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© Willfried Gredler-Oxenbauer/picture alliance
Tondokument 2: Lorenz-Böhler-Gasse wird zur Gründung der Arbeiterunfallversicherung befragt.
© Rainer Hackenberg/picture alliance

Tondokument 1: Der Toboggan im Wiener Wurstelprater wurde nach dem Vorbild anderer Rutschtürme in europäischen Großstädten errichtet und 1913 unter dem Namen „Teufels-Rutsch“ eröffnet. Von Herbst 2008 bis Anfang 2009 wurde der denkmalgeschützte Toboggan generalsaniert.

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Tondokument 3: Die Spieler des Wunderteams mit ihrem Mittelstürmer Matthias Sindelar (5.v.li.) nehmen am 24. April 1932 im Hohe Warte-Stadion vor dem Länderspiel gegen Ungarn (8:2) Aufstellung. Zeitzeugen berichten von der „papierenen“ Spielweise Sindelars, der sich mit Körpertäuschungen durchsetzte.

 
Leben 15. Februar 2016

Wean hean im O-Ton

Ein Reiseführer mit historischen Tonaufnahmen der Mediathek entführt in alte Zeiten zwischen Wunderteam, Wunderarzt und einem Wiener Wunder.

Akustische Stadtspaziergänge bringen Wienern und Wien-Besuchern die Innenstadt, das historische jüdische Leben im 15. Bezirk und den Wurstelprater näher.

„Am Rudschduam sagt die Mama, am Ruadschduam gehst ma net.“ Die Hoffnung der besorgten Mama: „Es muss im Prater ja wirklich a no andere Sachen gebm.“ Der alte Toboggan, sei gefährlich, weil dort angeblich „a murdstrum Schiefa aussesteht“, heißt es in dem Wienerlied von Molden/Resetarits/Soyka/Wirth.

Das Lied beruht auf einer wahren Begebenheit, oder sagen wir: auf einer Prater-Legende. Das erfährt man in einem Tondokument, das die Österreichische Mediathek aus ihrem Archiv geborgen hat und die sie auf einer neuen Online-Plattform ( www.mediathek.at/stadtplan ) kostenlos zur Verfügung stellt – gleichsam als Teil eines akustischen Wiener Onlinestadtplans.

Ein Wiener Original mit dem Pseudonym Clavis, der als Jugendlicher sein Taschengeld verdient hat, indem er am Rutschturm aushalf und so den Toboggan besonders gut kennenlernte, erzählt folgende Geschichte, die, als er sie erfuhr, bereits 30 Jahre zurücklag: „Es gab einmal einen Todesfall. Die Rutschfläche ist komplett aus Holzleisten. Es ist ein Typ gefahren, der hat beschlagene Fersen gehabt und hat mit seiner beschlagenen Ferse offenbar einen Nagel rausgezogen und eine Leiste hat sich gehoben. Und angeblich soll das sogar eine Nonne gewesen sein.“ Historische Stimmen, politische Ereignisse und lebensgeschichtliche Erinnerungen lassen Zeit- und Kulturgeschichte des alten Wien wiederauferstehen. Dort haben Prater-Legenden genauso ihren Platz wie Ikonen der Medizin, Dr. Lorenz Böhler oder ein Original-Radio-Kommentar von Willy Schmieger aus dem Jahr 1932.

Hören wir, pardon: lesen wir, hinein. Schauplatz ist das Hohe Warte-Stadion. Es ist der 24. April. Länderspiel zwischen Österreichs Wunderteam gegen die Fußballgroßmacht Ungarn. Schmieger berichtet: „Flanke von Vogl, Gschweidl bemächtigt sich des Balls, mit wunderbarem Kopfstoß sendet er das Leder an die Stange, von dort prallt der Ball ins Netz. Vergebens bemühen sich die ungarischen Verteidiger den Ball noch zu erhalten, der Schiedsrichter hat schon gesehen, dass der Ball die Linie passiert hat. Unhaltbar. Es steht 6:2 für Österreich.“

Die Österreicher spielten mit dem Resultat im Rücken souverän weiter, Schmieger war jedoch auf der Hut, wollte nichts verschreien: „Bis jetzt können wir mit dem Stand recht zufrieden sein. [...] Ich habe nichts für die Zukunft gesagt, ich spreche nur für die Vergangenheit. Wir stehen 6:2. Es fällt mir gar nicht ein, einen Sieg der österreichischen Mannschaft vorherzusagen, sonst habe ich sofort wieder die österreichische Mannschaft verknofelt.“

Zuletzt noch ein Lorenz-Böhler-O-Ton, der Musikhistoriker Erich Schenk hat ihn 1967 in der Webergasse, dem Sitz der AUVA, nach seinem Vorbild befragt. Böhler: „Ich habe mich immer schon für den Arztberuf interessiert. Schon bevor ich in die Volksschule gegangen bin, habe ich meiner Großmutter erzählt ich will einmal ein Lipburger (der Chirurg Josef Lipburger, Anm.) werden.“

M. Burger, Ärzte Woche 7/2016

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