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Leben 11. Mai 2016

Krieg gegen den eigenen Körper

Eselsohr

Die Deutsche Gesellschaft für Essstörungen publizierte kürzlich einen Ratgeber für Patienten und Angehörige.

Die Diagnostik und die Behandlung von Magersucht, Bulimie und Binge-Eating-Störung werden in diesem Ratgeber von der DGESS umfangreich und laienhaft präsentiert und durch Kommentare ehemaliger Betroffener aufgewertet.

Essstörungen beschränken sich nicht nur auf Berufsgruppen, bei denen das Attribut „Abgemagertsein“ im Lebenslauf stehen muss, wie etwa der Modelszene, oder auf Bürger anglikanischer Länder, die sich ohne Ende Burger in sich hinein stopfen. Hierzulande erkranken beispielsweise 4 von 1.000 – vorwiegend – Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 15 und 35 Jahren an der Magersucht.

Meist müssen, damit diese Erkrankungen ausbricht, mehrere Dinge zusammen kommen, wie beispielsweise ein Mädchen, dass mit ihrem eigenen Körper unzufrieden ist und im Hintergrund das traumatisierende Erlebnis der Trennung der Eltern verarbeiten muss. Bei dieser schwerwiegenden Erkrankung ist der gesamte Organismus betroffen – körperlich wie psychisch. Das frühzeitige Erkennen ist schwierig, da die Betroffenen anfangs meist ihre Krankheit vertuschen. Ist es einmal so weit, dass sich der Betroffene in die Krankheit hineingeritten hat, dann ist guter Rat teuer, und erste Ansprechstellen sollten aufgesucht werden.

Dieser Patientenratgeber beziehungsweise diese Patientenleitlinie wurde für Betroffene und ihre Angehörigen verfasst und ist leicht verständlich, übersichtlich und umfassend gestaltet. Auf die folgenden drei Formen wird in dem Buch eingegangen:

• Magersucht

• Bulimie

• Binge-Eating-Störung

Es beinhaltet Informationen, angefangen mit den Erscheinungsbildern und den ersten Schritten, die ein Betroffener oder Angehöriger machen könnte oder sollte, entschließt er sich dazu, die Abwärtsspirale zu durchbrechen. Teilweise sind auch Kommentare von ehemaligen Patientinnen angeführt, was Leidgenossen das Gefühl geben soll, verstanden zu werden oder nicht die Einzige, in so einer Situation, zu sein.

Des Weiteren werden mögliche Therapieoptionen thematisiert. Bei allen drei Formen ist die Psychotherapie die Behandlung der ersten Wahl; mit der kognitiven Verhaltenstherapie werden die besten Ergebnisse erzielt. Aber auch andere Behandlungsformen sind möglich. Abhängig von etwaigen Komorbiditäten, müssen beispielsweise auch Depressionen mittherapiert werden. Medikamentöse Maßnahmen sind ebenfalls eine Option und haben teilweise ihre Berechtigung.

Betroffene und Angehörige finden auch Informationen, samt Vor- und Nachteilen, über die Arten von Behandlungsprogrammen, wie etwa ambulant, stationär, teilstationäre oder das therapeutische Wohnen. Dabei ist die Auswahl situationsabhängig.

Was Eltern können tun, um ihre Kinder bei der Genesung zu unterstützen? Kontakte zu weiterführenden Informationen und Stellen, an die man sich im Fall der Fälle wenden kann, runden diesen Ratgeber ab. Als Angehöriger fand ich dieses Buch sehr hilfreich, da es die wichtigsten Informationen zu den entsprechenden Essstörungen in einem Band bietet.

Diagnostik und Behandlung von Essstörungen Ratgeber für Patienten und Angehörige – Patientenleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen (DGESS);

Almut Zeeck und Stephan Herpertz; Springer Verlag 2016, S. 78;

Ebook 22,99 €

ISBN 978-3-662-48173-8

Softcover 30,83 €

ISBN 978-3-662-48172-1

Philip Klepeisz, Ärzte Woche 19/2016

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