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© Stadtarchäologie Wien
Schreibgriffel aus der Keltensiedlung am Rochusmarkt.
 
Leben 11. Mai 2016

Das Imperium der exotischen Dinge

Erstmals tauchten bei einer Grabung in Wien römische Artefakte in einer keltischen Siedlung auf. Stadtarchäologin: „kleine Sensation“.

Archäologen bergen seit Jahren aus dem Boden des 3. Wiener Gemeindebezirks (Landstraße) Alltagsgegenstände aus römischer Zeit. Nun legen die Forscher Funde aus dem Jahrhundert vor der Eingliederung in das Imperium vor. Sie dokumentieren eine Siedlungskontinuität von Kelten zu Römern auf Wiener Boden.

Grabungen am Rochusmarkt, die 2014 und 2015 stattfanden, lieferten den Stadtarchäologen neue Erkenntnisse. Im 1. Jahrhundert v. Chr. entstand an dieser Stelle ein keltisches Handwerksareal, wo Münzrohlinge, Schmuckperlen aus Bernstein, Bronzeobjekte und Keramik hergestellt wurden. Dass man in dieser Siedlung auch auf römische Artefakte gestoßen ist, dürfe als kleine Sensation bezeichnet werden, sagt Mag. Karin Fischer-Ausserer von der Stadtarchäologie Wien: Erstmals werde das direkte Aufeinandertreffen von Römern und Kelten im Wiener Raum konkret fassbar. „Bisher gab es nur ausschließlich keltische oder ausschließlich römische Siedlungsfunde, deren Datierung eine zeitliche Lücke von etwa 50 Jahren gezeigt hat. Hier wird dieser Zwischenraum deutlich verringert bzw. liegt der Schluss nahe, dass sich die römische Einwanderung im Bereich einer keltischen Vorgängersiedlung niedergelassen habe.“

Mehrere Schreibgriffel und eine Siegelkapsel liefern darüber hinaus den Beleg für „Briefverkehr“ nach Wien. Briefe wurden freilich keine gefunden, das wäre – wegen der schlechten Haltbarkeit von Pergament, Papyrus und Holztäfelchen – auch eine große Sensation. Fischer-Ausserer: „Der Fund von Schreibgeräten in keltischen Siedlungen kann als ein gewisser Grad der Romanisierung betrachtet werden. Schriftliche Aufzeichnungen werden hauptsächlich in Bezug auf Handelskontakte mit Rom von Bedeutung, siehe z. B. die Händler-Inschriften im Verputz von Verkaufslokalen auf dem Magdalensberg. Die auf der Grabung in der Wiener Rasumofskygasse gefundenen Schreibutensilien sind deshalb von großer archäologischer Bedeutung, da sie aus keltischen Befunden stammen, was erstmals in Wien der Fall war.“ Weitere Gegenstände aus den unterschiedlichsten Regionen Europas geben Raum für Interpretationen: Kamen solch exotische Waren durch Handel nach Wien? Oder waren kriegerische Anlässe, Versklavung oder diplomatische Beziehungen dafür verantwortlich?

Ausstellung: Als Römer auf Kelten trafen. Die Ausgrabungen am Rochusmarkt. 12. Mai 2016 bis 17. April 2017. Römermuseum. Hoher Markt 3. Wien 1, www.wien.at/archaeologie

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