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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 19. April 2016

Viel Aufwand für Gratis-Bananen!

Große Laufveranstaltungen und ihr ganz besonderer Reiz.

Nun ist er auch schon wieder vorbei, der diesjährige Wiener Stadtmarathon, oder wie er auf Österreichisch auch heißt: der Vienna City Run. 40.000 Menschen laufen als personifiziertes schlechtes Gewissen vor den Nasen von mehr als 7 Millionen Menschen, die nicht laufen. Zwar betont man in Medizinerkreisen immer wieder den positiven Effekt von Bewegung auf den Körper. Doch hält so ein Lauf, was er verspricht? Für eine saubere Vergleichsstudie bräuchte man 40.000 eineiige Zwillingspaare, die ihr Leben lang dasselbe tun, dasselbe essen, denselben Job ausüben und denselben Lebenspartner haben. Dann ließe sich feststellen, ob sich das Laufen der Marathondistanz tatsächlich günstig auf die Gesundheit auswirken kann. Schließlich spielen viele Parameter hier eine Rolle und man kann davon ausgehen, dass sich ein trainierter Läufer prinzipiell eher an Proteinriegeln, Ballaststoffmüsli und Magnesiumbrause labt, als ein Couchpotatoe, der auf der Couch Potatoes und dessen fettig gesalzenen Derivate zu sich nimmt.

Auch laufen Menschen nicht immer aus denselben Gründen. Die Motivation ist ebenso vielgestaltig wie das Outfit der Läufer, das von grellpinken Schuhen (bei Männern) bis zu tomatenroten Wangen (bei hypertonen Männern) reicht. Ich selbst bin übrigens in einem formschönen tomatenroten Acrylshirt gelaufen, obwohl das Shirt meines Wissens nicht unter erhöhtem Blutdruck leidet.

Obwohl manche unfreiwillig mitmachen, weil sie zufällig vor Ort waren und von der Menschenmenge mitgerissen wurden, kann man davon ausgehen, dass die meisten die Strecke freiwillig absolvieren. Sie sind nicht einmal vom Arzt dazu verdonnert worden. Denn im Gegensatz zum Training auf den Lauf wird der Lauf selbst nicht unumstritten als gesund erachtet. Außerdem ist das Startgeld beträchtlich und wird von der Krankenkasse auch nicht rückerstattet.

Typische Motive sind daher eher der Wettkampfgeist (natürlich kämpft man vor allem gegen sich selbst, wirft aber dann doch einen Blick auf die Ergebnislisten, ob man nicht schneller gekämpft hat, als der Nachbar), das Runner’s High (das man aber genauso gut mit ein paar Wodka Red Bull erzielen kann) und die Hoffnung, der einen oder anderen Zivilisationskrankheit davonlaufen zu können (die einem aufgrund der großen Angst vor der Zivilisationskrankheit bei anderer Gelegenheit aber wieder einholt). Dass auf einem Schild am Streckenrand zu lesen war: „So viel Aufwand für Gratis-Bananen!“ kann als sehr vereinfachte Interpretation gesehen werden. Immerhin gab es auch Gratis-Gatorade, Gratis-Wasser, Gratis-Müsliriegel und Gratis-alkoholfreies-Bier-danach. Blendet man die Startgebühr aus, so sind diese Dinge auch wirklich gratis.

Es gilt wie überall: Spaß soll es machen. Sonst ist es ungesund. Behaupte ich jetzt einmal kühn, selbst wenn ich auf die Schnelle keine 40.000 eineiigen Zwillingspaare zur Hand habe, um das beweisen zu können.

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