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© Justin Lane / picture alliance
 
Leben 29. März 2016

Eine Frage des richtigen Zeitpunkts

Für potente Anleger stellt die moderne Vermögensverwaltung eine interessante Möglichkeit dar, um ihr Geld am internationalen Finanzmarkt möglichst ertragreich aber risikoschonend zu investieren.

Wenn der Zinssatz die 0,0-Marke erreicht und Aktienmärkte immer fragiler werden, dann fragen sich immer mehr private Anleger: Wohin mit meinem Vermögen? Wie hoch ist meine persönliche Risikobereitschaft? Habe ich die Ressourcen und das notwendige Know-how, um mich selbst um mein Geld zu kümmern?

Finanzinstitute haben die Zeichen der Zeit längst erkannt und bieten ihren finanzkräftigen Kunden unter dem Titel „Vermögensverwaltung“ speziell gestaltete und servicierte Investmentprodukte an. Den heimischen Markt dominieren zwei große Kapitalanlagegesellschaften: Erste Sparinvest und Raiffeisen Capital Management. Alleine Raiffeisen verwaltet in diesem Geschäftsfeld laut eigenen Angaben inzwischen mehr als eine Milliarde Euro an Kundenvermögen.

Weil der Aufwand in der Vermögensverwaltung hoch ist, sind es die Einstiegsbarrieren auch: „Vermögensverwaltung, wie wir sie anbieten, macht erst ab einer gewissen Höhe Sinn“, bestätigt der Sprecher der Geschäftsführung der Raiffeisen KAG Mag. Rainer Schnabl. Um als Privatkunde in den Genuss eines Depots bei der Raiffeisen-Vermögensverwaltung zu kommen, ist ein Startkapital von zumindest 150.000 Euro erforderlich. Rechtliche Grundlage jeder einschlägigen Partnerschaft ist ein sogenannter Vermögensverwaltungsvertrag, der zwischen den Vertragspartnern abgeschlossen wird. In der Regel wird damit eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren aufwärts vereinbart. Kurzfristiger macht das wenig Sinn, findet Schnabl. Das sei aber ohnehin kaum relevant, denn „die meisten unserer Verträge laufen dann viel, viel länger. Wer einmal das Service einer Vermögensverwaltung genossen hat, der hört damit so bald nicht auf.“

Die Abwicklung erfolgt für den Kunden bequem über seine gewohnte Hausbank, im Hintergrund kümmern sich aber internationale Finanzexperten rund um die Uhr um sein Investment. Auf Wunsch des Kunden kommen die Betreuer der Vermögensverwaltung aber auch zu einem persönlichen Beratungsgespräch in die Hausbank. In jedem Fall stehen sie in regelmäßigem Kontakt mit dem Bankbetreuer vor Ort, „füttern“ ihn mit aktuellen Informationen.

Risiko versus Ertrag

Die Auswahl der einzelnen Produkte, die in das Kundendepot aufgenommen werden, orientiert sich an der individuellen Risikobereitschaft der Kunden. Je höher diese ist, desto höher wird der Anteil risiko- aber auch ertragreicherer Aktien im Verhältnis zu Anleihen sein, und damit auch die Volatilität des Depots. Damit wird im Finanzjargon der Schwankungsbereich von Anlagenprodukten innerhalb eines bestimmten Zeitraums bezeichnet. Je geringer dieser ist, desto „sicherer“ das Produkt. Damit verringert sich aber auch die Chance, durch einen Ausschlag nach oben kurzfristig viel Ertrag zu erwirtschaften.

Insgesamt ist der Aktienanteil in den Vermögensverwaltungsdepots in der Regel etwas höher als im herkömmlichen Privatkundengeschäft, meist zwischen 30 und 50 Prozent. Das hat wohl damit zu tun, dass zwischenzeitliche Markteinbrüche aufgrund der Höhe des eingebrachten Vermögens eher und länger durchgestanden werden können.

Wie auch immer das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen gestaltet wird, letztendlich bedeutet auch Vermögensverwaltung nichts anderes als Investieren am Kapitalmarkt. Damit bleibt immer ein gewisses Risiko bestehen, Vermögen auch verlieren zu können. Massive Einbrüche wie wir sie etwa 2008 erlebt haben – und in abgeschwächter Form auch in den ersten acht Wochen dieses Jahres –, wird es immer wieder geben. Auf lange Sicht sei dieses Risiko aber gut kalkulierbar, versichern Finanzexperten und verweisen auf die positive Langfristentwicklung der Finanzmärkte. Daran habe auch das Krisenjahr 2008 letztendlich nichts geändert. Gerade dann aber, wenn sich die internationalen Finanzmärkte in schwierigen Phasen befinden, kämen die Vorzüge einer professionell gemanagten Vermögensverwaltung besonders zum Tragen, versichert Schnabl: „Dass immer Unvorhergesehenes passieren kann, wurde uns allen in jüngster Vergangenheit wieder einmal deutlich vor Augen geführt, als die Märkte Anfang dieses Jahres deutlich korrigierten. Dann zeigt sich im Vergleich, dass sorgfältig und kompetent gemanagte Produkte im Verhältnis noch relativ gut abschneiden.“ Heißt übersetzt: Wenn eine Hausse über die Börsen der Welt hereinbricht und die Aktienmärkte boomen, kann jeder schnelles Geld verdienen. Zur „Kunst“ wird die Geldvermehrung – oder zumindest die Vermögenserhaltung – aber dann, wenn es unübersichtlich wird, eine Baisse die Märkte lähmt und die Anleger verunsichert. Dann wird vor allem die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zur großen Herausforderung.

Diese sogenannte „Kunst“, die in Wahrheit natürlich nichts mit Kunst, sondern viel mit Know-how, Expertise und Arbeit zu tun hat, legen immer mehr Privatinvestoren also inzwischen in die Hände von Vermögensverwaltern. Umso mehr, als die konsequente Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank klassische Spar- und Anlageformen in den letzten Jahr immer unattraktiver gemacht hat.

Anders als Investment-Banker verfolgen professionelle Vermögensverwalter, so versichern sie, einen eher konservativen Management-Ansatz: Ihr oberstes Ziel ist nicht der größtmögliche Ertrag, sondern der Kapitalerhalt des ihnen anvertrauten Vermögens. Daher wird, sobald sich etwa eine Baisse ankündigt, die Allokation des Kundendepots (also das Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen) in Richtung Anleihen verschoben und riskante Assets, Aktien zum Beispiel, aber auch Rohstoffe, abgestoßen. Erst wenn sich der Markt wieder erholt hat, erfolgt ein stufenweiser Rückeinstieg. Auch dabei ist die Wahl des richtigen Zeitpunkts entscheidend.

Konservativer Ansatz

All diese Maßnahmen erfolgen in der Regel eigenständig durch die Vermögensverwalter, ohne dass sich der Kunde darum kümmern muss. Er kann aber natürlich jederzeit auch selbst aktiv werden, wenn er das will. So oder so wird er regelmäßig über alle Depotbewegungen und -entwicklungen informiert. Die Raiffeisen-Vermögensverwaltung zum Beispiel erstellt zweimal im Jahr für jeden ihrer Kunden einen individuellen, umfassenden Bericht in Buchform. Darin findet er alles an Zahlen und Fakten, was er wissen möchte.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 13/2016

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