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Von Dr. Ronny Tekal, Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at
 
Leben 1. März 2016

Green Hospital

NebenWirkungen

In Frankfurt soll die erste Passivhaus-Klinik Europas entstehen.

Umweltschutz hört dort auf, wo es um die Gesundheit geht. Wie viel Plastik an einem durchschnittlichen Wochentag in einem Spital in die Mülleimer gekippt wird, ist beschämend. Nicht mitgerechnet die ganzen nicht entzündeten Wurmfortsätze der Privatpatienten.

Die Menge an Verpackungsmaterialien für Katheter, Infusionen und Punktionsbesteck ist derart umfangreich, dass mein Großvater, der früher am Weihnachtsabend akribisch Geschenkpapier, Schleifen und Klebeband sortiert und für das kommende Fest aufbewahrt hatte, wohl jahrtausendelang damit beschäftigt wäre, hier Ordnung reinzubringen. Nein, hier hält man sich nicht mit profanen Dingen wie Nachhaltigkeit auf. Hier geht es schließlich um die Gesundheit, und die hat ja wohl mit Umwelt nichts zu tun.

Eine winzig kleine Sonde muss schon alleine deshalb in einer zwei Quadratmeter großen Plastikfolie verschweißt werden, damit die Keime die kleine Sonde darin nicht finden. Zwar gab es immer schon zaghafte Versuche, Dinge wieder zu verwerten oder Verpackungsmaterial zu sparen, aber dann eher doch aus ökonomischen, denn ökologischen Beweggründen.

Nun wird in Frankfurt die erste Passivhaus-Klinik Europas errichtet. Über 600 Betten und ein Hybrid-OP, was ein wenig umweltfreundlicher klingt, als es ist, da hier nur die Kombination von Angiografie- und Magnetresonanzgerät gemeint ist. Alle Geräte sollen aber extrem energiesparend sein. Und so eine Energiesparlampe am Koloskop betont nicht zuletzt auch die Schummrigkeit im Darm. Ich finde die Idee nachahmenswert. Natürlich gibt es bereits jetzt schon in den hiesigen Krankenanstalten Maßnahmen zum Energiesparen. Man setzt auf moderne Dämmsysteme, Heizanlagen und verbietet den Patienten, im Winter die Fenster zu öffnen. Und auch in den anderen Jahreszeiten. Weil sich sonst die Klimaanlage nicht auskennt und das kostet Energie. Irgendwie.

Aber da ist noch Spielraum nach oben. Ein klimaneutrales Bio-Vollwert-Spital mit Betten aus Zirbenholz hat auch ein ganz anderes Wohnklima. Die überschüssige heiße Luft, die bei den Morgenbesprechungen erzeugt wird, kann für die Beheizung der Wärmflaschen verwendet werden. Wie die Biogas-Anlage durch die gastroenterologische Abteilung gespeist wird, wollen wir uns aber nicht genau vorstellen.

Natürlich müssen auch die Patienten ihren Beitrag leisten. Die Ergometer speisen das Stromnetz, Fieber wird nicht mehr gesenkt, vielmehr wird die erhöhte Temperatur dazu verwendet, die Fango-Packungen zu erwärmen. Mit einem computergesteuerten System werden fiebernde Patienten aber auch bei Bedarf zu frierenden Patienten ins Bett gelegt.

Dass hier auch das Personal gefragt ist, sich klimaneutral zu verhalten, versteht sich von selbst. Mit dem SUV in die Klinik zu fahren, war gestern, der Oberarzt von heute fährt mit dem Hybrid-Dacia zur Park & Ride-Anlage, benützt die U-Bahn und erreicht mit dem Einrad das hölzerne Eingangstor des Spitals. Grüner geht’s echt nicht.

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