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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 12. April 2016

Von innen sieht Österreich viel größer aus

Wie die Diagnose eines ganzen Landes ausfallen könnte.

Diese Woche darf ich mein erstes nicht medizinisches Buch präsentieren. Es geht dabei weniger um gemeine Körper, schrullige Ärzte oder lästige Patienten, sondern um das Land Drumherum. Durch das kabarettistische Prisma betrachtet, bieten Österreich und seine Bewohner eine Menge an landestypischen Liebenswürdigkeiten und behandlungsbedürftiger Pathologien.

Dass die Alpenrepublik auch Anfang des 21. Jahrhunderts noch nicht so im Fokus der Weltöffentlichkeit steht, wie sich manche erhoffen, und selbst das Top-Ereignis des Jahres, das internationale Super-Highlight-Weltcup-Abfahrtsrennen auf der Streif der Weltöffentlichkeit gelinde gesagt am Arsch vorbeigeht, zeigt die Kluft zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung. Neben einer rekordverdächtigen Zahl an Schnitzeln, Mozartkugeln, Lipizzanern, Neujahrskonzerten, Pisten mit WLAN und vor allem der guten Bergluft mit WLAN, hat das kleine neutrale Land auch auf medizinischem Gebiet einige Besonderheiten aufzuweisen.

Auch wenn es unwahrscheinlich scheint, dass der Österreicher lieber krank ist als anderswo, gibt man laut OECD hierzulande besonders viel Geld aus, um das Gesundheitswesen zu finanzieren. Das freut zum einen Personen, die unfreiwillig oder auch als Hobby viel Zeit bei Ärzten und in Ambulanzen verbringen. Zum anderen auch all jene, die sich ihre Brötchen im Gesundheitswesen verdienen. Ein Bürger, der lieber eine zweite Ampel in seiner Straße hätte, als einen zweiten Computertomografen im örtlichen Krankenhaus, zieht dabei allerdings den Kürzeren. So kann man getrost gesundheitlich sicher durchs Land stapfen, denn in unmittelbarer Gehnähe befindet sich immer eine Krankenliege. Österreich hat mit 6,4 Akutbetten deutlich mehr als andere Nationen, wobei man nur hoffen kann, im Notfall nicht genau das 0,4-Bett zugewiesen zu bekommen bzw. sich dieses nicht mit dem siebenten Patienten teilen zu müssen. Aber Statistik war noch nie so meine Sache.

Auch bezüglich der Zahl der Spitalsaufenthalte sind wir Spitze. In keinem anderen Land der Welt legt man sich so gerne in ein Krankenhaus. Immerhin sind wir ein Tourismusland und können durch Rundumbetreuung ein hohes Maß an Gästezufriedenheit erreichen – ob für Patienten oder Skitouristen, die zudem meist nach ein paar Tagen auf der Piste ohnehin auch zu Patienten werden.

Wir nehmen für unsere Gesundheit tatsächlich einen Haufen Geld in die Hand. Insofern darf man zurecht erwarten, hierzulande Spitzenmedizin erhalten zu können. Wenn man den heimischen medizinischen Fakultäten jedoch so etwas wie einen „Weltruf“ attestiert, geht das dann doch ein wenig an der Realität vorbei. Ein peruanischer Bürger wird wohl kaum auf die Frage, wo es die beste Medizin gibt, mit „Österreich“ antworten. Zumal man dort nicht einmal den Buchstaben Ö kennt.

So dürfen wir auch weiterhin unterhalb des Radars der Weltöffentlichkeit Weltspitze spielen und eine Vorreiterrolle einnehmen, obwohl kaum einer nachreitet. Lieber unauffällig g’sund, als auffällig krank!

  • Herr Norbert Peter, 21.04.2016 um 12:12:

    „Sehr geehrter Herr Doktor Ronny (so viel Zeit muss sein!) Tekal!

    Vorsichtig würde ich gerne einen Einwand auf den Weg bringen ...

    In Ihrer Kolumne vom 14. April schreiben Sie, dass das Abfahrts-Rennen "auf der Streif der Weltöffentlichkeit gelinde gesagt am Arsch vorbei geht". Ich will nur vorsichtig anmerken, dass es 2016 sogar Live-Übertragungen des Schi-Events am Hahnenkamm bis in die Niederlande gab.

    Wann hatten Sie denn, im Gegensatz zu den jungen Menschen, die auf den Brettern, die ihnen die Welt bedeuten, talwärts rutschen, eine TV-Live-Strecke ihrer Ordinations-Tätigkeit bis in die letzten Winkel Islands (JA, sogar dort musste die Bevölkerung ins Kabelfernsehen ausweichen, wenn sie unseren Alpen entgehen wollten!!)? Ha? Eben.

    Vielen herzlichen Dank für Ihre ungebremste Aufmerksamkeit,
    Gruß,
    Norbert Peter
    PS.: Kann ich am kommenden Donnerstag zur Vorsorge-Untersuchung kommen?“

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