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© Jürgen Berger/ Max-Planck Institut für Entwicklungsbiologie
Fadenwürmer der Gattung Pristionchus bei der Paarung (kolorierte Rasterelektronenmikroskop-Aufnahme).
 
Leben 29. März 2016

Eine Ode an den Sex der Nematode

Im Gegensatz zu Hermaphroditen bringt den weiblichen Würmern zumindest die Fortpflanzung mit Männchen mehr Lebenszeit.

Untersuchungen mit Fadenwürmern zeigen, dass die aufwändige Fortpflanzungsmethode des Zwittertums keine Vorteile für die Lebensdauer hat. Inzucht könnte ein Grund sein. Weibchen hingegen, die sich mit Männchen paaren, können sogar doppelt so alt werden als ihre Zwitter-Genossinnen.

Das Zusammenspiel von Männchen und Weibchen hat einen Einfluss auf viele biologische Prozesse, auch auf die Evolution von Eigenschaften wie Lebenserwartung oder Alterungsprozesse. Die meisten Tiere pflanzen sich durch Paarung von Männchen und Weibchen fort – einige Tierarten haben aber alternative Wege der Reproduktion entwickelt. Prof. Ralf Sommer und Dr. Cameron Weadick, Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen, erforschen, welche Folgen diese alternative Fortpflanzung mit sich bringt.

Dazu haben sie untersucht, ob Fadenwürmer der Gattung Pristionchus, die sich durch Selbstbefruchtung vermehren, länger leben und weniger anfällig für Krankheiten sind; oder ob solche Hermaphroditen sich in einem kurzen Zeitraum häufig vermehren, dann aber an Alterungsprozessen zugrunde gehen. Es zeigte sich, dass Hermaphroditen, die ihre Eier mit ihrem eigenen Sperma befruchten, deutlich kürzer leben als sich paarende Weibchen. Dabei hängt die Lebensdauer nicht direkt mit der Zahl der Nachkommen zusammen. Das bedeutet, dass die Investition in die aufwändigere Fortpflanzungsmethode nicht automatisch mit dem Vorteil eines längeren Lebens erkauft wird.

Warum Hermaphroditen kürzer leben, kann verschiedene Ursachen haben. Da sie die Spermien schon vor dem Erwachsenenalter produzieren, können sie früher mit der Fortpflanzung beginnen. Weibchen müssen hingegen Zeit für die Partnersuche aufbringen. Außerdem kann es vorkommen, dass Weibchen bei der Paarung verletzt werden. Möglicherweise hatten daher besonders widerstandsfähige, langlebende Weibchen evolutionäre Vorteile. Es wäre auch denkbar, dass die kürzere Lebensdauer bei Hermaphroditen durch die ständige Inzucht bedingt ist. Inzucht verhindert, dass vorteilhafte Eigenschaften sich in der Evolution durchsetzen (natürliche Selektion) und kann zu einer Anhäufung von ungünstigen Mutationen führen.

Originalpublikation: Cameron J. et al. The American Naturalist 2016

bit.ly/1UFKzK1

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