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Ernst Deutsch-Dryden, Skizze eines Abendkleides, Hollywood,um 1936, Zeichnung.

Ennemond Alexandre Petitot,Bergere à la Grecque – Schäferinim griechischen Stil, Parma, 1771

© (5) MAK

Dagobert Peche, Die Moden der Wiener Werkstätte, Wien, um 1920. Lithografie

Bertold Löffler, Bildnis einer Dame, Teil der Ausstattung für das Café Schwarzenberg, Wien, 1913.

Eduard Josef Wimmer-Wisgrill, Mode Wien 1914/15, Linolschnitt

 
Leben 27. Juli 2016

Der letzte Schrei

Mode als Zeiterscheinung polarisiert und wandelt sich oftmals sehr rasch. Das belegt auch die Vielfalt der grafischen Blätter, die das MAK in Wien in seiner aktuellen Ausstellung zeigt.

Wer mit der Mode geht, gilt als chic, wer sich ihr verweigert, als unmodisch und antiquiert. Die Ausstellung „Mode-Utopien. Haute Couture in der Grafik“ im Wiener MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst stellt den Blick auf Mode in verschiedenen Epochen vor.

Modische Kleidung und Accessoires spiegeln seit jeher herrschende gesellschaftliche Verhältnisse wider. Der Adel und höher gestellte Gesellschaftsschichten waren dafür maßgebend. Exquisite Kleidungsstücke, mit raffiniertem Schnitt und aus edlen Stoffen gefertigt, sorgten bei Hof für Gesprächsstoff. Der gesellschaftliche Stand – in vielerlei Hinsicht von höchster Bedeutung – ließ sich an der Kleidung ablesen, die Kleiderordnung selbst war sehr strikt. Oft ging die Kirche mit der weitverbreiteten „Putz- und Prunksucht“, die nicht nur die Garderobe, sondern auch die Haartracht und die Verwendung von Körper- oder Gesichtspuder betraf, hart ins Gericht. Manches davon wurde in überzeichneter Art und Weise in grafischen Blättern festgehalten. Im 17. Jahrhundert gab es auch Modetorheiten wie etwa überdimensionierte silberne Schuh-Schnallen, die einen nur allzu leicht ins Stolpern brachten.

Paris und die Haute Couture

Während der Renaissance bestimmten neuartige Stoffe und Materialien die Mode, wie in Grafiken der Kupferstecher Heinrich Aldegrever, Jost Amman und Jacques Callot zu sehen ist. Höfischen Prunk zeigt auch ein Holzschnitt von Heinrich Wirri, der anlässlich der Hochzeit Karls II., Erzherzog von Österreich, mit Prinzessin Maria Anna von Bayern entstand. Auch Extravaganz gab es in vielfältiger Ausführung: Die 1771 entstandene Kupferstichserie „Mascarade à la Grecque“ des französischen Architekten und Dekorateurs Ennemond Alexandre Petitot ist von Exzentrik und reichem Dekor geprägt. Bei Hofe tauschte man auch gerne kostümiert die Rollen, um etwa als Schäferin oder Hirtin ländliche Einfachheit zu kopieren.

Die französische Revolution befreite die Frauen der feinen Gesellschaft zunächst von pompösen Kleidern und Miedern, die klassizistischen Reformkleider ließen dem Körper mehr Freiheit. Von 1786 bis 1827 erschien das „Journal des Luxus und der Moden“, Gegenstück zur französischen „Élégance Parisienne“. Die darin gesammelten grafischen Mode- illustrationen zeigten das, was dem Geschmack der Zeit entsprach. Bereits im 18. Jahrhundert galt Paris als Zentrum der europäischen Mode und gab den jeweils führenden modischen Stil vor. Modische Kleidung erleichterte weiter die gesellschaftliche Einordnung. Mode und Eleganz befanden sich jedoch oft im Widerstreit. Auch manche Herren gaben sich nun betont modisch. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert hatten Stutzer und Dandys als Typen die gesellschaftliche Bühne betreten. Edith Sitwell erinnert in ihrem sehr lesenswerten Buch über englische Exzentriker an einige Paradebeispiele wie etwa Beau Brummel oder Robert „Romeo“ Coates, die beide durch ihre extravaganten Auftritte und einen dementsprechenden Kleidungsstil von sich reden machten. Modisch zu sein bedeutete schon immer einen persönlichen Stil zu pflegen.

An der Schwelle vom Klassizismus zum Biedermeier lösten enge, taillenbetonte und figurformende Korsetts die luftigen Chemisenkleider des Empire ab. Kreisrunde Reifröcke wurden mit zahlreichen Unterröcken getragen, auch Ärmel hatten deutlich mehr Volumen. Gemusterte Stoffe, Schleifen und Rüschen sowie Hüte mit Bändern und Blumenschmuck galten als modisch. Der Körper verschwand in der Stoff-Fülle der Krinolinen, Kaiserin Sisi machte dagegen die eng geschnürte Wespentaille salonfähig.

Legendäre Entwürfe

Erst an der Wende zum 20. Jahrhundert engte Kleidung den Körper wieder weniger ein. In der Zeit des Wiener Jugendstils gaben geometrische Stoffdesigns kombiniert mit neuen, modischen Schnitten den Ton an. Erstklassige Haute Couture Ateliers bedienten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts international eine ausgewählte und zudem zahlungskräftige Kundschaft. Die Marchesa Luisa Casati galt hier mit ihrem mondänen und kostspieligen Lebensstil für Jahrzehnte als stilprägend und zudem als erste Mode-Ikone überhaupt. In den Ateliers von Paul Poiret, Jean Patou, Elsa Schiaparelli oder auch Balenciaga entstanden zunächst atemberaubende Entwurfsskizzen. Coco Chanel, die Erfinderin des „Kleinen Schwarzen“, und Christian Dior schrieben mit ihren unvergesslichen Entwürfen Modegeschichte.

Die Silhouetten veränderten sich, die Röcke wurden in den 1920er Jahren kürzer, die „Flapper“-Girls prägten im amerikanisch-angelsächsischen Raum das Bild der jungen Frauen. Marlene Dietrich hingegen machte Mode made in Hollywood salonfähig: Der elegante Herrenanzug wurde nicht nur zu ihrem Markenzeichen. Diven wie Rita Hayworth und später Ava Gardner prägten ebenso den exklusiven Kleidungsstil und damit die Mode. Nach dem 2. Weltkrieg gab die Vogue modisch den Ton an und das tut sie bis heute: Neben Haute Couture wurde Prêt-à-porter zu einem wichtigen Begriff, aus dem die ersten Modelabels entstanden und zu eigenen Marken wurden.

Die Mode-Illustration wurde mehr und mehr durch fotografische Darstellungen abgelöst. Welcher Stellenwert der Entwurfszeichnung dennoch zukommt, kann man einer Bemerkung Karl Lagerfelds aus seiner Lehrzeit bei Balmain entnehmen, die in Paul Sahners Buch mit dem bezeichnenden Titel „Karl“ zu finden ist: (...) „ich habe so zeichnen gelernt, dass man danach die Premiere machen konnte, das heißt, gleich ein Kleid zu nähen. So kann ich auch jedes Detail so zeichnen, dass es keine Rückfragen gibt (...)“. An einer perfekten Entwurfsskizze geht demzufolge in der Mode kein Weg vorbei, was diese Ausstellung beispielhaft und in vielfältiger Art und Weise deutlich macht.

MODE-UTOPIEN

Haute Couture in der Grafik bis 4. September 2016

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst

Stubenring 5, 1010 Wien

www.mak.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 22/2016

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