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Leben 3. Mai 2016

Wenn andere schlafen

Studie mit Krankenschwestern zeigt: Nachtarbeit ist schlecht fürs Herz.

Eine der größten amerikanischen Kohorten-Studien, die kürzlich publiziert wurde, zeigt ein zwischen 15 und 18 Prozent erhöhtes Risiko, eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln.

Bei einer großen Kohorten-Studie hat Prof. Dr. Eva Schernhammer, damals noch an der Harvard Medical School, mit ihrer Forschungsgruppe rund 240.000 Krankenschwestern in den USA untersucht, die seit mindestens fünf Jahren im unregelmäßigen Wechsel von Nacht- und Tagschicht eingesetzt wurden. Das zentrale Ergebnis: Krankenschwestern, die mehr als zehn Jahre auch nachts arbeiten, haben ein zwischen 15 und 18 Prozent erhöhtes Risiko, eine koronare Herzerkrankung zu entwickeln, als jene, die keine Nachtarbeiten zu verrichten haben. Das Risiko ist aber auch schon ab fünf Jahren Nachtschicht deutlich erhöht ( C. Vetter et al., JAMA 4/2016, DOI 10.1001/jama.2016.4454 ).

Das gilt auch für jene Frauen, die vor dem Eintritt in den Nachtschicht-Rhythmus als gesund eingestuft wurden und keine Erkrankungen mitbrachten. Denn bereits in vorangegangenen Studien konnte die MedUni-Wien-Epidemiologin Schernhammer, seit Oktober 2015 am Zentrum für Public Health, zeigen, dass bei Nachtarbeiterinnen unter anderem das Brust- und Darmkrebsrisiko, das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und für Adipositas erhöht ist.

Gleichzeitig konnten die Forscher vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien nachweisen, dass das Risiko für eine koronare Herzerkrankung stetig abnimmt, wenn die Frauen entweder in einen Job mit ausschließlich Tagarbeit wechseln oder in Pension gehen.

„Mini-Jet-Lag“ bei Wechsel von Nacht- zu Tagschicht

Die Forscher raten daher dazu, einerseits die Dienstpläne für die Nachtschicht generell zu überdenken und präventive, innerbetriebliche Gesundheitschecks anzubieten, aber auch unter Umständen bei der Einstellung zu berücksichtigen, zu welcher Art „Chronotyp“ der Mitarbeiter gehört. Schernhammer: „In etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Menschen sind Abendtypen, und zwanzig Prozent oder mehr sind Morgenmenschen. Der Rest sind Mischtypen.“ Bei einem raschen Wechsel zwischen Nacht- und Tagschicht können empfindliche Typen bereits einen „Mini-Jet-Lag“ mit Schlafproblemen erleiden. Die koronare Herzkrankheit stellt mit jährlich rund 17 Millionen Todesfällen weltweit die häufigste Todesursache dar, in Europa sind es vier Millionen Todesfälle jährlich. In den USA ist jeder vierte Sterbefall auf eine Herzerkrankung zurückzuführen.

PK/MedUni Wien, Ärzte Woche 18/2016

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