Wanderweg, der von Schweinfurt über die Haßberge nach Coburg führt. Durchaus auch eine sportliche Herausforderung, führt der Weg doch in liebevoller, meist auch idyllischer Führung über insgesamt 143 Kilometer, auf Forststraßen, mit Aussichtstürmen, Schlössern, entlang von Bächen und Flüssen und auch mit zwei steileren Anstiegen. Zeit und Kondition sind erforderlich.

Es heißt, Friedrich Rückert habe 44 Sprachen fließend gelesen, geschrieben und gelehrt, darunter Altäthiopisch, Berberisch, Russisch, Sanskrit und Türkisch – und natürlich Arabisch mit einigen Dialekten und Farsi, also Persisch. Er war ein Schüler des österreichischen Doyens der Orientalistik, Josef von Hammer-Purgstall, und ein Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Dichtung in der Übergangszeit zwischen Aufklärung, Klassik und Romantik. An den Sprachen interessierten ihn die Gemeinsamkeiten, die Einflüsse aufeinander, die Abweichungen und unterschiedlichen Entwicklungen und er freute sich an der Formbarkeit und dem Schöpferischen, denn die Poesie betrachtete er als die Ursprache des Menschen. Er wäre es wert, neu entdeckt zu werden.

www.schweinfurt.de

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