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© Antun Mauch
Mag. Uwe Mauch „Kurier“-Redakteur und Buchautor
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Leben 27. Juli 2016

Auch „Radln“ ist nicht nur gesund

Ins Rollen gebracht: Auf die richtige Wahl des Sattels und die korrekte Sitzhaltung kommt es an.

Radfahren hält jung und macht fitter, es schont die Gelenke, verringert das Diabetes-Risiko, stärkt das Herz-Kreislauf-System und Teile der Muskulatur, ist außerdem ein beckenfreundlicher Sport. Aber: Der Knackpunkt ist und bleibt der Sattel.

Desgleichen geschieht: Ein 42-jähriger Mann stellte sich nach einer längeren Radtour mit juckendem Hautknoten im Bereich des Damms vor. An beiden Seiten des Damms sah man erhabene Hautveränderungen von warzenartigem Aussehen. Bioptisch ergaben sich entzündliche dermale Veränderungen, die mit einer nodulären Prurigo vergleichbar waren. Dabei handelt es sich um Hautveränderungen mit juckenden, derben Knoten ungeklärter Genese.

In der Radlergemeinde sind wunde Stellen im Dammbereich bekannt. Am ehesten helfen noch wattierte Radlerhosen, Deos gegen vermehrtes Schwitzen und sorgfältige Anogenitalhygiene. Auch ein Wechsel der Sattelform sollte erwogen werden. Denn bei Hautveränderungen allein bleibt es oft nicht. Bei Männern kann es zu Prostatabeschwerden kommen, zu Taubheitsgefühlen im Dammbereich und erektiler Dysfunktion, wie Prof. Dr. Hermann S. Füeßl in der Zeitschrift „hautnah dermatologie“ 32/2016 (DOI 10.1007/s15012-016-2030-1) erläutert.

Soll heißen: Die Sattel-Wahl ist das Um und Auf. Uwe Mauch, Kurier-Redakteur und Buchautor aus Wien, radelt regelmäßig durch Österreich, Slowenien und Kroatien, für Teilstrecken nutzt er auch die Bahn. Seine Empfehlung beruht auf jahrelanger, mitunter schmerzhafter Erfahrung: „Als bekennender Anti-Hipster gebe ich kleinlaut zu, dass ich auf einen sauteuren, formschönen, bequemen 100-Euro-Brooks-Ledersattel vertraue. Das feine Teil erfordert zunächst einmal viel Vertrauen. Denn im ersten Jahr schmerzt den Besitzer in erster Linie der Sitz. Er muss seinen Hintern permanent zusammenkneifen. Doch am Ende des ersten Jahres beginnt sich ein Wunder zu vollziehen: Der englische Sattel wird mit jedem Ausritt weicher und passt sich dem Gesäß an. Auch auf längeren Strecken ist er eine Wohltat.“

Mauchs Befund wird von Jochen Lessau, Geschäftsführer des Württembergischen Radsportverbands, bestätigt. Wer lange Strecken fahre, sollte demnach einen eher harten Sattel wählen. Bei einem weicheren kann es bei großen Distanzen zu Druckstellen kommen, weil der Allerwerteste tiefer einsinke.

Nur sollte man sich keinen Illusionen hingeben, meint der radelnde Publizist Wenzel Müller, Autor von „Umsatteln“, dem leider vergriffenen Praxishandbuch des Vereins für Konsumenteninformation. Keine der in regelmäßigen Abständen präsentierten neuen Lösungen der Fahrradindustrie, die vorgeben, mit der Pein am Schambein ein für alle Mal Schluss zu machen, konnte bislang restlos überzeugen.

Neben dem Sattel ist die richtige Sitzhaltung wichtig, schreibt das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Die Hand sollte demnach so auf dem Lenker aufliegen, dass sie mit dem Unterarm eine gerade Linie bildet. Das verhindert schmerzende Handgelenke, empfehlen Experten. Die Ellbogen sollten leicht gebeugt sein, um Stöße beim Fahren besser abfangen zu können. Beim Oberkörper sei, um Nackenproblemen vorzubeugen, eine Neigung von etwa 45 Grad optimal, wird der deutsche Sportwissenschaftler Dr. Achim Schmidt zitiert.

Zuletzt die gute Nachricht: Wer vier- bis fünfmal pro Woche eine Stunde radelt, hat für seine Gesundheit viel getan. Man müsste quasi keinen anderen Sport mehr treiben, um einen gesundheitlichen Nutzen zu haben. Verlockend, oder?

Martin Burger, Ärzte Woche 22/2016

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